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Bad Kissingen
Nachruf

Mit dem Krebs lange überlebt

Ärzte gaben Cornelia Kuppe im Jahr 1999 nur noch zwei Jahre. In der vergangenen Woche starb die Autorin und Künstlerin.
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Die Bad Kissinger Autorin Cornelia Kuppe mit ihrem Buch "Ich lebe jetzt die Göttin in mir": 18 Jahre lang hat sie versucht, die Krankheit anzunehmen, in der vergangenen Woche ist sie gestorben. Foto: Archiv/Ralf Ruppert
Die Bad Kissinger Autorin Cornelia Kuppe mit ihrem Buch "Ich lebe jetzt die Göttin in mir": 18 Jahre lang hat sie versucht, die Krankheit anzunehmen, in der vergangenen Woche ist sie gestorben. Foto: Archiv/Ralf Ruppert
18 Jahre lang hat die Künstlerin und Buch-Autorin Cornelia Kuppe mit ihrer Krebs-Erkrankung gelebt, mit Lebensmut und Optimismus versucht, das Beste daraus zu machen. In der vergangenen Woche trat dann das ein, was ihr Ärzte bereits vor 18 Jahren vorausgesagt hatten: Der Krebs siegte, Cornelia Kuppe starb im Alter von 58 Jahren in der Würzburger Uni-Klinik.


"Nie gegen den Krebs gekämpft"

Die Titel ihrer Bücher waren gleichzeitig ihr Lebensmotto: "Ja, ich lebe jetzt mein Leben" oder "Ich lebe jetzt die Göttin in mir" sind sie überschrieben. Darin ruft Cornelia Kuppe dazu auf, die eigene Krebs-Erkrankung nicht nur anzunehmen, sondern sogar als Chance zu erkennen. "Wir haben nie gegen den Krebs gekämpft, sondern mit ihm gelebt", fasst Peter Wohlfeil seinen Weg mit Cornelia Kuppe zusammen.
Kuppes früherer Lebensgefährte betreute sie bis zum Schluss. Als sie sich kennen lernten, war Cornelia Kuppe bereits schwer krank: Eierstock-Krebs lautete die Diagnose 1999. Zunächst reagierte sie wie die meisten Betroffenen: "Ich habe mich vom Krebs führen lassen", sagte sie: Chemo-Therapie, zwei Operationen. Sie kämpfte gegen die Krankheit, wie sie ihr ganzes Leben lang gekämpft hatte. Im Job. Als Tochter. Als Frau.


"Dankbar, zufrieden, friedlich"

Als dann zwei Jahre später ein Rückfall diagnostiziert wurde, stand für Cornelia Kuppe fest, dass sie diesen Leidensweg nicht erneut gehen will. Für sie war es der Schlüssel zu einem neuen Selbstverständnis: "Ich brauchte den Krebs, um zu mir zu finden", sagte sie vor zwei Jahren im Interview mit dieser Zeitung, und: "Ich habe mich lange über das Leben hinweg gesetzt und gedacht, ich könnte mit dem Verstand alles beherrschen."
Trotzdem brach sie nicht ganz mit der Schulmedizin, ließ sich regelmäßig im Krankenhaus behandeln. Allerdings schaffte sie es, die meiste Zeit über ohne Medikamente zu leben. "Wir sind immer gut gelaunt in die Klinik gekommen, alle anderen haben sich immer gewundert", berichtet Peter Wohlfeil. Das sei bis zu ihrem Tod so geblieben: "Ich weiß, dass ich alles richtig gemacht habe", zitiert Wohlfeil sie vom Vorabend ihres Todes.
"Dankbar, zufrieden und ganz friedlich" sei sie eingeschlafen. Ein langer Leidensweg sei ihr erspart geblieben: "Innerhalb von einer Woche hat es sich massiv verschlechtert", erzählt Peter Wohlfeil. Die Tumore und Metastasen im Bauchraum seien am Ende doch zu viel gewesen: "Der Körper konnte einfach nicht mehr." Letzte Station war die Palliativ-Abteilung der Würzburger Uni-Klinik.


Seit 2009 in Bad Kissingen

Die gebürtige Hamburgerin, die in Ahrensburg, Schleswig-Holstein, aufwuchs, zog 2005 nach Unterfranken und 2009 nach Bad Kissingen. In ihrem Atelier in der Theresienstraße malte sie mit anderen und half ihnen, Lebenskrisen zu bewältigen. "Hier ist Raum und Zeit für Körper, Geist und Seele", lautete das Motto. Bei Ausstellungen und Vorträgen teilte sie ihre Geschichte, ohne sich aufzudrängen: "Ich freue mich, wenn ich jemanden inspirieren kann, aber ich will nicht missionieren. Ich akzeptiere, wenn andere das anders sehen."
Eine ihrer Botschaften: Aussagen zur Lebenserwartung nicht trauen. "Zum Glück hat man mir das nicht gesagt, ich weiß nicht, wie mein Weg weitergegangen wäre", kommentierte sie die Diagnose ihrer Ärzte im Jahr 1999, dass sie nur noch höchstens zwei Jahre zu leben habe. "Heilung ist aus meiner Sicht immer möglich", blieb Cornelia Kuppe Optimistin, auch wenn sie bereits 2003 wegen ihrer Erkrankung in Rente gehen musste.
Sie selbst krempelte nach der erneuten Krebs-Diagnose ihr Leben komplett um: "Ich wollte lieber für mich alleine glücklich sein, als in einer Beziehung sterben", begründete sie etwa die Trennung von ihrem Mann. Zum anderen setzte sie konsequent auf Selbstheilungskräfte: "Außen habe ich immer sehr für Ordnung gesorgt, aber ich habe nie akzeptiert, was ich in mir für ein Chaos habe."
Schon früh begann Cornelia Kuppe, Tagebuch zu schreiben. "Das ist fast schon eine therapeutische Handlung", sagte sie einst im Interview. Bücher schreibe sie dagegen aus einem anderen Grund, obwohl auch das sehr befreiend wirkte. "Ich möchte die Menschen, vor allem natürlich Frauen, dazu bringen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und ihre Bedürfnisse zu sehen." Dazu gehörte für sie selbst ein selbstbestimmtes Leben als Single: "Ich lebe bewusst allein, um die Beziehung zu mir zu stärken."
Peter Wohlfeil und Kuppes enge Freundin Dagmar Pfister organisieren in den kommenden Tagen eine kleine Abschiedsfeier in Bad Kissingen, die mit einem gemütlichen Eis-Essen enden soll: "Das hat sie sich so von uns gewünscht." Die See-Bestattung sei für Mitte Mai auf der Ostsee geplant. Restliche Bilder von Cornelia Kuppe und ihre Bücher können noch über ihre Homepage www.corneliakuppe.de bestellt werden.

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