Bad Kissingen
Mobilität

Mitfahr-Bank in Ramsthal: Vom Trampen im Sitzen

Sie ist mehr als ein bequemer Platz zum Ausruhen. Wer auf dieser Bank sitzt, will bei jemandem ins Auto steigen mit mitfahren. Was steckt hinter der Idee?
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Rainer Kraus (links) würde jederzeit jemanden mitnehmen, der auf der "Mitfahr-Bank" am Ramsthaler Ortsrand sitzt. Bernhard Gößmann-Schmitt hofft, dass sich viele Gemeinden der Idee anschließen.  Foto: Carmen Schmitt
Rainer Kraus (links) würde jederzeit jemanden mitnehmen, der auf der "Mitfahr-Bank" am Ramsthaler Ortsrand sitzt. Bernhard Gößmann-Schmitt hofft, dass sich viele Gemeinden der Idee anschließen. Foto: Carmen Schmitt
Sie schaut aus wie eine normale Bank. Wäre da nicht dieses Schild. Wer auf der bequemen Holzbank am Ramsthaler Ortsausgang hockt, sitzt direkt neben dem Hinweis-Schild. Darauf abgebildet: Ein "Daumen raus", so wie es Tramper tun, die von jemandem mitgenommen werden möchten. Und das wollen diejenigen, die auf dieser Bank Platz genommen haben. "Mitfahrgelegenheit" steht unter dem Daumen in blauer Schrift. Entstanden während eines Dorf-Wettbewerbs, steckt hinter der Idee ein Konzept mit Potenzial. Das will das Problem der eingeschränkten Mobilität auf dem Land angehen.

"Ich hab schon ein paar mal angehalten", sagt Rainer Kraus. Wenn er auf dem Weg nach Bad Kissingen oder Schweinfurt ist, kommt der Ramsthaler ohnehin an einer der beiden Bänke vorbei. Die stehen seit Juli im Dorf. Damals arbeitete ein Arbeitskreis um Bernhard Gößmann-Schmitt Ideen aus, mit denen sich die Gemeinde im Bundeswettbewert "Unser Dorf hat Zukunft" beworben hatte. Die Mitfahr-Bank war ein Projekt innerhalb des Konzeptes.


Anhalter 2.0

"Wir hatten uns überlegt, wie man die Mobilität verbessern kann", sagt Bernhard Gößmann-Schmitt aus Ramsthal. Vorbild für die Ramsthaler Bank waren andere Regionen in Deutschland, die aus einer schnöden Sitzgelegenheit bereits eine Zentrale für eine Mitfahrgelegenheit gemacht hatten. Trampen 2.0. Aber: Wie viele Ramsthaler sitzen abfahrtbereit auf der neuen Holzbank? Und wie lange hocken sie bis sie jemand aufgabelt? Wie viel Potenzial steckt in der Idee?


Mehr Werbung soll her

"Ich denke, die Bank wird schon genutzt", sagt Alfred Gündling (CSU), Bürgermeister von Ramstahl. Das Gemeindeoberhaupt räumt aber ein: "Es müsste nur mehr kommuniziert werden. Es fehlt noch die Publikmachung." Immerhin stehen die Bänke seit einem halben Jahr in der Ortschaft - ohne dass sie als "Mitfahrgelegenheit" beworben wurden. "Es ist schwierig die Idee umzusetzen, wenn man nur eine Bank hinstellt", sagt Patricia Schießer (CSU/FWG), Euerdorfer Bürgermeisterin und Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Euerdorf. "Das Angebot ist zu wage."

Gedacht ist die Mitfahr-Bank als Ergänzung. Eine Art Überbrückung, wenn keine Busse fahren, erklärt Bernhard Gößmann-Schmitt. Schließlich sei der Busfahrplan auf dem platten Land doch einigermaßen löchrig. Konkurrenz zum regulären Betrieb des öffentlichen Nahverkehrs? Mitnichten: "Es soll nichts Bestehendes ersetzen", sagt Dr. Matthias Bickert, Manager der Kommunalen Allianz "Fränkisches Saaletal". Vielmehr: Begegnungen schaffen und die Nachbarschaftshilfe stärken. Freilich, wer auf der Bank sitzt, sollte flexibel sein. Um pünktlich zu einem Termin zu kommen, eigne sich die Mitfahr-Bank nicht, meint Bernhard Gößmann-Schmitt - noch nicht. Er glaubt an das Potenzial der Bank. Wenn noch mehr Gemeinden mitziehen, könnte die das Mobilitätsproblem der älteren Generation eindämmen, sagt er. "Wir können nur darauf hoffen, dass sich viele unserem guten Gedanken anschließen. Die Idee würde leben, wenn sich viele beteiligen." In ein paar Wochen soll das Konzept diskutiert werden.


Analyse und Erprobung

"Die Idee ist gar nicht schlecht. Aber wenn nur eine Kommune mitmacht, bringt es gar nichts", sagt Patricia Schießer. "Wir sollten versuchen, eine gemeinsame Lösung auf VG-Ebene zu finden", meint die Gemeinschaftsvorsitzende. "Die Bank als Treffpunkt hat Potenzial", sagt Alfred Gündling. Ramsthals Bürgermeister kann sich vorstellen, die Mitfahr-Bank als eine Art Börse im örtlichen Amtsblatt zu bewerben. Der Landkreis äußert sich zurückhaltender. Aus Sicht des Kreises sei es sinnvoller, neue Ideen und Konzepte vorher mit einer Bedarfsanalyse zu hinterfragen und einen Probebetrieb anzulegen. "Erst dann kann beurteilt werden, ob Ideen tatsächlich nachhaltig umsetzungsreif sind und angenommen werden", heißt es aus dem Landratsamt. Die Erfahrung begründe die Systematik: Der Wunsch nach Beförderung und das tatsächliche Nutzerverhalten stimmen manchmal nicht überein, heißt es aus dem Amt. Beispiel "Fahrservice Saaletal": Die Saaletalallianz hat während des vergangenen Sommers zusammen mit einer Handvoll Fahrunternehmen einen Fahrservice ausprobiert. Mit dem sollten Bürger nach dem Besuch eines Weinfestes bequem nach Hause gebracht werden. Das Projekt wurde nach der Pilotphase wieder eingestellt. Die Nachfrage war zu gering. Oder: Mitfahrzentrale Rhön. Über die Onlineplattform des Biosphärenreservats können sich Fahrgemeinschaften bilden. Überrannt wird das Portal nicht gerade: Die letzten "Angebote" und "Gesuche" sind teilweise über ein Jahr alt.


Angebot muss sich etablieren

Zugestiegen ist bisher noch niemand bei Rainer Kraus. Die Leute, die er bisher auf der Mitfahr-Bank angetroffen hat, hatten die Bank genutzt wie jede andere: zum Ausruhen, erzählt er. "Jederzeit" würde er jemanden mitnehmen. "Und wenn es zeitlich passt, auch wieder mit heim. Das Angebot muss sich nur noch etablieren."
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