Bad Bocklet
Konzert

Mittelalterliche Mystik im Kursaal

Vielfalt, technische Präzision und enorme Stimmgewalt beweist der A-cappella-Chor Gregorianika bei seinem Auftritt im Kursaal.
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Die sieben Männer des A-cappella-Chores Gregorianika präsentieren ungewohnte Klänge. Foto: Peter Klopf
Die sieben Männer des A-cappella-Chores Gregorianika präsentieren ungewohnte Klänge. Foto: Peter Klopf
Musik ganz ohne Instrumente, die tief unter die Haut geht; sieben ausgezeichnete Stimmen, die für eine einzigartige Atmosphäre und ein außergewöhnliches Klangerlebnis sorgen: Der A-cappella-Chor Gregorianika braucht keine aufwendige Bühnenshow und keinen dramatischen Auftritt.

Ein abgedunkelter Raum, eine spärlich beleuchtete Bühne und cremefarbene Kutten reicht aus, um die Zuhörer in den Bann zu ziehen.
In der Fantasie der Bad Bockleter wird der Kursaal zum Kirchenschiff einer mittelalterlichen Abtei. Der A-cappella-Chor weckt die Begeisterung beim Publikum einzig und allein durch die Brillanz seiner charakteristischen Stimmen. Wenn der Chor zu singen beginnt, fühlt man sich unweigerlich ins Mittelalter zurückversetzt. Gewaltig und kraftvoll erklingen die Stimmen und verursachen schon beim ersten Ton Gänsehaut bei den Zuhörern.

Gregorianika - das sind sieben klassisch ausgebildete Sänger. Sie begeistern ihr Publikum durch musikalische Vielfalt, technische Präzision und enorme Stimmgewalt. Die Männer präsentieren damit eindrucksvoll, wie Gregorianik heute klingen kann: authentisch und zeitnah, dennoch stets geprägt von tiefer Demut, Spiritualität und Mystik. Als Studenten des Konservatoriums Lemberg (Ukraine) lernten sich die sieben Männer im Jahr 2002 während ihrer klassischen Gesangsausbildung kennen. Bald schon entdeckten sie eine gemeinsame Leidenschaft: den gregorianischen Chorgesang.

Als gregorianischer Choral wird der einstimmige, liturgische Gesang in lateinischer Sprache in der katholischen Kirche bezeichnet, der bis heute gesungen wird.

Er ist die älteste, lebendig gebliebene musikalische Kunstform in der Geschichte des Abendlandes. Gregor der Große, Papst im 6. Jahrhundert, hatte die Weitsicht und die Kraft, unter den vielen Arten und Weisen des Singens die eine zu fördern, die am schlichtesten auftritt - bei gleichzeitig höchster Kunstfertigkeit. Er sammelte und ordnete diese Gesänge. Daher tragen sie den Namen "gregorianische Gesänge".


Yesterday und Kyrie

Mit dem Beatles-Hit "Yesterday" oder "Ameno" kommt auch Pop auf die Bühne. "Das Mädchen am Fluss" ist ein Liebeslied aus der Heimat der Sänger, und "In Cantabile" ist hierzulande als englisches Volkslied "Scarborough Fair" besser bekannt. Ansonsten stehen liturgische Gesänge im Vordergrund, mit "Puer natus est", "Mönchsgebet", "Auferstehung", "Leib Christi", "Preise meine Seele den Herrn" und weiteren Chorälen.

Das "Ave Maria" stammt aus dem 15. und das Kyrie aus dem 14. Jahrhundert. Gerade bei den lateinisch gesungenen Werken kann man sich vorstellen, wie in mittelalterlichen Zeiten Mönche konzentriert singend durch die Kreuzgänge ihrer Klöster wandelten.

Mit rhythmischem Applaus bedankten sich die Zuhörer bei den Sängern. Der Chor setzt mit dem auf Deutsch gesungenen Volkslied "Guten Abend, gut Nacht" als Zugabe einen romantischen Schlusspunkt für ihren Auftritt.
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