Bad Brückenau
Umwelt

Schafe prägen die Rhöner Landschaft

Die Tiere liefern nicht nur Wolle und Fleisch, ohne sie wäre die Rhön womöglich nicht das Land der offenen Fernen. Doch die Zahl der Betriebe ist durch Globalisierung und Energiewende geschrumpft. Wie gehen die Schäfer in der Rhön damit um?
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Schäfer Harald Müller und Hütehündin Senta passen auf die Herde auf.
Schäfer Harald Müller und Hütehündin Senta passen auf die Herde auf.
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Die Schäferei ist ein Beruf mit einer langen Tradition. Und Schäfer müssen Idealisten sein: Tagein, tagaus bei Wind und Wetter auf die Weide hinauszufahren, die Tiere zu hüten, Zäune umzustecken, die Herde von Wiese zu Wiese zu treiben, das ist nicht jedermanns Sache. "Wer Schäfer ist, ist dafür geboren", meint Heidi Sattes-Müller, Schäferfrau und Ortsbäuerin von Aura. Ihr Mann Harald ist Berufsschäfer und verbringt sieben Tage in der Woche bei den 600 Merinoschafen auf den Weideflächen am Kreuzberg und Arnsberg. Sie erledigt zuhause die Büroarbeiten.
"500 bis 600 Schafe braucht man heute, um an der untersten Grenze zu überleben", schildert sie die Mindestgröße eines hauptberuflichen Schafbetriebes. Zwar seien in den letzten Jahren die Preise für Wolle am Weltmarkt leicht gestiegen.
Zum Leben lange es aber nicht, auch wenn die Müllers nie auf ihrer Wolle sitzen blieben und sie immer vollständig verkaufen konnten. Der Profit aus dem Wollverkauf sei gerade genug, um die Kosten zu decken, die durch das Scheren entstehen. "Das war viele Jahre nicht so, und wir sind für jeden Fortschritt dankbar", sagt Sattes-Müller. Dennoch wird Wolle - obwohl ein teures Produkt - deutlich unter Wert verkauft. Ursache für den Preisverfall im 20. Jahrhundert war die starke Konkurrenz durch neue, moderne Fasern.
Wovon lebt also ein Berufsschäfer? Zum einen vom Verkauf von Lammfleisch, auch wenn das nur einen kleineren Teil ausmacht. Generell wird in Deutschland pro Kopf nicht viel Lamm verzehrt. Die Hälfte von dem, was gegessen wird, stammt nicht aus heimischer Produktion, sondern wird importiert, beispielsweise aus Neuseeland. Immerhin seien die Preise konstant. "Neuseeländische Lämmer pflegen aber nicht unsere heimische Landschaft, auf die wir so stolz sind", findet Sattes-Müller deutsches Lammfleisch nachhaltiger.
Das gelte insbesondere für die Rhön, die von den natürlichen Rasenmähern gepflegt und vor Verbuschung geschützt werde. "Die Rhön ist das Land der weiten Ferne. Ohne Schafe wäre sie allerdings dicht bewaldet", erläutert sie. Laut Vertragsnaturschutz werden die Schäfer von Naturschutzbehörden dafür bezahlt, dass sie die Kulturlandschaft erhalten. Das ist ihre Haupteinnahmequelle. Von ihren Produkten können sie nicht leben, stattdessen werden Schäfer zu Naturschützern. In dem gesellschaftlichen Interesse an Nachhaltigkeit sieht Sattes-Müller für ihren Berufsstand eine Chance: "Dadurch kommt das Produkt Wolle mehr zur Sprache. Schafhaltung ist die nachhaltigste Form der Landwirtschaft."
Rolf Herdt aus Römershag hingegen kommt ganz gut mit einer 300-köpfigen Herde zurecht. Im Gegensatz zu den Müllers ist er ein Koppelschafhalter, das heißt: "Meine Schafe sind auf der Weide ohne ständige Beaufsichtigung." Dadurch bleibe ihm mehr Zeit, andere Aufgaben wahrzunehmen und den Betrieb allein und nicht als Familienbetrieb zu führen. Rolf Herdt lebt vom Lammfleisch-Verkauf. "Ich habe mir einen Partner gesucht, der das Produkt ohne Zwischenhandel verkauft", legt er dar. Dadurch bleibe mehr Gewinn übrig. Unter dem Siegel "Dachmarke Rhön" vermarktet die Landmetzgerei Kleinhenz das Fleisch an die Gastronomie oder verkauft es als Salami oder Bratwurst direkt im Laden und auf Märkten.
"Gerade für die Salami ist die Nachfrage das ganze Jahr sehr gut", bestätigt Richard Kleinhenz. Die Verbraucher seien bereit, für ein gutes, frisches Produkt aus der Region zu zahlen. Im Gegensatz zu Massenprodukten aus dem Supermarkt erfahren die Leute hier, woher die Ware stammt. "Da muss auch der Schäfer dahinterstehen", sagt der Metzgermeister. Für Rolf Herdt gehört das zu der Kooperation dazu. Bei Aktionstagen oder auf Märkten ist er beim Verkauf vor Ort und präsentiert die Ware den Kunden. "Gerade kleine Schafbetriebe müssen sich in Zukunft ihre Nische suchen", ist der Römershager Schäfer überzeugt. Seine persönliche hat er schon gefunden.
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