Bad Kissingen
Frühlingskonzert

Mondlicht, Flöhe, Wochenend und Sonnenschein

Geistliches und Weltliches, Zeitgenössisches und Altehrwürdiges sorgten für Abwechslung beim Konzert des Schaafheimer Singkreises mit dem Kissinger Kammerorchester in der Erlöserkirche.
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Jörg Wöltche mit dem Singkreis aus Schaafheim im Odenwald und dem Kissinger Kammerorchester beim Konzert in der Erlöserkirche. Foto: Ahnert
Jörg Wöltche mit dem Singkreis aus Schaafheim im Odenwald und dem Kissinger Kammerorchester beim Konzert in der Erlöserkirche. Foto: Ahnert
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Einen Chor aus der Anfangszeit des Kirchenmusikdirektors Jörg Wöltche konnte der seinen Zuhörern beim Frühlingskonzert in der Erlöserkirche Bad Kissingen zu nachmittäglicher Stunde präsentieren.
Er dirigiert den Schaafheimer Singkreis aus dem Odenwald schon seit er 18 war, und konnte die etwa 20 Laiensänger in diesem Jahr zu ihrem traditionellen Chorwochenende zum Proben in den Heiligenhof und zum Konzert in seine Kirche holen.
Und er wollte sie zusammenbringen mit seinem Streicherensemble, dem Kissinger Kammerorchester zu einem gemeinsamen Konzert.

Viel Abwechslung

Heraus kam eine Programmfolge, die Geistliches und Weltliches, Zeitgenössisches und bis zu 400 Jahre altes verband und für Abwechslung sorgte.
Jörg Wöltche selbst übernahm mit seinem Orchester den Einstieg und musizierte als Solist und Dirigent Georg Friedrich Händels Cembalokonzert in B-Dur frühlingsfrisch und fröhlich. Im Barock blieb man bei Wolfgang Carl Briegels Kantate "Am dritten Ostertage", einem der Ergebnisse des Chorwochenendes, das der Chor nach etwas zaghaftem Beginn sehr engagiert sang und dabei von der Continuo-Gruppe des Kammerorchesters, Jörg Wöltche (Cembalo), Christine Stumpf (Cello) und Thomas Ahnert (Kontrabass) begleitet wurde, eine sicherlich schöne Erfahrung für einen A-Cappella-Chor.

Überzeugendes Flötenkonzert

Das zweite Solistenkonzert der Matinee spielte die Bad Kissinger Schülerin Barbara Stumpf und blieb noch immer im 17. Jahrhundert mit Christoph Graupners Concerto für Altblockflöte und Orchester. Nach dem souverän geblasenen sehr geschwinden Allegro-Eingangssatz folgte ein auf der Flöte wunderbar getragen musiziertes Andante, das mit raffinierter Pizzicato-Begleitung durch die hohen Streicher und fast perkussiv genommenen Einwürfen der tiefen Streicher überzeugend und mitreißend gestaltet wurde. Danach spielten die Interpreten mit viel Gusto den frischen Kehraus, bei dem die Solistin ihre Stellung selbstbewusst und pointiert behauptete.
Aus der Heimat des Chores stammte das geistliche A-Cappella-Lied des in Darmstadt wirkenden Spätromantikers Arnold Mendelssohn, der 1933 starb, aber sehr wenig hören ließ, dass er im 20. Jahrhundert wirkte und Paul Hindemith sein Schüler war. Eindringlich sangen die Odenwälder sein "Herr, sei uns gnädig", bevor das Streichorchester mit dem "Andante Festivo" von Jean Sibelius diesen feierlich-nachdenklichen Teil des Konzerts beschlossen.
Dann kam der Frühling im Konzerttitel voll zu seinem Recht und die Schaafheimer zur Präsentation der Früchte ihres Kissinger Wochenendes. Nach dem berühmten "Frühlingsgruß" des bekannteren Felix Mendelssohn, heiter und leicht vorgetragen, ging es um 400 Jahre in der Musikgeschichte zurück und in Daniel Fridericis "Wir lieben sehr im Herzen", in dem er die Freuden des Lebens besingt - Musik, "ein zartes Jungfräulein" und den frischen kühlen Wein - und zum nachfastenzeitlichen Genießen aufruft.
Und deftig geht es auch zu im Lied "Der Floh" von Fridericis Zeitgenossen Erasmus Widmann, einem Madrigal über die Flohplage mit überaus witzigen Beobachtungen zu den Plagegeistern der Menschen um 1600.

Calypso zum Kuckuck

Den Frühlingsvogel Kuckuck besang der Singkreis in der Version des 1960 geborenen Peter Schindler, der der altbekannten Melodie von "Kuckuck rufts aus dem Wald" einen frechen Calypso-Rhythmus in der Klavierbegleitung unterlegt. Und gänzlich ins beschwingte Wohlfühlen führte der letzte Chorsatz mit Jörg Wöltches Bearbeitung von "Wochenend und Sonnenschein", für das die Gäste viel Applaus bekamen.
Mit Glenn Millers "Moonlight Serenade" trotz Frühlingssonnenschein vor den Fenstern der Erlöserkirche lieferte das Kammerorchester einen romantisch-ruhigen Ausblick auf den Abend, mit seiner Zugabe, Leslie Searles "Music School Rag" fand das Nachmittagskonzert dann aber doch einen fetzig-fröhlichen Einstieg in den strahlenden Frühlingssonntag.
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