Existenzen sind bedroht, immer mehr Milcherzeuger werfen das Handtuch. Die Stimmung ist gereizt, der Zorn auf die Politik groß.

Wenn am Donnerstag, 26. April, in Konstanz am Bodensee die nächste Konferenz der Agrarminister über die Bühne geht, wollen Milchbauern den ranghöchsten Volksvertretern auf Landesebene und Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) einen heißen Empfang bereiten.
Mit von der Partie sein wird auch Milcherzeuger Alfred Greu bel vom Hundertwasserhof in Elfershausen. Um 4 Uhr ist er heute Morgen auf die lange Reise gegangen. Rund 380 Kilometer liegen vor ihm und seinem Gespann, mit dem er am Donnerstag um 10 Uhr vor dem Konferenzgebäude zusammen mit weit über 100 anderen Milcherzeugern gegen die Agrarpolitik zu Felde ziehen wird.

Aus purer Solidarität dabei


"Ich bin inzwischen zwar Bio-Bauer und hoffe, dass mich die jüngste Marktentwicklung nicht oder zumindest nicht so hart treffen wird wie meine Kollegen. Aber wir dürfen uns das nicht länger gefallen lassen", begründet Greubel seine Teilnahme an der Protestaktion mit dem Solidaritätsgedanken.
Er und Jürgen Förg (Einraffshof) stehen an der Spitze des Kreisverbandes im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). Beide sind stets auf Achse, wenn es darum geht, für die Zunft der Milcherzeuger die Kohlen aus dem Feuer zu holen.
"Wir geraten immer mehr ins Hintertreffen", warnt Förg die Politiker. "Wir brauchen als Untergrenze 40 Cent netto pro Liter Milch, damit wir eine schwarze Null schreiben können." Die Preisentwicklung gestalte sich derzeit aber vollkommen anders: "Die aktuellen Konsummilchabschlüsse liegen vier bis 4,5 Cent pro Liter niedriger als bisher. Das bedeutet für uns Milcherzeuger ein Preisniveau von zirka 25 Cent." Beide Landwirte stimmen überein in ihrer Aussage: "Davon können wir definitiv nicht leben."

Gefährliche Preisspirale nach unten


Laut BDM hat sich nach einer relativ stabilen Marktphase bis Anfang 2011 nunmehr eine Preisspirale für Milchprodukte nach unten eingestellt. "Als Ursache für diese Marktentwicklung ist die weiterhin über der Nachfrage liegende Rohmilchproduktion anzusehen." Das Fatale für BDM und Milchbauern: "Trotz dieser Marktlage hält die Politik bisher an ihrem eingeschlagenen Weg fest, die Milchquoten schrittweise weiter zu erhöhen."
Bundesministerin Ilse Aigner beharre auf der weiteren Erhöhung der Kontingente, auf Länderebene zeichne sich hingegen erstmals Bewegung in der Sache ab. Mit ihrer Protestaktion vor dem Tagungsgebäude in Konstanz wollen die im BDM organisierten Milcherzeuger Druck ausüben, damit die 16 Agrarminister der Bundesländer die Quotenerhöhung aussetzen und sich stattdessen geeignete Instrumente für eine Verringerung der Milchmenge überlegen.

Weitere Forderungen des BDM


Der BDM fordert außerdem eine Einschränkung der Saldierung von Unter- und Überlieferungen, eine Stärkung der Marktposition der Milcherzeuger durch verschiedene andere Maßnahmen und Möglichkeiten sowie die Voraussetzungen zur Schaffung einer Monitoringstelle auch in Deutschland.
"Die deutschen Agrarminister wissen ganz genau, dass wir im internationalen Vergleich unterlegen sind. Aus diesem Grund erwarten wir die volle Unterstützung durch unsere gewählten Volksvertreter", fordern Alfred Greubel und Jürgen Förg an der Spitze der Milcherzeuger im Landkreis Bad Kissingen.