Seinen zweiten Geburtstag feierte der heute 50-jährige Werner A. am 21. Oktober 2010. An jenem Donnerstag bekam der Manager in Freiburg eine neue Niere. Vom Spender weiß er nur, dass es sich um einen Holländer gehandelt haben soll. Alles andere ist geheim.
Für Werner A. endete damit eine mehrjährige Leidenszeit, er kann wieder ein "normales" Leben führen: "Ich kann wieder zum Wittelsbacher Turm hinauf gehen, ohne drei Mal Pause machen zu müssen." Und dass er lebenslang Medikamente einnehmen muss, um eine Abstoßung des fremden Organs durch den eigenen Körper zu verhindern, das sei "geschenkt", sagt A.

Die Operation: "reine Routine"


Er war Anfang 2006 an "terminaler Niereninsuffizienz" (chronisches Nierenversagen) erkrankt. Drei Mal in der Woche musste A. jeweils für viereinhalb bis fünf Stunden zur Dialyse. nach Bad Neustadt. Das habe ihn körperlich stark belastet, so der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Später hat die Blutreinigung bei ihm daheim stattgefunden. A. sagt, das wäre "vielleicht noch zwei, drei Jahre gut gegangen". Die Wartezeit auf ein Spenderorgan zog sich schier endlos hin.
Aber Mitte Oktober 2010 nachts um 2.30 Uhr stand ein Polizeiauto mit Blaulicht vor seinem Haus. Er soll doch mal ans Telefon gehen und das Transplantationszentrum anrufen, sagte ihm ein Polizeibeamter.
Dann ging alles ganz schnell. Der Eingriff - A.: "reine Routine" - dauerte einige Stunden und ist problemlos verlaufen. Nach zwölf Tagen konnte A. die Klinik wieder verlassen. Eine Reha, normalerweise drei Wochen, lehnte A. ab ("wollte ich nicht"). Er kehrte lieber rasch an seinen Arbeitsplatz zurück.
Ein solches Happy-End ist allerdings nicht selbstverständlich. Denn viele Kranke sterben, bevor ihnen geholfen werden kann. Nur 17 Prozent der Deutschen haben einen Spenderausweis, sagt Klaus Deuchert, Facharzt und Vorsitzender des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU.

Spender und Empfänger


Bei eine Veranstaltung der Union wollen er und andere informieren und Vorurteile abbauen. Die Referenten sind erstklassig: Erwartet werden drei Chef- und Oberärzte sowie die Selbsthilfebeauftragte Hannelore Seitz.
Rede und Antwort stehen aber auch mehrere Betroffene. So kommt ein Schulkamerad von Deuchert, der mit 25 Jahren ein neues Herz erhalten hat und Jahre später dann noch eine Niere. Auch Peter Sückfüll (Bad Neustadt) wurde transplantiert, Anton Roth (Schweinfurt) hat seinem Sohn ein Niere gespendet. Moderieren werden Klaus Deuchert und die Bundestagsabgeordnete Dorothea Bär (CSU). Sie wollen auch Ängste abbauen.
Klaus Deuchert nannte das Thema "hoch aktuell". Der Bundestag hat sich mit der Problematik befasst. Auch die Widerspruchslösung ist im Gespräch: Es würde widerlegbar vermutet, dass jeder seine Organe spenden würde. Das sei "von der medizinischen Seite her empfehlenswert", aber, weil politisch vermutlich nicht durchsetzbar, nicht CSU-Meinung.

In Europa ganz weit hinten


Nach seinen Angaben liegt Deutschland bei den Transplantationen im internationalen Vergleich weit zurück. In Europa belege die Bundesrepublik den fünften Platz. Die Zahl der Spender sei weiter rückläufig, während der Bedarf steige.
Übertragen werden können nach heutigem Stand der Technik unter anderem Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm, Hautteile, Hornhaut der Augen. Lebendspenden sind bei Niere und Leber möglich. Andere Organe können nur Menschen entnommen werden, deren Hirntod zweifelsfrei feststeht. Niemand muss also befürchten, aufgegeben und "ausgeweidet" zu werden. 2008 wurden in Deutschland 4565 Transplantationen vorgenommen (davon 2167 Nieren, 369 Herzen und 1007 Lebern). Mit einem Organspenderausweis schafft man Klarheit. Er ist bei vielen Behörden und Krankenkassen erhältlich. Infos unter der Nummer 0888/ 90 40 400 oder unter www.organspende-info.de.
Die Diskussionsrunde der CSU findet statt am Mittwoch, 14. März, um 19 Uhr im Reha- und Präventionszentrum in Bad Bocklet, Frankenstraße 36. Kurze Referate sprechen die Transplantationsexperten Anton Rothhammer, Jürgen Illnitzky und Angelika Lebert (alle Schweinfurt). Es handelt sich bei ihnen um erfahrene Mediziner in exponierter Stellung. ed