Bad Kissingen
Freizeit

Mountainbike: Auf dem Sattel fürs Leben lernen

Auf neuen, alten Wegen soll in der Rhön ein Streckennetz für Mountainbiker entstehen. Sportler erklären, warum die Psyche profitiert, wenn man in die Pedale tritt und wie Jugendliche mit schmalen Waldwegen an die Region gebunden werden können.
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Grafik: Michael Beetz
Grafik: Michael Beetz
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"Das Mountainbike-Wegenetz ist für Kinder und Jugendliche eine gute Sache, um die Region für sie interessanter zu machen", sagt Andreas Schubert. Er trainiert beim Sportverein Geroda 25 Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse im Mountainbiken. Seit 2010 gibt es die Abteilung beim SV Geroda. Regelmäßig geht das Team "Schwarze Berge" an den Start. Seine Schützlinge können es kaum erwarten, auf den geplanten Wegen zu trainieren. Sie wollen die Pfade nicht nur befahren, sondern sich auch selbst um sie kümmern.

Patenschaften für Strecken

"Die Kinder könnten Patenschaften für bestimmte Abschnitte übernehmen", sagt Jürgen Metz. Die Jugendlichen haben Erfahrung bei der Pflege von Wegen. Sie zeigen Eigeninitiative für ihr Hobby und die Gemeinschaft.
"Es ist extrem aufwendig, Strecken zu finden", sagt Andreas Schubert. Vor zwei Jahren war er zusammen mit Jürgen Metz und Michael Kreil in dem Mittelgebirge vor seiner Haustür unterwegs, um Strecken für das Wegenetz zu sammeln. Jetzt hofft er, dass die theoretische Vorarbeit greift und das Konzept umgesetzt wird. "Das ist absolut überfällig", sagt Michael Kreil. Er ist stellvertretender Leiter der Brückenauer Realschule und Schulsportbeauf tragter des Bayerischen Radsport­Verbandes. Kreil ist seit 20 Jahren Mountainbiker. Inzwischen hat er als Leiter des "Bike-Pool Bayern" 92 Schulen mit seiner Faszination für den Radsport angesteckt. Michael Kreil will seine Schüler nach draußen bringen - nachhaltig.

Mit Trends auf Kurs bringen

An einigen Schulen im Landkreis können Jugendliche das Mountainbiken als Wahlfach belegen. Betreuer wie Andreas Schubert trainieren und lernen mit den Schülern. Er hat keine Probleme, seine Kurse an der Schule in Schondra voll zu bekommen, erzählt er. Michael Kreil sagt dem Bewegungsmangel der Schüler den Kampf an versucht sie mit Aktionen auf den Geschmack zu bringen. Dabei setzt er auf Trends.

"Es gibt immer mehr Eltern, die Mountainbike fahren. Über die kommen auch die Kinder zum Sport", sagt er. Dass die für ihr Hobby nach guten Strecken suchen, ist klar, meint er. "Wir brauchen Wege, auf denen es Spaß macht, zu fahren." Gleichzeitig werde dort, wo es anständige Wege gibt, nicht "kreuz und quer" durch den Wald gefahren. Abgesehen von der körperlichen Fitness sieht der Lehrer in dem Mountainbike-Sport einen positiven Effekt auf die Persönlichkeit seiner Mountainbike-Schüler. "Man muss motiviert sein und eine gewisse Anstrengungsbereitschaft haben." Von den Gruppen-Touren profitieren alle: "Stärkere unterstützen und Schwächere müssen sich anstrengen", sagt der Pädagoge. "Man muss sich auch einmal durchbeißen." Auf dem Sattel lernen die Kinder fürs Leben, meint Michael Kreil. "Das Radputzen am Ende ist zwar nicht sehr beliebt, aber es gehört eben auch dazu", sagt er und lacht.


Sie mahnen, Rücksicht zu nehmen

Begeisterung sieht anders aus als die Reaktion von Roland Lenhart, Leiter des Sachgebiets Umweltrecht am Landratsamt Bad Kissin gen. "Der Naturschutz muss wohl einmal wieder zu Gunsten des Tourismus zurückstecken", sagt er. Er hat vor allem die brütenden Vögel im Blick. "Es wäre uns Recht, wenn während der Brutzeit etwas weniger los wäre." Ist der Weg aber erst einmal angelegt, sei eine zeitliche Einschränkung zwischen April und Juli nicht möglich, um Rücksicht auf die Tiere zu nehmen. "Das können wir nur vorab durch die Streckenführung beeinflussen. Die Wege müssen so gelegt werden, dass es nicht allzu viele Störungen gibt." Im Wald sieht Roland Lenhart die Situation nicht so kritisch, sein Augenmerk liegt auf sensiblen Biotopen. Der Naturschützer ist optimistisch: "Wir bekommen sicher einen guten Kompromiss zustande, wie auch schon bei den vielen Wanderwegen in der Rhön."

Mit Wegen mehr Ruhe fürs Wild

Helmut Fischer, Vorsitzender des Jägervereins Bad Kissin gen, hält die Pläne des Mountainbike-Wegenetzes für "begrüßenswert". "Feste Wege sind im Sinne der Jägerschaft", sagt der Tierarzt. Ein Zusatz liegt ihm besonders am Herzen: "Der springende Punkt ist, auf den ich dringend hinweise, die Wege dürfen nicht verlassen werden." Wer querfeldein durch den Wald fahre, scheuche das Wild auf. Eine kritische Situation, wenn das auf der Suche nach Rückzugsgebieten ist. "Gerade wenn die Rehe ihre Jungen zur Welt bringen, brauchen sie Ruhebereiche." Umso größer sei der Vorteil, wenn die Wege kanalisiert würden. "Wenn sich jeder aus der Bevölkerung rücksichtsvoll verhält, können sich alle gleichermaßen im Wald erholen."

Breite Wege für beide Nutzer

"Auf schmalen Pfaden kann es schon eng werden, wenn die von Wanderern und Mountainbikern gleichzeitig genutzt werden", sagt Thomas Hammelmann, Vorsitzender des Rhönklubs Bad Kissingen. Er erkennt den Trend der Sportart: "Das wird der Renner in der Rhön. Tendenz steigend." Auch im Zweigverein gebe es einige Mountainbiker, die schon jetzt auf Radwanderwegen unterwegs sind. Ihm liegt viel daran, dass die angelockten Mountainbiker nicht abseits der ausgewiesenen Wege fahren. Viel sei abhängig von der Streckenführung: "Wege, die gemeinsam genutzt werden sollen, müssen breit genug sein. Konflikte kann man vermeiden, wenn man aufeinander Rücksicht nimmt."


Träger
Der Verein Naturpark und Biosphärenreservat Bayerische Rhön mit den beiden Landkreisen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen ist Träger des Projekts.

Zertifikat
Die Strecken sollen nach bestimmten Kriterien der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) ausgebaut werden, damit die Wege von der offiziellen Stelle zertifiziert werden.

Förderung
Mitte des Jahres sollen die Anträge für das Leader-Projekt feststehen. Sobald die genehmigt sind, will Jürgen Metz mit dem ersten Weg beginnen.

Wege
Die Strecken sollen zwischen 25 und 50 Kilometern lang werden. Auf der Route sollen landschaftliche und kulturelle Besonderheiten und Hütten zum Einkehren liegen. Mindestens zwei Einstiegsmöglichkeiten, einen Pausenplatz und eine Anbindung an eine benachbarte Route.


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