Laden...
Bad Bocklet
Konzert

Revolution aus dem Universum

Cynthia Nikschas ist eine bemerkenswerte junge Frau, die zunächst als Straßenmusikerin unterwegs war und jetzt die Welt bereist. Mit ihren sozialkritischen, selbst getexteten Songs beeindruckte sie das Publikum im Bücher-Pavillon von Bad Bocklet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sympathische junge Frau mit Ausstrahlung: Cynthia Nickschas Fotos: Björn Hein
Sympathische junge Frau mit Ausstrahlung: Cynthia Nickschas Fotos: Björn Hein
+3 Bilder
Es gibt sie, diese magischen Momente bei Konzerten: Wenn der Funke vom Künstler auf das Publikum überspringt und sich beide unmittelbar verbunden fühlen. Dies konnte man in der Buchhandlung Bücher-Pavillon in Bad Bocklet erleben, wo die 27-jährige Sängerin und Gitarristin Cynthia Nikschas aus Bonn einen Auftritt hatte.
Schnell hatte sich der virtuose Wirbelwind in das Herz des Publikums gespielt, das bei vielen Liedern mitsang und von der authentischen Art der Künstlerin äußerst angetan war.
Sehr persönlich waren die auf deutsch gesungenen Texte. Zwischen den Stücken erklärte Nikschas immer wieder, in welcher Situation sie das jeweilige Lied geschrieben hat. Dabei nahm sie kein Blatt vor den Mund: Mit sozialkritischen Texten, alle aus eigener Feder, hinterfragte sie die gesellschaftlichen Entwicklungen.
Mutig und frech, unverbraucht und frisch, so kann ihr ganz persönlicher Stil bezeichnet werden. Das war es, was das Publikum begeisterte: Ehrliche Musik abseits des Mainstreams. Interessant war die Spielweise der Musikerin: Sie verstand es, vielfältige Musikstile einzubauen, von Rock bis Blues, von Popp bis Soul.

Stimmliche Virtuosität

Beeindruckend war auch ihre stimmliche Virtuosität. Von samtig-weich bis rebellisch und rau reichte hier das Repertoire. Auf diese Weise hauchte sie ihren Stücken Leben ein.
Natürlich trugen auch die Räumlichkeiten des Bücher-Pavillons zu diesem fast schon familiären Erlebnis bei. Man merkte Cynthia Nikschas an, dass sie als Straßenmusikerin Karriere gemacht hat, bevor sie nun über die Bühnen in der ganzen Welt tourt. Ihr gelang es, auf das Publikum einzugehen.

Bis zur letzten Konsequenz

Sich selbst bezeichnet Nikschas als "kleinen Revoluzzer" - und zwar nicht in dem von Erich Mühsam ironisch geschilderten Kontext, sondern ganz ehrlich und bodenständig. Davon zeugten auch die Lieder.
Im Stück "Generation Blöd" persiflierte sie den Topos der Spaßgeneration und stellte ihm einen unangepassten Lebensentwurf gegenüber, der an einer besseren Welt arbeitet, allen Widrigkeiten zum Trotz. Und man merkte, dass dies nicht nur Phrasen sind, sondern dass Cynthia Nikschas hinter dem steht, was sie singt - und das in aller Deutlichkeit und bis zur letzten Konsequenz.
Wo ihre Texte herkommen? Das weiß sie selbst nicht. "Ich gehe beim Schreiben intuitiv vor. Wahrscheinlich kommen die Texte zu den Liedern aus dem Universum zu mir geflogen", meinte sie leichthin.
Überhaupt war ihre entwaffnende Ehrlichkeit sehr sympathisch. Sichtlich Freude machte ihr die Interaktion mit dem Publikum, was den Abend sehr persönlich werden lies. Im Stück "Gold glänzt nicht" zeigte sie, was wirklich auf dieser Welt wichtig ist. Das "Wohin der Weg dich weht" handelte von persönlichen Niederlagen im Leben, und wie man damit am Besten umgeht.
War der erste Teil des Konzerts eher rockig und emotional, so überwogen nach der Pause eher die nachdenklichen und leiseren Töne, gemischt mit einigen temporeicheren Passagen. Beim Stück "Niveau" kritisierte sie die "Everything-goes-Mentalität" einer übersättigten Gesellschaft, die lieber DSDS-Stars feiert als sich über das wirkliche Leben Gedanken zu machen.
Ein Coverstück hatte Nikschas auch im Programm. Bei dem legendären "What's up" der Gruppe 4 Non Blondes sang das Publikum lauthals und begeistert mit. Als das Konzert nach rund zweieinhalb Stunden ausklang, hatte man als Zuhörer das Gefühl, etwas besonderes erlebt zu haben.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren