Bad Kissingen

Rotmilan-Projekt: Zum Schutz eines Rhöners

Wie viele Rotmilane leben in der Rhön - und wo? Ehrenamtliche Beobachter spähen in den Himmel und sammeln Daten, um den Greifvogel zu schützen.
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Paul Neuland studiert als ehrenamtlicher Beobachter den Himmel - immer auf der Suche nach dem Rhöner der Lüfte - der Rotmilan. Fotos: Carmen Schmitt/Biosphärenreservat Rhön
Paul Neuland studiert als ehrenamtlicher Beobachter den Himmel - immer auf der Suche nach dem Rhöner der Lüfte - der Rotmilan. Fotos: Carmen Schmitt/Biosphärenreservat Rhön
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Mal dauert seine Runde zwei Stunden, manchmal drei. Block und Stift, der Ausweis und das Fernglas. Paul Neuland steht in der Nähe der Platzer Kuppe. Er ist einer von 25 Kartierern, die seit einpaar Wochen einem ganz bestimmten Greifvogel auf der Spur sind. Aus welcher Richtung kommt er, wo taucht er in den Wald ab? Die ehrenamtlichen Beobachter arbeiten für den Schutz eines Vogels, der wie kein anderer für die Rhön steht.

Wenn er den Himmel zur Bühne macht, kreist, schwebt und im Sturzflug seine Beute angreift, dann vergeht die Zeit hinter dem Fernglas - im wörtlichen Sinn - wie im Flug. Für Paul Neuland aus Platz ist der Rotmilan ein imposanter Vogel.

Fast zwei Drittel des weltweiten Bestands lebt in Deutschland. Das Hauptbrutgebiet des Greifvogels liegt in Deutschland. Claus Schenk vom Naturpark meint sogar: "Für den Rotmilan ist die Rhön das wichtigste Gebiet."


Bestand sichern und schützen

"Warum sie sich bestimmte Horste aussuchen, kann man nicht genau sagen", meint Joachim Urban, Revierleiter im Oberbacher Forst. Für den Greifvogel muss alles passen: Krone, Klima, Nahrung. Vor allem letzteres hat dafür gesorgt, dass 30 Prozent des Bestandes in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland zurückgegangen ist.

Grünland, auf dem er seine Beute aufspürt, wird immer mehr von Monokulturen aus Raps und Mais verdrängt. Der Population setzt außerdem zu: der Verkehr, die Winterwanderung in den Süden, Abschüsse, Windkraftanlagen. "Wir haben die Hoffnung, dass die Rhön ein Spendergebiet wird", sagt Joachim Urban. Um die Verluste andernorts auszugleichen.

In 50 Quadranten ist der Landkreis für die Kartierung aufgeteilt. Die ehrenamtlichen Frauen und Männer ziehen noch bis Ende Mai über die Felder, den Blick in den Himmel. Die Daten, die sie sammeln, sollen zeigen, wo die Horste sind und wie viele Brutpaare es im Kreis gibt. Die Grundlage für das Hilfsprojekt.


Holzarbeiten sollen ruhen

22 ist eine alte Zahl. Dieter Fünfstück, LBV-Kreisvorsitzender, schätzt und hofft, dass heute bis zu 30 Brutpaare hier leben könnten. Einen neuen Horst hat Norbert Schmäling vom LBV schon entdeckt. Das Nest und seine Bewohner dürfen aber gerade jetzt nicht gestört werden. Im schlimmsten Fall sind schon Horstbäume abgeschnitten worden, erzählt Joachim Urban. Heute gilt: keine Forstarbeiten, wo gebrütet wird. Die Lose zum Holzmachen vergibt Joachim Urban erst, wenn die Jungvögel sechs Wochen alt sind. "Es ist besser, das Holz im Herbst zu machen." Auch Forstanwärter Maximilian Riezler will dafür sensibilisieren.

Er beschäftigt sich für eine Arbeit im Rahmen seiner Staatsprüfung mit dem Rotmilan im Kissinger Stadtwald. Wie kann man den Horst schützen, wie das Bewusstsein in der Öffentlichkeit stärken - darauf will der Forstanwärter in den nächsten Wochen Antworten finden. Genauso wie das Artenhilfsprojekt.

Paul Neuland kommt auf seinen Touren zur Ruhe. "Es ist interessant, ihn zu beobachten." Einfach abschalten, den Blick in den Himmel heften und ihm nachjagen, dem Rhöner, der seine Runden dreht.

Tier Der Rotmilan wird auch Gabelweihe genannt. Der Greifvogel ist größer als ein Mäusebussard, er hat eine Flügelspannweite von bis zu 1,7 Meter und wiegt rund ein Kilogramm. In Europa sollen noch etwa 25 000 Brutpaare leben.

Rhön
Das Artenhilfsprojekt Rotmilan läuft im Biosphärenreservat Rhön zusammen. Dort werden die Schutzmaßnahmen der Projektpartner in der fränkischen, hessischen und thüringischen Rhön koordiniert.
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