Bad Kissingen
Urteil

Racheakt der Rockergruppe "Bandidos" befürchtet

Dass ein 46-Jähriger für unerlaubten Handel und unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln verantwortlich gemacht werden kann, sieht das Landgericht Würzburg als erwiesen an. Schwierig war der Prozess, weil der Täter als V-Mann bei den "Banditos" eingeschleust war.
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Mario F. (46), der als "Maulwurf" für das Bayerische Landeskriminalamt die Regensburger Rockergruppe "Bandidos" ausspionierte, ist als Dealer zu sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Foto: Franz Barthel
Mario F. (46), der als "Maulwurf" für das Bayerische Landeskriminalamt die Regensburger Rockergruppe "Bandidos" ausspionierte, ist als Dealer zu sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Foto: Franz Barthel
Geschäfte mit Crystal Speed hat ein 46-Jähriger aus der Oberpfalz im September 2012 vor einer Strafkammer des Landgerichts Würzburg gestanden. Dass er erst nach 35 Verhandlungstagen verurteilt wurde, liegt daran, dass er bei der Regensburger Rocker- Gruppe "Bandidos" als V-Mann des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA ) eingeschleust war.

Seine "Nebentätigkeit" in der Rauschgiftszene, behauptete der Mann, sei dem zuständigen LKA-Beamten im Detail bekannt gewesen: Mit den Drogengeschäften habe er sich als Neuer bei den "Bandidos" Zugang verschafft. Verurteilt wurde der 46-Jährige wegen unerlaubtem Handel und unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln unter anderem zu sechs Jahren und zehn Monaten. Die wenigste Zeit davon wird er im Knast verbringen, denn das Gericht hat die Unterbringung des Mannes, der Crystal Speed konsumierte, in einer Entziehungsklinik angeordnet. Wenn er dort eine Therapie von voraussichtlich zwei Jahren erfolgreich absolviert, könne er damit rechnen, dass die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt wird.

Persönlichkeitsstörung attestiert

Die Staatsanwaltschaft hatte für den erheblich vorbestraften Mann, der vorübergehend im Landkreis Bad Kissingen wohnte, Freiheitsstrafen von insgesamt 16 Jahren beantragt. Oberstaatsanwalt Thomas Trapp sagte im Plädoyer: "Jeder Tag, den der hinter Gittern verbringt, ist ein guter Tag für die Sicherheit der Bevölkerung." Nichts als "heiße Luft" sei die Behauptung, dass der zuständige V-Mann-Führer über alle Rauschgiftgeschäfte im Bild gewesen sei. Ein Gutachter habe ihm eine Persönlichkeitsstörung mit paranoiden Zügen attestiert. Dagegen wollte Volker Zimmermann, Vorsitzender der 5. Strafkammer des Landgerichts nicht ausschließen, dass der ehemalige V-Mann stellenweise die Wahrheit sagt.

Als vor kurzem eine Tochter des Angeklagten gestorben war, durfte der Vater nicht an der Beerdigung teilnehmen. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass es auf dem Friedhof einer Gemeinde im Landkreis Bad Kissingen zu einem Racheakt der Bandidos auf den ehemaligen "Maulwurf" kommen könnte. Inzwischen, so einer seiner Anwälte, durfte der Angeklagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit das Grab seiner Tochter aufsuchen. Ohne Erfolg hat der ehemalige V- Mann bisher die Aufnahme in ein Zeugenschutz-Programm und seine Verlegung in eine andere Strafanstalt beantragt.

Für Norman Jacob (Würzburg), einen der Verteidiger, hat das Bayerische Landeskriminalamt versucht, steuernd in die Beweisaufnahme einzugreifen und zu bestimmen, was das Gericht erfahren darf und was nicht. Deswegen beantragte er - erfolglos - die Einstellung des Verfahrens. Der Vorsitzende Richter nannte es, absolut unbefriedigend, wenn ein Gericht feststellen muss, dass man einige Punkte nicht aufklären konnte, obwohl man nichts unversucht ließ. Verurteilen könne ein Gericht nur für Taten, die man nachweisen konnte, sonst müsse man, wie hier, nach dem Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" entscheiden. Man glaube dem 46-Jährigen "nicht alles, was er hier sagte", so der Vorsitzende Richter, aber offensichtlich einiges, was der über seine Zusammenarbeit mit dem LKA berichtet hat. Da die V-Mann-Akte und das Wissen der Beteiligten durch Sperr-Vermerke auch für das Gericht nicht zugänglich war, habe man nicht weiter aufklären können.

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