Die Zeiten ändern sich auch auf dem Dorf: "Früher wurde das einfach über den Gartenzaun hinweg getauscht", erinnert sich Barbara Rothaug aus Modlos an den Pflanzen-Handel mit Nachbarn und Bekannten. Durch immer weniger Nutzgärten und immer seltenere Begegnungen sei das heute oft nicht mehr üblich. "Da geht auch viel Kultur verloren", bedauert die 56-Jährige, dass die Tipps rund um den Pflanzenbau nicht mehr weitergegeben werden. Mit fünf Freundinnen hat sie deshalb vor zwei Jahren erstmals eine Pflanzentauschbörse organisiert, bei der Hobby-Gärtner nach Herzenslust fachsimpeln und Schätze für ihren eigenen Garten sammeln können.

"In Fulda gibt's sowas schon länger", erzählt Barbara Rothaug. Als sie und einige Freundinnen dorthin eingeladen wurden, sagten sie sich: "Das können wir doch selbst machen." Gesagt, getan: Barbara Rothaug machte sich mit Sonja Schneider, Birgit Klug, Steffi Schlichtegroll und Jutta Grögel aus Modlos sowie Margot Schluckebier aus Detter ans Werk. Die Premiere im Weißenbacher Schlosshof war auf Anhieb ein Erfolg: "Das wurde sehr gut angenommen", berichtet Rothaug.

Zu den Grundsätzen der sechs Frauen gehörte von Anfang an, dass sie jedes Jahr an einen neuen Ort gehen und dass sie den Erlös spenden, denn: Wer nichts selbst zu tauschen hat, kann sich Pflanzen, Samen oder Sämlinge gegen eine Spende mitnehmen. "Wir wollen ja auch junge Leute ansprechen, die vielleicht erst noch einen Garten anlegen."


Spende für wohltätige Zwecke



In den vergangenen Jahren gingen die Erlöse, immerhin mehrere hundert Euro jeweils, an Frauenprojekte der Welthungerhilfe und der Aktion "Menschen für Menschen". In diesem Jahr soll der Verein "Dreschflegel" unterstützt werden, der sich für den Erhalt der Pflanzen-Vielfalt einsetzt. Genau das ist natürlich auch ein Ziel der Pflanzentausch-Gruppe: Am Sonntag werden auch Pflanzen angeboten, die es so vielleicht nicht zu kaufen gibt oder für die keine Samen extra gezüchtet werden. Oft seien die Pflanzen bereits gut an das manchmal etwas kühlere Klima in der Rhön angepasst, sieht die Modloserin einen weiteren Vorteil.

Aber auch alles andere ist zugelassen: "Wir haben keine festen Regeln", sagt Barbara Rothaug. Überzählige Tomaten-Pflänzchen sind genauso willkommen wie wild aufgegangene Sträucher oder geteilte Wurzelballen von Kräutern.

Daneben gibt es auch Kostproben aus Pflanzen: Sonja Schneider hat in den vergangenen Tagen zum Beispiel Zitronenmelisse-Kekse gebacken. Veilchen-Kekse, Kräutertee und -Wasser oder Wildkräuter-Pesto können die Besucher kosten - alles gegen Spenden, versteht sich.


Der Garten als Herzensangelegenheit



Für Initiatorin Barbara Rothaug ist die Tausch-Börse eine Herzensangelegenheit. "Ich investiere viel Herz in meinen Garten", freut sich Barbara Rothaug über ihr rund 1300 Quadratmeter großes Reich. "Da kommen viele interessante Gespräche zustande", berichtet sie etwa von der zweiten Auflage imvergangenen Jahr im Staatsbad: Im Kurpark seien auch viele Besucher zufällig vorbei gekommen. Für die 56-Jährige hat der eigene Garten hinter dem Haus in Modlos einen großen Stellenwert. Besonders haben es ihr die Kräuter angetan, deshalb hat sie mit 56 auch noch einmal eine Ausbildung in der Phyto-Therapie, also Pflanzenheilkunde, begonnen.

Die Pflanzentausch-Gruppe aus Modlos und Detter organisiert am Sonntag, 29. April, zum dritten Mal eine Pflanzentausch-Aktion. Interessierte können von 11.30 bis 15.30 Uhr auf die "Mostalm" auf halbem Weg zwischen Dreistelzhof und Modlos kommen.