Das ist im wesentlichen der Verdienst des Bund Naturschutzes, der sich in den letzten 25 Jahren besonders um die Verbreitung der Wildkatze bemüht hat. Aus diesem Anlass bot die BN-Kreisgruppe Bad Kissingen im Hammelburger Heinrich-Köppler-Heim einen Vortrag zur Wildkatze mit interessanten Einblicken. Als Referentin kam Bund-Projektkoordinatorin des Wildkatzenschutzes für Bayern, Ulrike Geise. Unter dem Motto "Mehr Raum für wilde Tiere, mehr Natur für uns Menschen" berichtete sie von den Erfolgen bei der Wiedereingliederung der Wildkatze in Rhön und Spessart.

Die starke Bejagung des "deutschen Tigers" führte zur Ausrottung in Bayern und Baden-Württemberg um 1930. "Dabei ist die Hauptnahrung der Wildkatze Mäuse und stellt somit keine Konkurrenz für den Jäger dar", stellte sie klar. 1988 nahm eine BN-Zucht- und Auswilderungsstation für Wildkatzen bei Wiesenfelden im Spessart ihre Arbeit auf. Ansporn hierzu hatte die geglückte Wiederansiedlung des ausgerotteten Bibers ab 1984 gegeben.
Der Erfolg des im Wald versteckten Wildkatzengeheges war so groß, dass die Station 2011 geschlossen werden konnte. Damit endete aber nicht der Schutz der Wildkatzen. Nun geht es um die Verbesserung, Vernetzung und den Erhalt des Lebensraumes der Wildkatze. In dem Rettungsnetz sollen 20.000 Kilometer Wanderkorridore geschaffen werden. Dem Zusammenschluss von Hessen, Thüringen und Bayern haben sich mittlerweile sechs weitere Bundesländer angeschlossen.


Grüne Korridore verbinden


"Die Wildkatze benötigt einen Wald mit hohen, alten Bäumen und stellt eine sogenannte Schirmart dar. Denn auch andere gefährdete Arten wie Schwarzstorch, Hirschkäfer oder Feuersalamander brauchen diesen Lebensraum", erläuterte die Leiterin des Arbeitskreises Artenschutz beim BN.

Über Computersimulationen erstellten Forscher einen Wildkatzenwegeplan, der getrennte Wildkatzenwälder über sogenannte Grüne Korridore verbinden soll. Dieses insgesamt 20.000 Kilometer umfassende Rettungsnetz ist das wohl ehrgeizigste Naturschutzprojekt Mitteleuropas. Erste Pflanzungen von 50 Meter breiten Gehölzstreifen fanden in Thüringen zur Biotopvernetzung schon statt. Diese sind notwendig, da Wildkatzen offene Flächen meiden. Auch Auflagen im Forst können den Lebensraum der Wildkatzen sichern. So müssen Holz- und Reisighaufen vor April abgefahren werden, damit Wildkatzen und ihre Jungen nicht in Verstecken unter Holzhaufen umkommen.

"Wildkatzen sind keine entlaufenen Hauskatzen", stellte Geise klar. Die Wildkatze lebte schon immer in Europa, während die Hauskatzen als Falbkatzen vor 9500 Jahren mit dem Menschen aus Afrika einwanderten. Bastarde aus männlichen Wildkatzen und weiblichen Hauskatzen kommen vor, können sich aber nicht weiter fortpflanzen.
Neben körperlichen Anzeichen wie etwa buschigem Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem, schwarzem Ende ist das scheue Verhalten ein sicherer Hinweis auf eine Wildkatze. Aber eindeutig lässt sich dies nur über eine Genalyse bestimmen.

Zu diesem Zweck wurde eine Lockstockmethode entwickelt. Baldriantropfen am Stock locken die Katzen an. Wenn sie sich an den Stöcken reiben, bleiben Haare kleben. Diese werden im Labor analysiert. Mittlerweile geht es aber nicht mehr um das Vorhandensein der Wildkatze, sondern um Fragen zum Verhalten, der Reviergröße und vieles mehr. Hierzu werden noch ehrenamtliche Helfer gesucht, die die Lockstöcke betreuen. Dass dies ein aufwändiges Verfahren ist, zeigt die Auswertung von 993 Lockstöcken: Nur 40 Wildkatzen konnten unter 351 Haarproben entdeckt werden. "Die Wildkatze ist wieder bei uns angekommen", zieht BN-Kreisgruppenvorsitzender Ulf Zeidler Fazit. "Aber es gilt weiter gegen die Zerstörung des Lebensraumes durch Straßenbau und Zersiedelung anzukämpfen und alte Waldbestände zu erhalten.