Staatsbad Brückenau
Hauptversammlung

Mineralbrunnen: Schwieriger Start ins Jahr 2013

Im fünften Jahr in Folge legt die Staatliche Mineralbrunnen AG positive Ergebnisse vor. Die Dividende wurde heuer wieder erhöht. Was dem Unternehmen allerdings zu Schaffen macht, merkt Vorstands-Chef Ingo Vialon, wenn er zum Beispiel seinen Rasen mäht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Abfüll-Anlage im Staatsbad steht still. Die gesamte Produktion ist nach Oberleichtersbach gewandert. Fotos: Ulrike Müller
Die Abfüll-Anlage im Staatsbad steht still. Die gesamte Produktion ist nach Oberleichtersbach gewandert. Fotos: Ulrike Müller
+2 Bilder
Wenn Ingo Vialon derzeit seinen Rasen mäht, merkt er es selbst. "Wenn ich sonst zwei bis drei Liter trinke, reicht einer", sagte der Vorstandsvorsitzende der Staatlichen Mineralbrunnen AG beim Vorgespräch zum Geschäftsbericht 2012. Dabei weiß Vialon nur zu gut: Im Grunde gräbt er sich selbst das Wasser ab.

Bis Ende Mai fuhr das Unternehmen bei den Füllungen ein Minus von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Ein schwieriger Start.
"Aber das merken nicht nur wir", sagte Vorstand Manfred Karl bei der alljährlichen Hauptversammlung für Aktionäre, die gestern im Kursaal stattfand. "Alle, die auf gutes Wetter angewiesen sind, merken das auch", stellte Karl die Entwicklung in einen größeren Zusammenhang. Das heißt, die Menschen trinken nicht nur weniger Brückenauer Mineralwasser. Sie trinken insgesamt weniger.

Wie abhängig die Branche von der Witterung ist, schilderte Vialon an einem Beispiel: "Im August 2012 hatten wir im Vergleich zum August 2011 ein Absatzplus von 14 Prozent." Im Jahr 2011 war der August nämlich ganz verregnet. Es besteht also noch Hoffnung, dass auch noch heuer alles gut wird. "Wir gehen davon aus, dass wir auch für 2013 ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen und wieder die Dividende erhöhen", blickte Karl voraus.

Kleinaktionär meldet sich zu Wort
Das dürfte die Aktionäre freuen, die heute einstimmig für die Ausschüttung von 90 Cent pro Aktie - und damit 20 Prozent mehr als im Vorjahr - stimmten. Auch Vorstand und Aufsichtsrat wurden mit nur wenigen Enthaltungen entlastet. Einer, der sich enthalten hatte, war ein Kleinaktionär aus Höchberg bei Würzburg. Hartnäckig fragte er nach den Eigentumsverhältnissen des Unternehmens und bat darum, dass diese Informationen in Form einer Broschüre zur Verfügung gestellt werden.

"Es ist für uns Kleinaktionäre schwierig, das im Kopf zu behalten", sagte er in großer Runde. Wenn er zum Unternehmen gefragt würde, wüsste er oft keine Antworten. Karl umriss kurz die Eigentumsverhältnisse, eine schriftliche Handreichung wird es wohl aber nicht geben. Andere Aktionäre verteilten aber auch Lob: Unter anderem begrüßten sie die Investitionen (siehe Info-Kasten) und äußerten sich positiv darüber, dass nach vielen Jahren der Wirtschaftsprüfer gewechselt wurde. "An sich gab es keine Probleme mit der KPMG", erklärte Karl dazu. Allerdings habe auch der Vorstand einen Wechsel gewollt. Die Prüfung mache nun eine "kleine, schlagkräftige Gesellschaft aus München".

Zum Schluss ging es doch noch einmal ums Wetter. Was denn mit dem Hochwasser sei, wollte Bernd Behl aus Würzburg wissen. Im Radio habe er die Verkehrsmeldungen zu Siegsdorf gehört. "Siegsdorf war zwei Tage lang auf dem Landweg nicht erreichbar", berichtete Karl. Der Standort habe aber "keine Schäden davongetragen." Später lobte Behl die Transparenz des Unternehmens: "Die Informationspolitik hat sich spürbar verbessert."

Stichpunkte aus der Hauptversammlung:

Bilanz Im Geschäftsjahr 2012 hat die Staatliche Mineralbrunnen AG mit ihrer Tochtergesellschaft Siegsdorfer Petrusquelle rund 110,3 Millionen Füllungen verkauft, das sind 3,1 Millionen weniger als im Vorjahr. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass der Lohnabfüller Sinalco die gesamte Halbliter-Füllung aus Bad Brückenau abgezogen hat. Gleichzeitig wurde der Bereich der Einliter-Füllung aufgestockt. Allerdings nicht genug, um den vollen Verlust auszugleichen.

Die Umsatzerlöse an beiden Standorten sind im Vergleich zum Vorjahr allerdings um 40.000 Euro auf rund 21 Millionen Euro gestiegen, was vor allem auf den Erfolg der Tochtergesellschaft zurückzuführen ist. Insgesamt ergibt sich ein Bilanzgewinn in Höhe von 807.000 Euro, der zum Teil an die Aktionäre ausgeschüttet wurde, und zwar mit 90 Cent pro Aktie.

Investitionen Der Schuldenstand des Unternehmens stieg von rund 2,5 Millionen im Jahr 2011 auf rund 4, 6 Millionen im Geschäftsjahr 2012 an. Das liegt vor allem an den Investitionen, die im vergangenen Jahr getätigt wurden: Für rund 1,6 Millionen Euro wurden zwei Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern im Staatsbad und auf dem Buchrasen installiert. Etwa 2,5 Millionen kostete die Generalüberholung der Glas-Mehrweg-Abfüllanlage in Oberleichtersbach.

Wassermarkt Die Entwicklung im deutschen Handel ist stabil: Mineralwasser mit Kohlensäure (44,1 Prozent) und wenig Kohlensäure (43,7 Prozent) dominiert den Wassermarkt. Mineralwasser ohne Kohlensäure kauften rund 12,2 Prozent der Kunden. Das klassische Heilwasser ist allerdings seit Jahren auf dem Rückzug.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren