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Offenbachs Cancan in der Zeitlupe

Die Kammeroper Köln brachte "Karneval der Tiere" zur Familienvorstellung ins Kurtheater.
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Im Dunkeln tut sich die Fantasie am leichtesten, ins Blühen zu geraten: das Ensemble der Kölner Kammeroper bei Camille Sait-Saëns' "Karneval der Tiere" im Kurtheater. Foto: Ahnert
Im Dunkeln tut sich die Fantasie am leichtesten, ins Blühen zu geraten: das Ensemble der Kölner Kammeroper bei Camille Sait-Saëns' "Karneval der Tiere" im Kurtheater. Foto: Ahnert
Eigentlich hatte Camille Saint-Saëns seinen "Carnaval des animaux", eine Faschingsschnurre für zwei Klaviere, nie veröffentlichen wollen, weil es ihm peinlich war. Er hatte darin seine Kollegen Offenbach, Berlioz und Rossini auf den Arm genommen. Dabei ewaren die schon tot. Orchestriert hat er die Klavierpartitur trotzdem und dann weggeschlossen. Sie erschien erst, als auch er gestorben war.
Heute ist der "Karneval der Tiere" das Stück für Familienkonzerte schlechthin.
Die Kammeroper Köln brachte das Stück jetzt zum Vergnügen für Kinder von vier bis 99 Jahre zur Familienvorstellung ins Kurtheater. Und man merkte eigentlich sofort, dass die Kölner Erfahrung mit Nachwuchsarbeit haben. Inga Hilsberg, die Gründerin und Leiterin der Oper, fand sofort Kontakt zu den Kindern, holte die zehn Musiker mit ihnen auf die Bühne. Und die Kinder machten sofort mit bei dem Ratespiel, wer noch alles fehlt. Da konnte leider nicht jeder, der etwas wusste, auch dran kommen.
Und damit jeder, ob jung oder alt, auch sein Vergnügen an den Imitationen der ganzen Tiere und ihrer Stimmen hatte, ließ sie ihr Ensemble viele davon vorspielen, damit die Zuhörer sie dann entdecken konnten: Hühner, Esel, Elefant, Kolibri, Schwan, sogar Versteinerungen.
Da konnte die Reise über den tierischen Festplatz starten. Die Kinder wussten inzwischen so gut Bescheid, dass nicht mehr unterbrochen werden musste. Das kleine Ensemble spielte allerdings auch mit großer Plastizität, mit Sinn für das Wesentliche, ohne Posen der durchgeistigten Künstler, dafür aber mit viel Gespür für den Witz der karikierten Tiere (und Komposnisten) und Betonung der zitierten Stellen, um den Wiedererkennungswert zu erhöhen.
Dazu kam, dass Bernhard Dübe, Kölner Schauspieleroriginal, moderierend die Zwischentexte erzählte mit einem spröden Humor, als sei er bei Loriot, dem Vater aller Tierkarnevalisten in die Schule gegangen. Jetzt wussten alle, wie das klingt, wenn eine Schildkröte ins Ballett, 2000 Kolibris schwirren oder die Frau des Elefanten mit eingebildeter Eleganz das Tanzbein schwingt.
Man verließ das Theater, gutgelaunt, und plötzlich fragte man sich, an welchem Punkt eigentlich die große Begeisterung der Kinder für diese Musik und ihre Herstellung verloren geht.
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