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Sandberg
Bürgerversammlung

Nationalpark: Mehr Applaus für die Gegner

In Sandberg gab es eine Bürgerversammlung zu dem Thema, das derzeit die Gemüter in der Region erhitzt wie kein zweites.
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Mit gut 30 landwirtschaftlichen Fahrzeugen waren Gegener des Nationalparks zur Bürger-Informationsversammlungen nach Sandberg gekommen. Die Stimmung war aufgeheizt, aber es blieb friedlich.  Foto: Marion Eckert
Mit gut 30 landwirtschaftlichen Fahrzeugen waren Gegener des Nationalparks zur Bürger-Informationsversammlungen nach Sandberg gekommen. Die Stimmung war aufgeheizt, aber es blieb friedlich. Foto: Marion Eckert
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Einige Demonstranten, die anlässlich des Besuchs von Umweltministerin Ulrike Scharf nach Stangenroth gekommen waren, hatten gleich im Anschluss noch einen zweiten Termin: Sie fuhren weiter nach Sandberg zur Schulturnhalle wo eine Bürgerversammlung zum Thema Nationalpark Rhön für die Walddörfer und umliegende Gemeinden stattfand.

Aus ihrer Ablehnung gegen einen möglichen Rhöner Nationalpark machten sie keinen Hehl. Mit gut 30 landwirtschaftlichen Fahrzeugen stellten sie sich gegenüber der Schulsporthalle auf. Von der Polizeiinspektion Bad Neustadt waren drei Einsatzfahrzeuge nach Sandberg gekommen, um einen geordneten Ablauf zu garantieren. Es gab Gehupe und Sirenengeheul, die Stimmung war aufgeheizt. Doch es blieb friedlich, und nach einer Weile zogen die Demonstranten wieder ab.


Vorwürfe an Politiker

Zunächst gab Dr. Oliver Konopik vom Bayerischen Umweltministerium allgemeine Informationen. Der erste Schritt der Dialogphase nähere sich dem Abschluss, Ende Juli werde entschieden, mit welchen Regionen der nächste Schritt, die Detailplanung, fortgeführt werde. Ausdrücklich und mehrfach wurde betont, dass noch überhaupt nichts entschieden sei.

"Nationalpark heißt nicht, die Leute aussperren", sagte Konopik. "Einschränkungen und Betretungsregeln wird es in einen Nationalpark Rhön nicht geben." Auch werde ein Nationalpark keine jagdfreie Zone sein, ein Wildtiermanagement werde mit den heimischen Jägern aufgestellt. Brennholz werde es auch künftig wohnortnah, qualitativ und zu den ortsüblichen Preisen geben, hierfür werde ein Brennholzkonzept aufgestellt.

All das werde gemeinsam mit den Menschen vor Ort erarbeitet - das sei Aufgabe der nächsten Phase. Wenn dann klar sei, dass die Rhön und die Rahmenbedingungen eines Nationalparks nicht zusammen passen, sei ein Ausstieg aus den Planungen nach wie vor möglich, betonte Konopik.

Die Stimmung in der Sandberger Schulturnhalle war zunächst ruhig, doch in der Diskussion wurde schnell deutlich, dass es viel Applaus für diejenigen gab, die Bedenken vortrugen und sich und grundsätzlich gegen einen Nationalpark aussprachen. Aber es gab auch Applaus für Stimmen, die für einen Nationalpark eintraten.

Einer von ihnen war Herbert Holzheimer: "Informiert euch doch mal, es herrscht soviel Durcheinander." Sein Vorschlag, Teile des Truppenübungsplatzes in den Nationalpark einzubeziehen, könne nicht umgesetzt werden, erklärte Konopik. Das Bundesverteidigungsminsterium habe sich dagegen ausgesprochen.

In der Diskussion ging es dann immer wieder um Fragen nach einem Betretungsrecht für den Nationalpark. Es wurden die Biodiversität in Frage gestellt, Nachteile für die Gemeinde gesehen, den Politkern Profilierungssucht und Absprachen vorgeworfen und letztlich die Demokratie in Frage gestellt.

Auch wurde die Behauptung in den Raum gestellt, dass über den Landrat und die Kreuzbergallianz Einfluss auf die Entscheidung genommen werde. Bürgermeisterin Sonja Reubelt bestätigt, dass es eine Vorbesprechung der Kreuzbergallianzbürgermeister mit Landrat Thomas Habermann im Sandberger Rathaus gegeben habe, um die weitere Vorgehensweise in der Dialogphase zu besprechen und Termine abzustimmen.

Als Rhön-Grabfeld-Landrat Thomas Habermann das Wort ergriff, musste er zunächst ein Pfeifkonzert über sich ergehen lassen. Er bat die Bürger, das Angebot eines Nationalparks nicht von vorn herein abzulehnen. "Ich appelliere ernsthaft Interesse zu bekunden und erst dann die Entscheidung zu treffen, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen."

Er fragte nach dem Entwicklungspotential der Walddörfer. Jopp, Preh und Siemens würden nicht nach Langenleiten oder Sandberg kommen. Durch einen Nationalpark könnten die Rhöndörfer eine zusätzliche Aufwertung erfahren. Es gebe durchaus noch andere Werte als nur die materiellen, machte Habermann deutlich. "Doch wenn man nicht an die Chancen eines Nationalparks glaubt, wird es auch nichts." Die Region vergebe sich nichts, wenn sie nun in die nächste Phase eintrete und Details ausgearbeitet werden.

Ohnehin: "Es ist kein kommunales, sondern ein staatliches Projekt. Der Staat könnte eine Teil seiner Fläche auch ohne weitere Bürgerbeteiligung von einem Wirtschafts- und einen Naturwald umgestalten. Doch es soll nicht gegen den Willen der Bevölkerung geschehen", so Thomas Habermann.

Nur wie ermittelt man den Willen? Wie soll Meinungsbildung stattfinden? Derzeit werde das Thema in Gemeinde- und Stadtratssitzungen, im Kreistag, auf Landrats- und Bürgermeisterebene sowie in Bürger-Informationsversammlungen diskutiert. Sandbergs Bürgermeisterin möchte, dass am 13. Juli in der Gemeinderatssitzung beraten wird, ob es in den Walddörfern eine Bürgerbefragung oder sogar einen Bürgerentscheid geben soll.

Kommentar von Marion Eckert
W er am lautesten schreit, hat Recht? Dem neutralen Beobachter drängte sich in Sandberg zumindest der Eindruck auf, dass bei den Bürger-Informationsversammlungen die Gegner eines möglichen Nationalpark Rhön genau nach dieser Weise verfahren.
Die persönlichen Interessen vieler Gegner, in allen Ehren. Die Stimmung ist aufgeheizt, das Thema emotional besetzt. Doch was kann es schaden einfach mal zuzuhören? Doch dazu braucht es Bereitschaft sich aufklären und informieren zu lassen, sich möglicherweise sogar auf andere Sichtweisen als die eigene und neue Erkenntnisse einzulassen. Die Gegner scheinen alles schon zu wissen, haben eine feste Meinung, von der sie keinesfalls abrücken möchten. Aufklärung und Dialog unerwünscht? Die Haltung des "brauchen wir nicht" könnte am Ende aber zu kurz gegriffen sein. Momentan scheint es so, als finden Gegner und Befürworter eines Nationalparks überhaupt nicht zusammen. Ein Nationalpark soll nicht gegen den Willen der Bevölkerung umgesetzt werden. Aber wer entscheidet? Wer mit Aggression auftritt? Wer am lautesten schreit?
Eines muss Befürwortern wie Gegnern zugute gehalten werden, sie alle wollen das Beste für die Region. Bleibt zu hoffen, dass die Mandatsträger der Region und Entscheidungsträger nicht nur nach dem schauen, der am lautesten schreit.

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