Laden...
Bad Kissingen
Infrastruktur

Privater erschließt Bauland in Garitz

Stephan Greb hat eine rund 7500 Quadratmeter große Brachfläche mitten im "Staffels" erworben, baut dort eine Straße und verkauft einen Teil der Bauplätze.
Artikel drucken Artikel einbetten
In anderen Kommunen gibt es die Lösung zum Teil schon seit langem, für Bad Kissingen ist es eine Premiere: Im Garitzer Baugebiet "Staffels" wird ab Herbst ein kleines Baugebiet privat erschlossen und vermarktet: Stephan Greb (51), seit Oktober 2015 Geschäftsführer der Heiligenfeld GmbH, hatte eigentlich nur nach einem Bauplatz für sich selbst gesucht.
Dabei stieß er auf eine rund 7500 Quadratmeter große Freifläche, die er gemeinsam mit seiner Frau erwarb und nun in Bauland für sich und andere umwandelt.


13 Flurstücke als Gesamtpaket

"Durch meinen beruflichen Wechsel nach Bad Kissingen war es für meine Frau und mich klar, dass wir auch unseren Wohnsitz von Hösbach bei Aschaffenburg nach Bad Kissingen verlegen werden", berichtet Greb. Die im Moment noch mit Büschen überwucherte Fläche zwischen der Eichendorff- und Klinikstraße habe einem Bruderpaar aus Fulda gehört, die allerdings nur alle 13 Flurstücke auf einmal veräußern wollten.
Die Grebs griffen zu und gehen damit das Risiko ein, einen Teil der Grundstücke auch wieder verkaufen zu müssen, aber: "Da die Lage recht attraktiv ist, glauben wir, dass die sieben Grundstücke, die wir nach Erschließung verkaufen werden, recht schnell Käufer finden werden." Drei Einzel-Grundstücke werden für die Erschließungsstraße benötigt und drei weitere behalten Maria und Stephan Greb für sich selbt.


Investor baut Straße

Die Investoren schlossen mit der Stadt im Februar einen Erschließungsvertrag: "Meine Aufgabe ist es, die Verbindungsstraße zwischen der Eichendorffstraße und Klinikstraße inklusive aller erforderlichen Anschlüsse herzustellen", berichtet Greb. Er muss also für die Grundstückszufahrten sowie Wasser-, Abwasser-, Gas-, Strom- und Telefonanschlüsse sorgen. "Dies geschieht nach den Vorgaben der Stadt Bad Kissingen, hierdurch ist eine qualitativ hochwertige Ausführung gewährleistet", betont Greb.
"Der Vorteil für die Stadt ist, dass der Private alles übernimmt", kommentiert Rathaus-Sprecher Thomas Hack die Regelung. Nach seinen Angaben wird die Straße rund fünf Meter breit und erhält keinen Gehweg. "Die Fläche soll als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen werden", kündigte Hack zudem an. In der Beratung des Bauausschusses hatte Stadtrat Florian Keßler (DBK) befürchtet, dass die neue Straße als Abkürzung von Heinrich-von-Kleist- und Eichendorffstraße in Richtung Klinik-/Dr. Georg Heim-Straße genutzt werden könnte.


Übergang an die Stadt

"Die Straße geht nach den Vereinbarungen im Erschließungsvertrag an die Stadt Bad Kissingen über", verweist Stephan Greb auf die rechtliche Kostruktion. Er müsse zwar für die kompletten Erschließungskosten aufkommen, sei später aber ganz normaler Anlieger.
Deshalb werde die öffentliche Straße auch für alle Bürger nutzbar sein. "Auf die Nutzungsbeschränkungen habe ich keinen Einfluss, das liegt im Aufgaben- und Verantwortungsbereich der Behörden", stellt Greb zur Diskussion um mögliche Abkürzungen klar.
"Derzeit werden Angebote von Tiefbauunternehmen, Versorgungsträgern und weiteres eingeholt", sagt Stephan Greb zum Stand des Projektes. Die Zeit drängt ihm persönlich auch: Derzeit pendle er und habe nur seinen Zweit-Wohnsitz in Bad Kissingen. Nach der Erschließung und natürlich dem Bau des eigenen Hauses werde er nach Bad Kissingen umziehen.
Deshalb könne er auch noch nichts zu den geplanten Grundstückspreisen sagen: "Ich habe noch keine Preiskalkulation für die Grundstücke, die vermarktet werden." Wenn verlässliche Zahlen vorliegen, werden die Grundstücke laut Greb "in den gängigen Immobilienportalen angeboten". Der Investor schätzt, dass es Anfang September soweit sein könnte, die fachliche Betreuung liege beim Bad Kissinger Ingenieurbüro Hossfeld und Fischer.


Kein Bauzwang möglich

Für die Stadt Bad Kissingen hat das Projekt Vor- und Nachteile: Die meisten Kommunen bestehen mittlerweile darauf, Baugebiete selbst zu erschließen, weil damit ein Bauzwang verbunden werden kann: Wenn Käufer üblicherweise innerhalb von fünf Jahren nicht zumindest mit dem Hausbau begonnen haben, können Grundstücke zurück gefordert werden. Das ist bei der Erschließung durch einen privaten Investor nicht möglich.
Dafür spart die Stadt Geld: "Die Kommune kann üblicherweise nur 90 Prozent der Erschließungskosten umlegen, das ist selten ein Gewinngeschäft", kommentiert Hack die Ausweisung von Bauland. Die Erschließung durch Private sei zwar im Baurecht ausdrücklich vorgesehen, aber in Bad Kissingen habe es diesen Fall bislang laut Hack noch nicht gegeben: "Für die Stadt ist das etwas Neues."


Vorschlag: Rilke-Weg

In der jüngsten Stadtratssitzung kündigte die Verwaltung bereits die Suche nach einem Namen für die geplante Erschließungsstraße im Staffels an: Stadtheimatpfleger Peter Kaidel schlug als Namensgeber Rainer Maria Rilke vor, weil es sich gut in die Reihe der umliegenden Namen wie Eichendorf- oder Heinrich-Heine-Straße einreihe. Wegen der untergeordneten Bedeutung der Straße sei aber auch die kurze Form Rilke-Weg sinnvoll. Stadtrat Keßler schlug Leo Tolstoi als Namensgeber vor, weil er in Kissingen und Garitz zu Besuch war und laut Chronik sogar unterrichtet habe. Die Stadträte sind nun aufgerufen, bis zur nächsten Sitzung Vorschläge zu sammeln.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren