Sie haben dann hoffentlich Anzeige bei der Polizei erstattet. Das ist richtig so. Denn solche Fälle häufen sich, die Zahl der Täter nimmt zu, die Zahl der Geschädigten auch.
"2010 wurden 1656 Fälle solcher registriert und gut 85 Prozent davon aufgeklärt", sagt der Würzburger Pressesprecher, "2011 waren es 1283 Fälle, 91 Prozent sind aufgeklärt", sagt Stefan Brabetz von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Unterfranken. Aber die Ermittler wüssten: "Das sind nur die erfassten Fälle mit Tatort im Regierungsbezirk Unterfranken."
800 Fälle mit unbekanntem Tatort kamen allein 2011 hinzu. Und: "Fälle mit ausländischem Tatort werden nicht in der polizeilichen Kriminalstatistik erfasst. Hier ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen." All das aber ist kein Landkreis- und kein Unterfranken-Phänomen, das "www" ist international.

Dreiste Fälle nah und fern


Dreiste Fälle aber gab und gibt es in Unterfranken genug. So hatte jüngst ein Mann über Wochen auf einer Internetseite Handys und Tablets verkauft, Kunden zahlten per Vorauskasse, Giropay oder Kreditkarte - und bekamen keine Ware. Der Homepage-Betreiber hatte eine "Firmenanschrift" im Würzburger Stadtteil Lengfeld. Die Wohnung hatte er im Juni als angeblicher 34-jähriger Italiener namens Roberto Manzo gemietet und bei Geschäften einen italienischen Pass vorgelegt, der in Italien gestohlen gemeldet ist.
Und so sucht die Unterfränkische Kripo noch immer nach diesem Mann mit Geheimratsecken zwischen 35 und 40 Jahren, untersetzt, 1,7 Meter groß, 80 bis 85 Kilo schwer, mit dunklem mittellangen Haar, einem schwarzen gepflegten Vollbart und einer Brille.
Vorfälle wie diese ereignen sich im Landkreis Bad Kissingen ebenso wie in ganz Unterfranken. Sie reichen von betrügerischen Geschäften in Onlineshops bis zur Infizierung von Computern mit Schadprogrammen. "Internetkriminalität umfasst ein weites Feld an Straftaten", sagt Brabetz. Dabei kann es als Tatmittel zur Tatbe standverwirklichung verwendet werden. Das wäre der Fall, wenn das Einstellen von Informationen ins Internet einen Straftatbestand erfüllt wie bei so genannten Äußerungs- bzw. Verbreitungsdelikte. Das Internet kann auch als Kommunikationsmedium zur Tatbestandverwirklichung dienen, so bei Verbreitung oder Besitzverschaffung pornografischer Schriften, bei Betrugsdelikten via Onlineshops oder bei der Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke. Auch Beleidigungen oder Bedrohungen per E-Mail oder über Soziale Netzwerke sind Straftaten.
Internetkriminelle agieren, wie Unterfrankens Kripo feststellt, immer öfter vom Ausland aus, nutzen Anonymisierungssoftware und ausländische Server. Dann enden Ermittlungen oft beim Feststellen einer ausländischen IP-Adresse. So war es, als jüngst Unbekannte so genannte Ransomware benutzten. "Mittels Drive-by-Infektion des Computers installierte sich unbemerkt eine Software, die den infizierten Computer blockierte, während am Bildschirm ein gefälschter Text den Rechnerinhaber veranlassen sollte, 100 Euro per Ukash-Voucher zu zahlen, um den Computer zu entsperren", erklärt Brabetz. In diversen Varianten dieser Ransomware endeten die Ermittlungen bei einer ausländischen IP-Adresse. "Die Chancen zur Täterermittlung sind hier sehr gering."
Über die Ermittlungen selbst möchte das Polizeipräsidium freilich keine detaillierten Auskünfte geben, aus ermittlungstaktischen Gründen. Aber Brabetz sagt: "Das Polizeipräsidium Unterfranken beschäftigt bei der Kripo auch Informatiker."