Oerlenbach
Tradition

Mit gelobter Prozession zeigen die Oerlenbacher Dankbarkeit

Vor 70 Jahren, am 7. April 1945, endete für Oerlenbach mit der Besetzung durch die Amerikaner der Zweite Weltkrieg. Dem damals kleinen Dorf drohten große Gefahren bei Luftangriffen und Einnahme. Mit viel Glück blieb der Ort vor Schlimmerem verschont.
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Aus Dankbarkeit, dass Oerlenbach im Zweiten Weltkrieg vor größeren Schäden verschont blieb, findet am Sonntag, 3. Mai, um 10 Uhr die gelobte Prozession zur Sebastianikapelle statt. Unser Archivfoto zeigt einen Gottesdienst vor der Kapelle .  Foto: Archiv/ Stefan Geiger
Aus Dankbarkeit, dass Oerlenbach im Zweiten Weltkrieg vor größeren Schäden verschont blieb, findet am Sonntag, 3. Mai, um 10 Uhr die gelobte Prozession zur Sebastianikapelle statt. Unser Archivfoto zeigt einen Gottesdienst vor der Kapelle . Foto: Archiv/ Stefan Geiger
Aus Dankbarkeit richtet die Gemeinde alljährlich eine Prozession mit Gottesdienst aus, heuer am Sonntag, 3. Mai, ab 10 Uhr.

Die gefährliche Lage wurde vor ein paar Jahren bewusst, als bei den Vorarbeiten für das Gewerbegebiet "Am Kreisel" wiederholt Bomben gefunden wurden. Hier warfen die Alliierten im März/ April 1945 mehr als 1000 Bomben ab.
Ziel sollte das Lufttanklager sein, das 1936 im "Kirchhofsholz" - heute Bundespolizei und Firma Hegler - auf einer Fläche von 17 Hektar errichtet worden war.

Benzin zu Luftbenzin gemischt

Dort wurde Benzin zu Luftbenzin gemischt, in Tankbehältern gelagert und per Bahn zum Flugplatz der Luftwaffe in Niederwerrn gebracht. Außerdem gab es unterirdische Benzinlager, Mischanlagen, Labors und Verwaltungsbauten. Für den Transport war die Bahnlinie Ebenhausen - Oerlenbach vierspurig ausgebaut worden.

Im Krieg bedeutete das Lufttanklager eine ständige Bedrohung. Das Abwasser floss im offenen Graben mitten durch das Dorf. Am 10. Januar 1943 führte dies fast zu einer Katastrophe. In der Chronik der Feuerwehr schildert Engelbert Hofmann die Situation. "Abfließendes Benzin hatte sich auf unerklärliche Weise entzündet. Im Nu brannte der ganze Graben. Das Feuer schlug haushoch empor, das ganze Dorf war in eine dicke schwarze Rauchwolke eingehüllt. Durch rasches Eingreifen der Orts- und Lagerwehr ist es gelungen, das Dorf vor größerem Schaden zu bewahren. Ein großes Glück waren die massiven Häuser an der Frontseite des Grabens im oberen Dorf."

Immer wieder wurde gegen Kriegsende das Tanklager bombardiert. Glücklicherweise verfehlten die Abwürfe ihr Ziel und landeten auf Feldern nördlich des Areals. Der Großteil der Bomben explodierte, ohne Schaden anzurichten. Zurück blieben Krater, die in den Folgejahren bei der Bearbeitung der Äcker nach und nach verschwanden. Die Flurabteilung nannten die Bürger fortan "Bombenlöcher".

"Furchtbarer Feuerhagel"

Brenzlig wurde es beim Einzug der Amerikaner am 7. April 1945. Der damalige Bürgermeister Wilhelm Kuhn ging mit weißer Fahne entgegen. Die Übergabe war bereits geschehen, als US-Panzer Feuer plötzlich erhielten. Auch darüber berichtet Hofmann: "Daraufhin setzte ein furchtbarer Feuerhagel ein, so dass man glauben musste, das ganze Dorf gehe unter. Drei Scheunen gerieten in Brand. Trotz Maschinengewehr- und Granatfeuer rannten die Menschen zu Hilfe, retteten die Tiere und verhinderten, dass das Feuer auf weitere Gebäude übergriff. Die drei Scheunen aber mit Wägen und Maschinen wurden ein Raub der Flammen. Nach zwei Stunden reichte zum Löschen das Wasser nicht mehr. Kinder, Mädchen, Mütter, Großmütter und Großväter trugen Jauche von allen Seiten herbei, bis die Gefahr gebannt war. Auch wenn drei unserer Mitbürger ihre Habe teilweise verloren hatten, so wurde doch der Großteil des Dorfes gerettet."

Einstimmiger Beschluss

Am 7. April 1946 beschloss der Gemeinderat einstimmig, dass "alljährlich an einem Sonntag im Mai aus Dankbarkeit gegen Gott, der unser Dörfchen in diesem furchtbaren Krieg so sichtbar geschützt hat, eine Prozession zur Kriegergedächtniskapelle gehalten wird. Mögen unsere Nachkommen auch in besseren Zeiten an unserem Gelöbnis festhalten."

Die Prozession verläuft an diesem Sonntag, 3. Mai um 10 Uhr von der Kirche aus über den Weg an der Schule entlang, Rottershäuser Weg, Dr.-Werner-Straße und Kapellenstraße zur Sebastianikapelle, wo das Dankamt gefeiert wird.
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