Bad Kissingen
Mahnwache

Rhöner Milchbauern fordern faire Preise

Zum Tag der Milch am 1. Juni haben am Sonntag deutschlandweit Milchbauern auf ihre Probleme hingewiesen. In Bad Kissingen fand eine Mahnwache statt. Die Landwirte kritisieren die europaweite Abschaffung der Milchquote.
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Milchbauer Jürgen Förg aus Schondra demonstriert mit Kuh Isabei in der Bad Kissinger Fußgängerzone.  Foto: Benedikt Borst
Milchbauer Jürgen Förg aus Schondra demonstriert mit Kuh Isabei in der Bad Kissinger Fußgängerzone. Foto: Benedikt Borst
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Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) schlägt Alarm. Zum heutigen Tag der Milch fanden am Sonntag deutschlandweit zahlreiche Protestaktionen statt, in denen Milchbauern vor allem auf den enormen Preisverfall für Milch hinwiesen. So auch in der Bad Kissinger Fußgängerzone. Der BDM-Kreisverband hielt an der Ecke Ludwig- und Untere Marktstraße eine Mahnwache ab.
"Wir wollen informieren und bei den Leuten ein Bewusstsein schaffen, dass vieles im Argen liegt", sagt der stellvertretende BDM-Kreisvorsitzende Alfred Greubel. Mit einem Traktor, Transparenten und einer Kuh sicherten sie sich die Aufmerksamkeit der Passanten.

Weniger Geld im ländlichen Raum

Die Bauern klagen darüber, dass sie ihre Milch zu billig am Markt verkaufen müssen und sie fürchten, dass die Preise noch weiter sinken. "Wir hatten im Januar eine Kostenentwicklung wie während der schlimmen Milchkrise von 2009", sagt der Bio-Milchbauer aus Elfershausen. Zum 1. April hat die Europäische Union außerdem die Milchquote gekippt, die bisher die Milchproduktion geregelt und den Landwirten stabile Preise garantiert hat.

Die Entwicklung wirkt sich auch im Landkreis aus. Der aktuelle Milchpreis liegt zehn Cent unter dem Vorjahresniveau, rechnet Greubel vor. 32 Millionen Liter werden jährlich im Landkreis produziert. "Das sind 3,2 Millionen Euro, die im ländlichen Raum fehlen. Die können die Bauern hier nicht mehr ausgeben", meint der Landwirt.
Der Preis für den Liter konventionelle Milch liegt aktuell bei 30 Cent. Da bleibt nicht viel für die Bauern übrig, erklärt Greubel. Nur um die variablen Kosten zu bezahlen, also etwa das Futter für die Kühe und den Strom für den Stall, sind 26 Cent pro Liter fällig. "Da ist noch keine Arbeit bezahlt", sagt Greubel. "Die Molkereien haben bereits angekündigt, um drei bis vier Cent runterzugehen." Da wird es für die Bauern kritisch.

Greubel und der BDM kritisieren, dass die Milchproduktion nicht von der Politik geregelt wird. Es dürfte nur so viel Milch produziert werden, wie auch gebraucht wird, findet er. Seitdem allerdings die Quote abgeschafft wurde, ist es den Betrieben gestattet, so viel Milch auf den Markt werfen wie sie können und wollen. Laut Greubel versuchen viele Betriebe die fallenden Preise mit größeren Absatzmengen zu kompensieren. Der Milchmarkt werde zusätzlich geflutet und die Preise sinken weiter. Greubel: "In Krisenzeiten brauchen Bauern Anreize, weniger zu produzieren." Er hält beispielsweise die Einführung eines Bonus- und Malussystems für sinnvoll.


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