Schon gleich nach der Ankündigung des politischen Kabaretts in Schönderling stand bei Sandra und Sebastian Beck das Telefon nicht mehr still. "Von halb acht morgens bis halb zehn abends durchgehend", berichtet Sebastian Beck. "Dazu rauschten noch massenweise E-Mails herein, und innerhalb von drei Tagen waren alle Veranstaltungen restlos ausverkauft", sagt der Mitorganisator. "Zu den ursprünglich geplanten fünf Abenden haben wir noch einen Termin dazu ermöglicht, um alle Leute unterzubringen."

Am Wochenende war nun die Premiere - und die bewies, dass der Run auf die Karten zu Recht so groß war: Kein Auge blieb an dem Abend trocken. Grünen-MdB Hans-Josef Fell hatte nach eigenen Angaben "viel Spaß". "Die Veranstaltung ist auf sehr hohem Niveau, sowohl gesanglich als schauspielerisch toll vorgetragen", lobte er die Akteure. "Vor allem die Mischung aus Berliner Politik und Regionalpolitik gefällt mir sehr gut." Und: "So erfährt man wenigstens mal was aus der Region", sagte der Bundestags-Abgeordnete.


Selbstgeschriebender Rap zum Einstieg



Die fünfköpfige Kabarettisten-Truppe aus Schönderling stieg mit einem selbstverfassten Rap-Song in ihr neues Programm "Problemzonen" ein. Gerhard Morber berichtete danach im Schönderlinger Dialekt über seine persönlichen Problemzonen. Als selbst diagnostizierter EHEC-Patient erzählte er aus dem Arzt-Wartezimmer.

Sandra Karges brillierte wie bereits im vorangegangenen Programm als Bundeskanzlerin. Mit "Busenfreund" Nicolas Sarkozy, gespielt von Matthias Schaab, diskutierten "Mer kozy" die prickelnden Ereignisse des feucht-fröhlichen Vorabends. In Gerhard Morbers nächtlicher Traumreise, die mit den Auswirkungen der Griechenlandkrise und dem Genuss von zu viel Ouzo zusammenhing, ging er als Euro auf eine Odyssee quer durch Europa und musste ernüchtert feststellen, dass niemand den kranken Euro wirklich gerne bei sich haben will, und der Rettungsschirm nur ein "gageliches Ding" ist.

In der Talkrunde "mo drü sinnierd un diskudierd" durfte sich Moderatorin Beatrix Lieb mit der Entschlüsselung einer modernen Form des Erlkönigs abmühen. Der fiktive Buch-autoren- Newcomer und Randgruppenangehörige Maurice Schnyder duellierte sich mit einschlägigem hessischen Akzent mit Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Beide wurden in schauspielerischer Höchstleistung von Matthias Schaab dargestellt, der zwischen den Rollen hin und her sprang und dabei auf seinem Stuhl vor- und zurückrückte.


Energiewende und Datenschutz



Von der Energiewende über den Klimawandel bis hin zu den neuen Medien und dem Kommunikations- und Kontaktverlust zur Jugend reichten weitere Gedankenspiele von Gerhard Morber. Eine feste Größe im Schönderlinger Kabarett sind die Gstanzl von Matthias Schaab in Lederhosen - heuer rund um das Thema Datenschutz. Gitarristin und Songschreiberin Elke Schneider trug ein selbstverfasstes Heimatlied vor, unterstützt vom gelegentlich auftauchenden und in Tracht gehüllten Gerhard Morber, der sich auf der Bühne breitmachte, um eine schaurig mißklingende Jodelsinfonie von sich zu geben und dann wieder hinter der Bühne zu verschwinden. Selbst Elke Schneider fiel es dabei sichtlich schwer, noch ernst zu bleiben, während der Saal bereits vor Lachen tobte.

Beim folgenden Vortrag - das Gelächter war noch nicht ganz verebbt - musste selbst Morber, der sonst mit mustergültigem Pokerface auftritt und keine Mine verzieht, mit einem Schmunzeln auf den Lippen beginnen. Er malte sich aus, wie er als "Ratingagentur Morber" die Gemeinden im Altlandkreis bewerten würde und hatte da so einige Vorschläge an die Politiker der Region. Der Ferne Osten war das Ziel der "Leisegluppe Wagenhäusel", wo sich die Kabarettisten von Sandra Karges alias der japanischen Reiseleiterin Uschi Takamushi in die luftgekühlte Atomruine Fukushimas führen ließen - einer weiteren Problemzone. Mit selbstverfassten Liedern rundeten die fünf Schönderlinger ihr Programm ab und ernteten am Ende der Veranstaltung stehende Ovationen und lang anhaltenden Applaus. Beim Bad in der Menge gab es viel Schulterklopfen und Anerkennung.