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Bad Kissingen
Umwelt

Pollen haben Hochsaison

Jetzt ist wieder Blütenstaub in der Luft. In Münnerstadt steht eine der wenigen Messstellen in Bayern. Der Deutsche Wetterdienst verarbeitet die Messdaten für die Pollenflugvorhersage.
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Hoch über Münnerstadt fängt diese Pollenfalle Blütenstaub auf. Claudia Reidelbach betreut die Anlage zusammen mit ihren Labor-Kolleginnen am Thoraxzentrum. Fotos: Heike Beudert
Hoch über Münnerstadt fängt diese Pollenfalle Blütenstaub auf. Claudia Reidelbach betreut die Anlage zusammen mit ihren Labor-Kolleginnen am Thoraxzentrum. Fotos: Heike Beudert
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Dreimal in der Woche steigt Claudia Reidelbach oder eine ihrer Kolleginnen auf das Dach des Thoraxzentrums. Dort steht eine Pollenmessstelle. Die Medizinisch-technische Assistentin betreut zusammen mit ihren Kolleginnen aus dem Kliniklabor diese Pollenfalle. Das Gerät zeichnet auf, welcher Blütenstaub zu welcher Tages- und Jahreszeit gerade durch die Lüfte schwirrt.
Claudia Reidelbach hat am Mittwochmorgen die vergangenen Nachtstunden ausgewertet und stellte nur eine recht
geringe Pollen-Konzentration fest. "Allerdings kann sich das tagsüber schnell ändern", weiß sie aus jahrelanger Erfahrung. Denn jetzt ist Hochsaison für Gräserpollen. Das merkt auch der Münnerstädter Wolfgang Thauer. Er kämpft seit vielen Jahren im Mai und Juni mit seiner Pollenallergie. Der Wind verstärke bei ihm noch die Symptome, hat er festgestellt.
Die Messstation in Münnerstadt ist eine von ca. 55 Standorten in ganz Deutschland, an denen von Frühjahr bis Herbst Pollenimmissionsmessungen erfolgen. Meistens beginnt die Mess-Saison im zeitigen Frühjahr und endet im September oder Oktober für einige Monate. "Pollen können aber auch schon wieder im Dezember fliegen", weiß Claudia Reidelbach.

Seit Anfang der 1990er Jahre

Zehn Referenz-Messstellen kontrollieren in Deutschland ganzjährig die Luft nach Pollen. Nach deren Ergebnissen richtet sich, wann in Münnerstadt die Messungen beginnen und enden. Betrieben wird die Mess-Station seit Anfang der 1990er Jahre von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst. Das Thoraxzentrum übernehme gerne die Betreuung der Anlage, auch wenn sie für das Labor zusätzliche Arbeit bedeutet, erklärt Betriebsleiter Jürgen Oswald. "Wir sind eine Lungenfachklinik", meint Oswald und sieht darin eine Verantwortung dieses Projekt zu unterstützen.
Die Pollenfalle ähnelt einer Windfahne. Über einen schmalen Schlitz wird Luft angesaugt. Die Pollen bleiben auf einem an einer Spule befestigten Folienstreifen hängen. Dieser wird im Labor abschnittsweise unter dem Mikroskop ausgewertet und zeigt die Pollenbelastung zu den verschiedenen Tageszeiten.

App für Pollenallergiker

Die Ergebnisse gehen an den Deutschen Wetterdienst. Dort erstellen die Fachleute aus den Daten eine aktuelle Pollenvorhersage, die auf der Interntseite veröffentlicht oder als Newsletter verschickt wird. Die Vorhersagen sind für Allergiker wie auch behandelnde Ärzte eine Hilfe, informieren sie doch über die regionale Pollenflugsituation. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst veröffentlicht daneben einen Pollenkalender und bietet neuerdings für Allergiker eine Pollen-App für das Handy an.
"Den Allergiekalender hat man als Lungenfacharzt immer im Hinterkopf", sagt Dr. Willibald Beck, Oberarzt am Münnerstädter Thoraxzentrum. Man gehe heute davon aus, dass durch die Feinstaubbelastung auch die Pollen aggressiver werden. Das Stillen von Babys sieht er als gute Allergie-Prophylaxe für Kinder an. Wer dennoch irgendwann Heuschnupfen, rote Augen und sonstige allergische Beschwerden bekommt, für den gebe es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten - vom lokalen antiallergischen Medikament bis hin zur Hyposensibilisierung. Die Vermeidungsstrategie sei bei Pollenallergien eher schwierig. Man könne sich kaum in einen Glaskasten setzen, meint der Mediziner.
In ihrer Pollenvorhersage veröffentlichen der Deutsche Wetterdienst und der Polleninformationsdienst nur die Hauptallergene, erklärt Christina Endler vom Deutschen Wetterdienst in Frankfurt. Trends seien schwer festzustellen, sagt sie. Es gebe eine Tendenz zu weniger Gräsern in Europa. Gründe könnten im Klimwandel oder in der zunehmenden Bodenversiegelung liegen. Das sei schwierig zu sagen.
Sehr genau beobachte man die Ausbreitung der Ambrosia-Pollen, sagt Christina Endler. Dort, wo die Pflanze nicht gezielt bekämpft wird, breite sie sich aus. Ambrosia, das beifußblättrige Traubenkraut, gilt als besonders allergieauslösend.
Hier kann Claudia Reidelbach für die Münnerstädter Mess-Station zur Zeit noch Entwarnung geben. Ambrosia-Blütenstaub spiele bislang bei den Münnerstädter Messungen keine Rolle; das solle aber nicht heißen, dass es Ambrosia nicht doch vereinzelt gibt, meint Reidelbach.Sie hat es in Münnerstadt mit den Klassikern zu tun: Pollen von Gräsern, Kräutern oder von Bäumen wie aktuell von der Kiefer sieht sie besonders häufig unter dem Mikroskop.
Die Pollenmessung:

Ziel
Die Zunahme der Pollenallergien hat dazu geführt, dass die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst 1983 gegründet wurde und in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst regelmäßig Pollenflugvorhersagen erstellt.

Messergebnisse Der Einzugsbereich der Pollenfalle ist auf wenige Kilometer beschränkt. Dennoch spiegelt er das Pollenspektrum eines entsprechenden Klimaraums wieder und deckt somit die wichtigsten regionalen Klimaräume ab.

Infos www.pollenstiftung de. oder www.dwd.de

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