Doch alles der Reihe nach. Für Warmduscher war das nix, was die Akteure der Wasserwacht sich da angetan haben. Frühmorgens bei fünf Grad minus das warme Bett mit dem Neoprenanzug tauschen und anschließend in das vier Grad kalte Saalewasser hüpfen, erfordert Mut, eine gute Kondition und beste Gesundheit. "In der Tat. Wenn du ersten Kontakt mit dem eiskalten Wasser hast, bleibt dir die Luft weg."
Sebastian Schlereth muss es wissen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe gehört seit Jahren zum Stamm der Unentwegten und geht stets mit gutem Beispiel voran. Gemeinsam mit Florian Bremer, Holger Büttner, Markus Merz und Sven Weigand sowie den Jugendlichen Benedikt, Christoph, Eva, Jana und Micha war er an der Dreisaale in das bei den eisigen Außentemperaturen dampfende Saalewasser gesprungen.

Erfahrungen sammeln


Schlereth: "Das Winterschwimmen dient dazu, das mögliche Einsatzgebiet kennen zu lernen und zu probieren, wie man sich darin verhält - besonders bei starker Strömung." Nur durch solch eine praktische Erfahrung sei man auf den möglichen Ernstfall vorbereitet und wisse, was einen erwarte. "Der Alarm kann zu jeder Tages- und Nachtzeit losgehen - etwa, wenn eine Person aus dem Wasser gerettet werden muss."

Mal träge, mal schnell fließend


Die Wasserretter finden bei ihrem Saale-Schwimmen unterschiedliche Strömungsverhältnisse vor. Ab Pfaffenhausen müssen die Akteure sich in dem fast stillen Wasser schon abmühen, um vorwärts zu kommen. Bei Neoprenanzug, Kopfhaube, Füßlingen und Handschuhen, Helm und Auftriebshilfe, ist das gar nicht so einfach.
Etwa eine halbe Stunde nach dem Start werden Finger und Füße merkbar kalt, wirken wie abgestorben. Für die fünf Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren, teils erstmals bei einem solchen Schwimmen dabei, wird es höchste Zeit, das eiskalte Wasser zu verlassen und im Rotkreuzhaus die Duschen anzusteuern. Für die fünf "alten Hasen" geht es unterdessen weiter.
Zwischen Hammelburg und Pfaffenhausen versperren ein querliegender Baum und Treibgut den Weg. Die Schwimmer müssen eine steile Böschung erklimmen und werden dabei ganz schön gefordert. Jetzt sind es noch etwa 1000 Meter bis zum Ziel am Bleichrasen-Parkplatz.

Aus Übung wird Ernstfall


Doch kurz vor dem Erreichen des Endpunktes wird aus der Übung ein Ernstfall. Schon aus der Entfernung werden die Wasserretter auf etwas Rotes, zunächst Undefinierbares, am Ufer aufmerksam. Beim Heranschwimmen entpuppt sich dieses Etwas als eine an der Böschung liegende Person. "Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um eine ältere Frau, die schon länger Zeit dort am Ufer gelegen haben muss. Sie gab an, dass sie sich das Leben nehmen wollte." Die Wasserwachtler versorgen die stark unterkühlte Person, übergeben sie an Rettungsdienst und Polizei.
Nach Ankunft am Ziel geht's für die Schwimmer schnurstracks ins Rotkreuzhaus und dort unter die Dusche. "Warmes Wasser ist siedend heiß und brennt furchtbar auf der Haut", sagt Schlereth. Am Ende freuen sich Alle über den guten Verlauf des Übungsschwimmens mit Ernstfalleinlage und planen nach kurzer Auftauphase bereits schon wieder neue Taten.