Bad Kissingen
Natur

Orchideen: Kostbarkeiten in Wald und Wiese

Insgesamt 32 Orchideenarten sind im Landkreis heimisch. Manche Arten sind recht häufig anzutreffen, andere sind echte Raritäten. Der botanische Arbeitskreis des Bund Naturschutz kennt sie alle.
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Walter Hartmann, Friedrich Mährlein, Dieter Fünfstück, Heinrich Dietz und Konrad Roth gehören zum harten Kern des botanischen Arbeitskreises im Bund Naturschutz. Regelmäßig sind sie auf Exkursion, um die Flora zu kartieren. Foto: Walter Hartmann
Walter Hartmann, Friedrich Mährlein, Dieter Fünfstück, Heinrich Dietz und Konrad Roth gehören zum harten Kern des botanischen Arbeitskreises im Bund Naturschutz. Regelmäßig sind sie auf Exkursion, um die Flora zu kartieren. Foto: Walter Hartmann
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Manche Orchideen sind ganz unscheinbar und winzig. Andere wieder protzen mit ihrer Blütenfülle und Größe. Der Landkreis Bad Kissingen bietet eine reiche Vielfalt an solchen floralen Kostbarkeiten. "Wir sind gewissermaßen eine Insel der Glückseligkeit" , meint Franz-Peter Ullmann von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt.
Dabei sind Orchideen sehr anspruchsvolle Gewächse. Sie reagieren schon auf kleinste Veränderungen.
Im Landkreis findet man sie vor allem auf Magerrasen oder in sumpfigen Gebieten. Aber auch in Wäldern kommen sie vor. Dort, wo Orchideen im Magerrasen wachsen, dürfe man beispielsweise nicht überweiden. Die Hüteschäferei sei kein Problem, erklärt Ullmann. Anders sei es, wenn Schafe über Nacht in einem solchen Gebiet in der Koppel stehen.

Orchideen und das Licht

Aber auch auf veränderte Lichtverhältnisse würden manche Orchideen arten sehr schnell reagieren. Deshalb wurde im Auftrag der Naturschutzbehörde erst vor wenigen Tagen bei Kleinwenkheim eine Orchideenfläche aufgelichtet, damit der Standort erhalten bleibt. Einer, der jeden Standort von Orchideen im Landkreis kennt, ist der Bad Kissinger Walter Hartmann. Er gehört seit 40 Jahren dem Arbeitskreis Botanik an. Der Arbeitskreis ist dank seines Fachwissens seit vielen Jahren wichtiger Datenlieferer auch für die Behörden.

Seit 40 Jahren dabei

Der Landkreis sei sehr unterschiedlich strukturiert, erklärt Walter Hartmann. Das fördere die Vielfalt an Orchideen. Schon seit 1974 kartieren die Mitglieder des Arbeitskreises die Flora im Landkreis.Hartmann ist von Anfang an mit von der Partie. Die Orchideen, die er gefunden und fotografiert hat, tragen so eigenwillige Namen wie Brocksriemenzuge, weißes Waldvögelein oder Schmallippige Stendelwurz. Insgesamt 32 Orchideenarten sind im Landkreis bekannt.

Echte Raritäten sind dabei

Manche sind echte Raritäten, wie das Kriechende Netzblatt. Andere sind Neuansiedler wie die Spinnenragwurz, die erst im zweiten Jahr bei Euerdorf blüht. Das Saaletal, die Trockenrasengebiete um Hammelburg, Euerdorf, um Münnerstadt sowie in den Schwarzen Bergen in der Rhön sind nach Auskunft von Franz-Peter Ullmann bedeutende Orchideen-Standorte. Walter Hartmann weiß natürlich genau, wo welche Orchideen zu finden sind. Aber Genaueres verrät er nicht. Zu groß ist die Angst des Botanikers, dass die Pflanzen - wie früher manchmal - ausgegraben werden. Deshalb bietet der Bund Naturschutz auch bewusst keine Orchideenwanderungen an, erklärt Hartmann. In den 1970er und 1980er Jahren gab es diese. Danach machte man aber die bittere Erfahrung, dass die Wanderer alleine und heimlich zurückkamen und Orchideen ausbuddelten. Dabei mache das gar keinen Sinn, sagt Hartmann: "Die werden im Garten sowieso nicht".

Die Bestände sind stabil

Doch diese Zeiten sind scheinbar vorbei. "In den letzten Jahrenwurde uns kein Fall gemeldet", betont Franz-Peter Ullmann. Ob die Menschen sensibler geworden sind? Walter Hartmann ist sich da nicht so sicher. "Wer geht heute schon in den Wald?", fragt er und überlegt, ob dies auch dazu beigetragen hat, dass die Orchideenbestände recht stabil sind. Außerdem habe der Bund Naturschutz zum Schutz der Flora und Fauna viele Flächen erworben und pflege sie so, dass ihre Besonderheiten erhalten bleiben, erläutert Hartmann.

Pflanzenatlas erstellt

Die Mitglieder des botanischen Arbeitskreises im Bund Naturschutz sind auf jeden Fall regelmäßig unterwegs. Sie treffen sich alle vier Wochen. Auf botanischen Exkursionen haben sie auch Formblätter dabei. Hier notieren sie, was wächst. Auf der Basis dieses Kartierungssystems entwickelte sich der Pflanzenatlas für die Region.

Pflanzenatlas neu aufgelegt

Jetzt wurde dieser Pflanzenatlas aktualisiert und neu aufgelegt. Dieses Mal als DVD. "Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen im Landkreis Bad Kissingen" lautet sein Titel. Es handelt sich dabei um eine unglaubliche Daten- und Bildersammlung mit Angabe der jeweiligen Standorte. Darin sind auch alle im Landkreis vorgefundene Orchideenarten aufgeführt. Die DVD kann über die Kreisgruppe des Bund Naturschutz bezogen werden.
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