Oerlenbach
Gemeinderat

Mehr als nur Skaterplätze

Oerlenbach ist in Sachen Jugendarbeit gut aufgestellt. Die Mehrheit der Jugendlichen möchte auch später hier leben.
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Viele Kinder und Jugendliche treffen sich an der Skateranlage unterhalb der Hegler-Halle, um sich nach Lust und Laune auszutoben.  Foto: Stefan Geiger
Viele Kinder und Jugendliche treffen sich an der Skateranlage unterhalb der Hegler-Halle, um sich nach Lust und Laune auszutoben. Foto: Stefan Geiger
Ohne feste Räume ist die offene Jugendarbeit schwer. Dies verdeutlichte Sozialpädagoge René Felcht, der über den Verein "Pro Jugend" auch in Oerlenbach mit zehn Stunden je Woche eingesetzt ist. "Ich versuche, auf Sportanlagen einschließlich Skaterplätzen sowie Bushaltestellen Kontakte zu knüpfen. Das ist sehr mühsam.
Feste Gruppen sind schwer aufzubauen."
"Ich bin in allen Gemeindeteilen, vor allem in Oerlenbach und Eltingshausen, unterwegs, weniger in Rottershausen, wo sich das Jugendheim unter kirchlicher Trägerschaft selbst organisiert. Eine Bauwagengruppe in Eltingshausen verwaltet sich ebenfalls selbst, trifft sich aber unregelmäßig und verzeichnet einen zahlenmäßigen Rückgang. Reger Betrieb herrscht bei günstiger Witterung auf der Skateranlage unterhalb der Hegler-Halle", berichtete Felcht, der ausdrücklich darauf hinwies, dass die Skater dabei sind, in Eigeninitiative ein zusätzliches, TÜV-gerechtes Element zu beschaffen: "Diese Gruppe ist sehr kreativ, aktiv und interessiert sowie bereit, sich zu organisieren und zu kooperieren."


Kein Interesse an Bauwagentreff

Gemeindeübergreifend liefen Basketballcamps, die auch künftig auf dem Programm stehen. Dazu kamen einige Fahrten zu Skatercontests. "Gespräche führte ich mit der Schule zum Thema Nachmittagsbetreuung. Konkrete Vereinbarungen wurden nicht getroffen", sagte Felcht. Zusammen mit Polizei und Landratsamt sollte ein Infoabend zum Bauwagentreff laufen. Die Resonanz aber war so gering, dass dieses Angebot abgesagt werden musste.
"In den letzten Wochen habe ich 59 Jugendliche zu einzelnen Punkten befragt. Ihre Freizeit verbringen sie größtenteils in den Vereinen, die vielfältige Aktivitäten ermöglichen. Nur wenige suchen auswärtige Angebote. Allerdings grenzen Schule und Ausbildung den zeitlichen Rahmen ein. Internet, Fernsehen, Chillen und Sport sind am meisten gefragt. Treffpunkte sind meist zu Hause oder bei Freunden beziehungsweise das Internet. Kommerzielle Angebote werden weniger angenommen. Im Vergleich zu 1999 stieg das Interesse für Sport und Musik. Mobilität, Zeitmanagement und Angebotsstruktur gelten als entscheidende Faktoren", informierte Felcht. Offene Jugendtreffs bevorzugen Kleingruppen.
Für die rechtlich kritisch zu sehenden Bauwägen sollten Alternativen angestrebt werden, wobei die Besuchsgründe zu berücksichtigen seien. "Auf verbandlicher Ebene dominieren die Sportvereine. Mit Abstand folgen Feuerwehr, Musikvereine und kirchliche Institutionen. Im Ehrenamt engagieren sich Kinder und Jugendliche in hohem Maß. 25 Prozent bekleiden mindestens eine Aufgabe ehrenamtlich. Diese Haltung gilt es anzuerkennen und zu fördern", riet der Sozialpädagoge und ergänzte, dass politische Belange interessiert verfolgt werden. Ausländerfeindlichkeit sei überhaupt nicht zu beobachten. In Problemfällen seien in erster Linie Freunde und Eltern Ansprechpartner.


Oft wenig Freiraum

Schule, Ausbildung und Beruf ließen nur wenig Freiraum. "Der Großteil nennt eine wöchentliche Belastung von zwischen 40 und 60 Stunden. Da bleibt kaum Freiraum. Der Alltag ist weitgehend fremdbestimmt. Als Ausgleich wenden sich Kinder und Jugendliche unverbindlichen Bereichen zu oder ziehen sich ins Private zurück", erläuterte Felcht. Rund zwei Drittel möchten auch später im Heimatort leben.


Engagement und Toleranz

Oerlenbach sei in der Jugendarbeit gut aufgestellt, fuhr René Felcht fort. Stärken seien das kirchliche Engagement, vor allem in Rottershausen und Ebenhausen, Toleranz der Gemeinde gegenüber Bauwägen und Hütten sowie die Organisationsvielfalt der Vereine. Die Gemeinde biete Lebensraum, der zum Bleiben bewege. Zu verbessern seien Anerkennungskultur, gemeindliche Treffpunkte und Jugendbeteiligung. Basketballkörbe, Volleyballfeld und Multifunktionsanlagen könnten die Freizeit bereichern. Attraktive Angebote sollten über den Verein Pro Jugend ausgeweitet werden, fasste Felcht zusammen.
Gestrichen wurde die wöchentliche Sprechstunde dienstags von 17 bis 18 Uhr im Rathaus: "Die Resonanz fehlte. Die Form ist nicht mehr zeitgemäß", begründete Felcht, dessen Arbeit der Gemeinderat würdigte und die beispielhaften Beiträge der Vereine für Kinder und Jugendliche herausstellte.

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