Bad Kissingen
Aufbrecher

Rhön bietet gutes Umfeld für den Job

Der Landkreis Bad Kissingen wird von den Bewohnern als wirtschaftlich schwach wahrgenommen. Dabei bieten sich Perspektiven: Ärztin Cristina Pohribneac zieht die Arbeit in der Kleinstadt der in Metropolen vor.
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Oberärztin Cristina Pohribneac hat ihre Heimat in Siebenbürgen verlassen, weil sie das Gefühl hatte, sich dort beruflich nicht entwickeln zu können. Foto: Benedikt Borst
Oberärztin Cristina Pohribneac hat ihre Heimat in Siebenbürgen verlassen, weil sie das Gefühl hatte, sich dort beruflich nicht entwickeln zu können. Foto: Benedikt Borst
Cristina Pohribneac hatte das Gefühl, sich in ihrer Heimat beruflich nicht verwirklichen zu können. Die 47-Jährige stammt aus dem 400 000 Einwohner zählenden Klausenburg, der zweitgrößten Stadt Rumäniens. Nach dem Medizinstudium schaute sie sich nach einer psychosomatische Facharztausbildung um. "Ich habe gemerkt, dass ich mich hier nicht weiterentwickeln kann", sagt die Ärztin.

Also orientierte sie sich vor 13 Jahren in Richtung Ausland, vor allem nach Deutschland. Gelandet ist Pohribneac am Ende nicht am Charité in Berlin, sondern in den Heiligenfeld Kliniken Bad Kissingen. Die Kleinstadt hat der Akademikerin eine bessere berufliche Perspektive geboten als die Metropole. "Das Ländliche war für mich weniger wichtig. Wichtiger war, dass ich mich beruflich entwickeln konnte. Die Klinik war sehr offen und hat mich sehr unterstützt", erklärt Pohribneac. Sie absolvierte die psychosomatische und psychotherapeutische Facharztausbildung und arbeitet seitdem in Deutschland für mehrere Kliniken als Oberärztin, derzeit ist sie leitende Ärztin in der Parkklinik Nord der Heiligenfeld Kliniken.


Stadt ist kritischer als Umland

Grundsätzlich teilen nicht ganz so viele Menschen die Einschätzung von Pohribneac, was die beruflichen Aussichten in der Region angeht. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von Landkreis und Stadt Bad Kissingen zur hiesigen Lebensqualität hervor. Demnach nimmt nahezu jeder Zweite den Landkreis als wirtschaftlich schwach wahr. Vier von zehn Befragten aus der Stadt und rund ein Drittel der Befragten aus dem Umland sehen das Jobangebot als kritisch. Gerade junge, gut ausgebildete Menschen zieht es deshalb nach der Schule zum Studium und zum Arbeiten fort in größere Städte.


Mehr Heimkehrer nach Studium

Laut Kreiswirtschaftsförderer Jürgen Metz ist das vor allem ein Wahrnehmungsproblem. "Von dem, was an wirtschaftlicher Stärke da ist, werden wir unterschätzt", sagt er. Es gebe aber viele kleine und mittlere Betriebe, die vielfältige und anspruchsvolle Jobs bieten. Im hochqualifizierten Bereich sei der Landkreis nicht ganz so breit aufgestellt, im Niedriglohnsektor bestehe hingegen ein Überhang. "Das wird stark wahrgenommen", meint er.

Dennoch: Nicht alle jungen Leute wollen abwandern. "Es ist ein klarer Trend erkennbar, dass manche nach dem Studium wieder zurückkommen", schildert Metz die Lage. Es würden dann zwar Abstriche beim Gehalt in Kauf genommen, dafür punkte die Rhön aber mit niedrigeren Lebenshaltungskosten und einer höheren Lebensqualität.

Auch Pohribneac sieht Standortvorteile. Sie schätzt in Bad Kissingen neben ihrem Beruf die schöne, gepflegte Umgebung und vor allem das kulturelle Angebot. Den Kissinger Sommer und Winterzauber besucht sie regelmäßig in ihrer knapp bemessenen Freizeit. Aus menschlicher Sicht fühlt sich die Ärztin wohl, obwohl sie sich in der Kurstadt keinen großen Freundeskreis aufgebaut hat. Die meisten sozialen Kontakte beschränken sich auf die Kollegen bei Heiligenfeld. Dafür stimmt dort das Arbeitsklima. "Die Leute, die hier arbeiten sind sehr kreativ, interessiert und sehr herzlich", sagt Pohribneac.


Umfrage "Lebensqualität in Stadt und Landkreis"

Umfrage Im Auftrag von Landkreis und Stadt Bad Kissingen in Zusammenarbeit mit der Saale-Zeitung wurden 533 Menschen aus dem Landkreis für eine repräsentative Umfrage befragt.

Karriere Der Landkreis wird von den Befragten nicht als wirtschaftlich stark wahrgenommen. Nur 13 Prozent aus der Stadt sagen, diese Aussage sei sehr eher oder sehr zutreffend. Nahezu jeder Zweite findet dagegen, dass die Aussage nicht passt. Generell sehen die Bad Kissinger kritischer aus das Thema Beruf als die Bürger aus dem Umland. 17,9 Prozent aus der Stadt bewerteten das Arbeitsplatzangebot in der Region als gut oder sehr gut, 39,7 Prozent als schlecht oder sehr schlecht. Im Umland schneidet das Jobangebot deutlich besser ab. 22,6 Prozent der Befragten finden es gut sowie sehr gut, während 31,2 Prozent der Meinung sind, dass es schlecht oder sehr schlecht ist.

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