Bad Brückenau
Selbsthilfe

Sauberes Wasser für Oruchinga

Mit einem von Hans-Otto Wack konstruierten Filters können die Menschen in dem Wassernotstandsgebiet in Uganda aus dunkler Brühe Trinkwasser herstellen. Die Eine-Welt-Gruppe Bad Brückenau wollte es ganz genau wissen.
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Hans-Otto Wack ist der Gründer des Vereins "Wasser für Menschen e.V.". Oberstes Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe im Wassernotstandsgebiet Oruchinga Valley in Uganda. Und Hans-Otto Wack hat auch eine Lösung für das Problem. Diese Lösung war allerdings zunächst als "netter Blumentopf" bezeichnet worden, sagte er bei einem Vortrag in Bad Brückenau, zu dem ihn die Eine-Welt-Gruppe eingeladen hatte.
Das schlichte Gefäß hat es jedoch in sich. Der Tonmischung, die vor Ort im Oruchinga Valley zu finden ist, wird Sägemehl beigefügt, das beim Brand verbrennt und kleinste Poren hinterlässt. Diese sind so fein, dass Bakterien festgehalten werden. Zudem wird der Filter mit einer Silbernitrat-Imprägnierung behandelt, was eine weitere antibakterielle Wirkung hat. Diese hochverdünnte Lösung kann im Handel bezogen werden. Ein Filter hat eine Durchflussmenge von zwei bis vier Liter pro Stunde und kann den Wasserbedarf einer achtköpfigen Familie sichern. Laborwerte bestätigen "null Bakterien im gefilterten Wasser", sagt Hans-Otto Wack.

Brunnen kein Thema

Der Biochemiker hatte sich die Frage gestellt: "Wo liegen die tagtäglichen Herausforderungen für die Bevölkerung im grundwasserarmen Oruchinga Valley in Uganda?" Hinfliegen und einen Brunnen bohren, das kam für ihn nicht in Frage. Zu sehr ist der Brunnen mit Macht verknüpft, die zu leicht vom Militär ausgeübt wird. Der von Hans-Otto Wack vorgeführte Film machte deutlich, welche Anstrengungen die Menschen unternehmen müssen, um an schmutziges Wasser für die Wäsche, Körperpflege und zum Trinken zu gelangen.
Für Hans-Otto Wack ist klar: "Wasser ist das sensibelste Gut, das wir haben." Und von existentieller Bedeutung. Obwohl Ugandas Fläche zu einem großen Teil aus Wasser besteht, gilt dort dennoch "allerhöchster Wassernotstand". Denn das Wasser, das der Bevölkerung zur Verfügung steht, ist schmutzig und verursacht Infektionen. 40 Prozent der unter Vierjährigen sterben aufgrund von verschmutztem Wasser.
Wassermangel hindert zudem die Kinder am Schulbesuch, sie müssen sich an der Suche nach Wasser beteiligen. Auch Frauen verbringen den Tag mit der Wassersuche. Dieser Notstand begünstigt Wasserspekulationen, treibt den Wasserpreis in die Höhe. So verkauft ein Erfrischungsgetränkehersteller in Uganda keine Softdrinks, sondern Wasser. Für 14 Euro erhält eine Familie sauberes Flaschenwasser für drei Wochen.
Für 14 Euro kann sich die Familie aber auch einen Keramik-Filter kaufen, der etwa eineinhalb Jahre aus Regen- und Oberflächenwasser sauberes Trinkwasser macht. Darüber hinaus werden die Frauen vor Ort in Sachen Wasserhygiene ausgebildet. Die Produktionsstätten sollen von der Bevölkerung selbst errichtet werden, auch die Einrichtung soll selbst besorgt werden. "Unser Ziel ist es, uns selbst irgendwann überflüssig zu machen", erläutert Hans-Otto Wack den Wunsch nach einer nachhaltigen Perspektive.
Das Projekt kommt bei der Bevölkerung sehr gut an. Die Kosten werden lieber in ein langfristiges Wasserprojekt investiert, das in der Zukunft selbst übernommen werden kann. "Die Entwicklung muss vor Ort von den Leuten selber und in ihrem eigenen Tempo kommen", sagt Hans-Otto Wack. "Das hat auch mit Selbstwertgefühl zu tun." Von Europäern etwas Neues übergestülpt zu bekommen, ist kontraproduktiv zu dem praktischen und solidarischen Denken in Uganda. "Weg vom Business" will der Verein "Wasser für Menschen". Mit der Aufschrift "please copy" auf den Filtern soll ein Multiplikatorenmodell angestoßen werden, das Patentansprüche unmöglich machen soll. Politisch gesichert wird das gemeinnützige Projekt vom ugandischen Parlament, bei dem Hans-Otto Wack seinen "Blumentopf" vorstellte. Darüber hinaus pflegt der Verein "Wasser für Menschen e.V." enge Kontakte zu Botschaftern und den Wasserministerien der afrikanischen Union.


"Wasser für Menschen"

Hans-Otto Wack
, studierter Biochemiker und Toxikologe, erlebte seit 1998 Wasser als Wirtschaftsgut, sieht es aber als Menschenrecht. Im Sinne der Agenda 21 von Rio engagiert er sich weltweit für nachhaltige Wassersysteme. Er hält Vorlesungen an Universitäten wie Berlin, Paris, Kopenhagen, Atlanta und Fulda. 2002 gründete er den Verein "Wasser für Menschen". Dieser wird mit zehn wissenschaftlichen Mitgliedern bewusst klein gehalten, es entfallen die Verwaltungskosten. Jeder der zehn Wissenschaftler ist weltweit "sehr gut vernetzt", was den Ideenaustausch garantiert.
Ziel des Vereines ist die Hilfe zur Selbsthilfe, Schaffung von Arbeitsplätzen und Produktionsstätten und die enge Kooperation mit Partnern vor Ort. Spendengelder werden mehrfach genutzt, indem sie für die Herstellung von Fabriken und Filtern verwendet werden. Dieser Mikrokredit wird von der Bevölkerung wieder zurückgezahlt und in Nachfolgeprojekte gesteckt.
Der Verein will beweisen, dass Entwicklungshilfeprojekte lange tragen können, dass nur wenig Geld dafür nötig ist und dass die Kooperationspartner vor Ort die Kapazitäten und den Willen haben, selbst für die Selbsthilfe zu sorgen. Weitere Infos über den Verein und die Möglichkeiten, ihn zu unterstützen, gibt es im Internet dem www.wa-me.de.Andreas Dylla von der Eine-Welt-Gruppe Bad Brückenau betonte, dass das Projekt Keramik-Wasserfilter "gefördert gehört". Über eine möglichst lange Zeit möchte die Gruppe einen finanziellen Beitrag leisten. 2007 beteiligte sich die Eine-Welt-Gruppe bereits an einem Wasserprojekt in Papua Neuguinea. Derzeit stehen noch 500 Euro zweckgebundene Spendengelder zur Verfügung. Andreas Dylla: "Ich denke, ein würdiger Abnehmer ist da."


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