Eltingshausen
Verkehr

Ortsumgehung Eltingshausen liegt auf Eis

Der Kreistag hat der Verlegung der Kreisstraße KG 43 zugestimmt, aber weil Grundstückseigentümer sich sperren, kann frühestens Mitte 2015 gebaut werden. Landwirt Stefan Karch sitzt zwischen den Stühlen.
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Stefan Karch zeigt, wo die Trasse entlang führt - allerdings an dieser Stelle neun Meter oberhalb des aktuellen Niveaus. Foto: Ralf Ruppert
Stefan Karch zeigt, wo die Trasse entlang führt - allerdings an dieser Stelle neun Meter oberhalb des aktuellen Niveaus. Foto: Ralf Ruppert
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Noch bevor der Wirtschaftsausschuss des Kreistages seinen Teil-Haushalt beschlossen hat, war er schon wieder unaktuell: 2,5 Millionen Euro sind darin für heuer für die Ortsumgehung Eltingshausen vorgesehen, weitere 2,5 Millionen Euro für 2015 und 1,25 Millionen Euro für 2016. Aber: "Da werden wir heuer sicher keinen Spatenstich machen", sagt der Leiter der Tiefbauabteilung am Landratsamt, Jürgen Dobler.

"Wir konnten bei den Grundstücksverhandlungen keine
gütliche Einigung erzielen", nennt Dobler als Begründung. Sechs Eigentümer lehnten einen Verkauf ab, zum Teil für mehrere Grundstücke. "Also müssen wir ins Planfeststellungsverfahren." Sprich: Die Regierung von Unterfranken entscheidet nun, ob und wie gebaut wird. Mögliche Ergebnisse reichen von einer Ablehnung der Umgehung über Änderungen bei der Trassenführung bis zur Enteignung der Grundstücke. Dobler geht davon aus, dass alle Unterlagen im Frühsommer öffentlich ausliegen. "Mit einem Erörterungstermin rechne ich frühestens im September." Eine Entscheidung gebe es vermutlich erst 2015.

Straße zerschneidet die Flur
Das Für und Wider in Sachen Umgehungsstraße spaltet ganz Eltingshausen. Landwirt Stefan Karch steht mitten drin: Als Gemeinderat kennt er die Argumente der Bürgerinitiative für die Umgehung, als Landwirt und Bauernobmann sieht er aber auch die andere Seite. "Ich verstehe die Leute, die an der Durchgangsstraße wohnen", sagt der 33-Jährige. Die Verkehrsbelastung vor allem durch Lkw sei hoch, und: "Leider gibt es für den Schwerlastverkehr auch keine Alternative."

Andererseits gibt es viele Bedenken. "Das ist die einzige Seite des Dorfes, auf der die Natur noch unberührt ist", sagt etwa eine Eltingshäuserin, die nicht namentlich genannt werden will. Das sieht auch Stefan Karchs Vater Willi so: "Wir müssen ja jetzt schon froh sein, wenn wir noch einen Jagdpächter finden", sagt der frühere Bauernobmann. Und wie für das Wild zerteilt die neue Trasse auch für die Landwirte die Flur: "Fünf geteerte Feldwege werden durch die Umgehung zerschnitten." Und Sohn Stefan ergänzt: "Wir müssen doch zu unseren Feldern kommen."

Die Umgehung ist nicht einfach nur eine neue Straße: Weit mehr als 100 000 Kubikmeter Erde würden laut aktueller Planung bewegt - an einer Stelle soll die Straße sieben Meter tief eingegraben werden, 200 Meter weiter würde sie auf einem neun Meter hohen Erdwall verlaufen. Immerhin haben die Landwirte bereits eine Tunnelröhre für diesen Wall ausgehandelt. Zudem soll es eine "höhengleiche Querung", sprich Kreuzung, geben. "Wir haben auch noch eine Brücke dort vorgeschlagen, wo das Gelände abgegraben wird, aber das ist dem Kreis zu teuer."

Die Karchs selbst haben kein Eigentum entlang der Trasse, bewirtschaften jedoch Felder, die ausgerechnet diagonal durchschnitten würden. "Wir halten die Straße bestimmt nicht auf", sehen sie die Planung differenziert. Und: "Die ursprünglich geplante B 286 neu wäre noch viel schlimmer gewesen." Auf alle Fälle wollen sich die Eltingshäuser Landwirte aber am Planfeststellungsverfahren beteiligen. Hauptziel: Mehr Querungen, damit etwa bei der Ernte das Mähwerk des Mähdreschers nicht ständig an- und abgehängt werden muss.

Initiative hofft auf schnelle Lösung
"Wir können wenig machen", sagt Andreas Kukuk von der Bürgerinitiative für die Umgehung. Im November war die Freude noch groß, als der Kreistag der Straße zustimmte, nun kehrt Ernüchterung ein. "Aus meiner Sicht hängt es an einem Eigentümer, vielleicht lässt er sich umstimmen, dann ziehen die anderen bestimmt nach", hofft Kukuk immer noch, dass das Planfeststellungsverfahren abgebrochen werden kann.
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