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Schaeffler

Schließung des Schaeffler-Werkes steht fest

Der Widerstand ist gebrochen: Betriebsrat und Vorstand stimmen Interessenausgleich und Sozialplan zu. Gestern wurden die Mitarbeiter informiert.
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Es ist besiegelt: Das Schaeffler-Werk Elfershausen schließt zum Jahresende.  Foto: Wolfgang Dünnebier/Archiv
Es ist besiegelt: Das Schaeffler-Werk Elfershausen schließt zum Jahresende. Foto: Wolfgang Dünnebier/Archiv

Einen Monat nach der grundsätzlichen Einigung sind nun offenbar auch die Details geklärt: "Der Betriebsrat am Standort Elfershausen hat gestern dem Interessenausgleich zum Schaeffler-Standort Elfershausen zugestimmt", teilte Betriebsratsvorsitzender Michael Walter am Freitag mit. Nähere Angaben wollte er gestern noch nicht dazu machen: "Ich will erst die Mitarbeiter informieren." Am Nachmittag gab es eine Betriebsversammlung, für Montagmorgen ist ein Pressegespräch geplant.


Angebote für Altersteilzeit

Damit kann der Schaeffler-Konzern bald loslegen: "Erst nach Unterzeichnung des Vertrags kann mit der Umsetzung offiziell begonnen werden", stellt Martin Adelhardt, Leiter Kommunikation und Marketing bei Schaeffler Industrie, zwar klar, aber: "Natürlich sind parallel die Detailplanungen für die Verlagerung angelaufen, und auch erste Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden geführt." Sprich: Die ersten Mitarbeiter im Werk Elfershausen haben bereits die Bedingungen für Altersteilzeit oder Aufhebungsverträge.
"Manche Kollegen wollten wissen, womit sie rechnen können", begründet Thomas Höhn von der IG-Metall die Entscheidung, solche Angebote bereits vor der endgültigen Einigung zu ermöglichen, und: "Da ist Planungssicherheit da." Es handle sich um freiwillige Leistungen des Unternehmens. Sobald die Verträge unterschrieben seien, werde die Gewerkschaft auch Sprechstunden direkt in Elfershausen anbieten.
Laut Höhn regelt der Interessenausgleich alle geplanten Maßnahmen, der Sozialplan umfasse zusätzlich den Ausgleich für wirtschaftliche Nachteile der Mitarbeiter. Bereits seit 2006 bestehe daneben eine so genannte Regelungsabrede, die 2011 verlängert wurde. Sie sieht eine Erhaltung des Werks bis zum Jahr 2020 und unbezahlte Mehrarbeit von fünf Stunden pro Woche vor. 2011 war eine Ausstiegsklausel aufgenommen worden, die das Unternehmen aber nun gar nicht in Anspruch genommen habe: "Stattdessen soll die Regelungsabrede nun durch eine neue abgelöst werden", berichtet Höhn.


"Billigmachen von Arbeit"

"Wir waren von Anfang an gegen die Idee, mit freiwilliger Mehrarbeit den Standort zu retten", kommentiert Höhn das einseitige Zugeständnis der Belegschaft. Auf 17 Millionen Euro hat der Betriebsrat den Gegenwert der freiwilligen Mehrarbeit berechnet. Zurückgezahlt wird davon nichts, Schaeffler stimmte lediglich zu, dass rückwirkend zum November wieder die 35-Stunden-Woche eingeführt wird. "Das Billigmachen von Arbeit hat noch kein Unternehmen gerettet", betont Höhn. Dass die deutsche Metall- und Elektro-Industrie auch mit Tarifverträgen wettbewerbsfähig sein könne, sehe man daran, dass seit Jahren die Zahl der Beschäftigen steige.
Trotzdem fürchtet natürlich auch Höhn, dass die Schließung kleinerer Werke vielleicht Schule machen könnte. Deshalb sei im Interessenausgleich für Elfershausen auch festgeschrieben worden, dass keine Produktion aus Eltmann abgezogen wird. Schaeffler will in Schweinfurt 180 neue Arbeitsplätze schaffen, aber: "Es haben alle 260 aktuell in Elfershausen beschäftigte Arbeitnehmer die Möglichkeit, nach Schweinfurt zu wechseln", betont Höhn. Diese "Komplettzusage" sei der Gewerkschaft wichtig gewesen, auch wenn Höhn davon ausgeht, dass nicht alle Kollegen das nutzen.
Eine Erhaltung des Werkes sei in den Verhandlungen nie ein Thema gewesen: "Wir mussten schauen, dass die Kollegen eine Zukunft haben", sagt Höhn. "Ich bin enttäuscht, dass man sich da so kampflos hingibt", kommentierte Elfershausens Bürgermeister Karl-Heinz Kickuth (SPD) gestern die Entscheidung. Er habe noch versucht, eine große Demo mit der Bevölkerung vor dem Werkstor zu organisieren, allerdings habe es keine Unterstützung vom Betriebsrat gegeben. Nun führe er Gespräche für eine Nachnutzung des Betriebsgeländes.
"Gespräche mit der Gemeinde werden derzeit nicht geführt", berichtet Unternehmenssprecher Adelhardt, und: "Was die Verlagerung betrifft, gehen wir unverändert davon aus, dass wir diese bis Ende 2017 abschließen können."


Kritik an der Gewerkschaft

"Die Standortschließung schlägt tiefe Wunden im Landkreis, wobei der Interessensausgleich verträglich scheint", kommentiert Landrat Thomas Bold (CSU) die jüngste Entwicklung. Aus seiner Sicht haben "der Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft nicht ausreichend für den Erhalt des Werkes gekämpft", übt Bold scharfe Kritik, und: "Deshalb hatte die Politik trotz aller Bemühungen keine Chance, den Standort zu retten."



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