Bad Brückenau
Wirtschaft

Mehr Sorge um die Arbeitnehmer

Demografischer Wandel und Fachkräftemangel veranlassen Unternehmer, immer mehr in betriebliche Gesundheitsvorsorge zu investieren. Das spart bares Geld. Doch oft stößt das Thema auf Ablehnung.
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Immer mehr Arbeit, ständige Erreichbarkeit. Selbst leistungsfähige Menschen sind nicht davor gefeit, Raubbau mit ihren eigenen Kräften anzustellen. Burnout droht. Der Ausfall von Beschäftigten kann aber gerade bei Mittelständlern schnell existenzbedrohend sein, deshalb sorgen immer mehr Betriebe vor. Symbolbild: Ronald Rinklef
Immer mehr Arbeit, ständige Erreichbarkeit. Selbst leistungsfähige Menschen sind nicht davor gefeit, Raubbau mit ihren eigenen Kräften anzustellen. Burnout droht. Der Ausfall von Beschäftigten kann aber gerade bei Mittelständlern schnell existenzbedrohend sein, deshalb sorgen immer mehr Betriebe vor. Symbolbild: Ronald Rinklef
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Irgendwann ist jeder am Ende, wenn er nur genug Belastung bekommt", spricht Dr. Thorsten Muthorst, Arzt für Ganzheitliche Medizin und Naturheilverfahren im Regena Gesundheitsressort, das Thema Burnout im Beruf an. Sein Vortrag fand im Rahmen einer Infoveranstaltung zum Thema betriebliche Gesundheitsvorsorge statt. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) hatte dazu ins Regena geladen.
Muthorst nennt die Burnout-Patienten, die sich bei ihm behandeln lassen - nicht selten sind es Selbstständige oder Führungskräfte - "versklavte Leistungsträger". Es fehle ihnen oft an Mußestunden, sie können nicht mehr runterkommen und abschalten, seien stattdessen ständig gestresst. "Die Zahl der Burnout-Erkrankungen hat sich in den letzten Jahren beachtlich gesteigert", hält er fest und untermauert seine Aussagen mit Zahlen. Ein Drittel der Gründe für Erwerbsminderung sei heutzutage psychisch bedingt. Die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Krankheiten ist laut einer Studie der Techniker Krankenkasse in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent gestiegen.
"Die Ausfälle sind gerade für Mittelständler enorm", konstatiert der Mediziner. Die Menschen haben seiner Meinung nach Oasen der Ruhe heute so dringend nötig wie nie zuvor. Das Regena Gesundheitsressort bietet deshalb ein speziell auf Burnout ausgerichtetes Präventionsprogramm an. Aber auch ganz allgemeine Vorsorgeuntersuchungen im Rahmen betrieblicher Gesundheitsförderung sind im medizinischen Programm enthalten.
Helge Kirchner vom Regionalverband Rhein-Main des BVMW schätzt, dass vor allem mittlere und größere Unternehmen solche Angebote wahrnehmen. "Bei kleinen Betrieben ist das weniger der Fall. Betriebliche Gesundheitsvorsorge wird meist als Alibi und nicht nachhaltig umgesetzt", schätzt der Mann aus Schlüchtern die Situation ein.
Dabei sei das Thema für den Mittelstand von großer Bedeutung. "Die Unternehmen müssen heute mit immer älteren Arbeitnehmern länger auskommen, und die Arbeitnehmer müssen immer länger fit sein, um den Unternehmen zu nutzen", bringt Kirchner das Problem auf den Punkt. Ein Beispiel: Bei einem Mittelständler mit zehn Beschäftigten, von denen die Hälfte älter als 50 Jahre ist, könne es bereits existenzbedrohend werden, wenn drei Leute gleichzeitig ausfallen.
Oliver Grendel, Verbandsleiter beim BVMW für die Region Aschaffenburg und Miltenberg, ist ebenfalls der Ansicht, dass die Arbeitnehmer in Zukunft länger gesund bleiben müssen. Gründe seien der bestehende Fachkräftemangel sowie der demografische Wandel, der dafür sorge, dass es weniger junge Arbeiter gebe. "In die Gesundheit der Arbeiter sollte man einiges investieren", findet er. Jeder Euro, den Unternehmen für das Wohlergehen ihrer Angestellten aufbringen, zahle sich zweieinhalb- bis zehnfach aus.
"Die Fehlzeiten der Arbeiter können um bis zu 45 Prozent reduziert, die Kosten um bis zu 50 Prozent gesenkt werden", rechnet er vor. Zudem verbessere sich das Betriebsklima, und die Arbeitnehmer seien motivierter und leistungsbereiter. "Jeder Betrieb sollte sein Potential ausschöpfen", rät Grendel. Als Verlagsleiter für Gesundheitszeitschriften kennt er sich in dem Gebiet aus, gönnt sich auch privat Erholung und Wellness. "Vor allem tibetanische Klangmassagen haben es mir angetan", sagt Grendel.

Im Rahmen der Veranstaltung des Regionalverbunds Rhein-Main des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) standen zudem Vorträge des Steuerberaters Udo Zeiger und des Bad Brückenauer Stadtmarketingbeauftragen Uwe Schmidt im Fokus.
Der Geschäftsführer der Steuerberatergesellschaft Rausch, Zeiger und Partner, Udo Zeiger, wies darauf hin, dass sich nur wenige Unternehmer rechtzeitig mit der Frage auseinandersetzen würden, "wie es im Falle einer schweren Krankheit oder eines plötzlichen Todes mit der Führung des Betriebes weitergeht." Dabei seien die Folgen für einen Betrieb nach dem plötzlichen Ausfall eines Geschäftsführers häufig gravierend: "Nicht selten kommt es zu Umsatzeinbrüchen, einer Gefährdung von Arbeitsplätzen oder gar zum Stillstand des Geschäftsbetriebs." Der Steuerberater empfiehlt daher Unternehmern, sich rechtzeitig eine wichtige Frage zu stellen: "Was muss geregelt sein, falls ich plötzlich nicht mehr da sein sollte?"
Um Führungskräfte langfristig bei der Absicherung von Risiken zu unterstützen, bietet die Steuerberatungsgesellschaft das Konzept "Lifemap" an. Darin steht die Analyse der jeweiligen Vermögens-, Vorsorge- und Risikosituation im Fokus. Zudem werden Interessierte bei der Erstellung eines "Notfallordners" unterstützt, in dem alle Dokumente hinterlegt werden, die für Hinterbliebene wichtig sind - etwa Verträge, Vollmachten oder Passwörter.
Abgerundet wurde die Veranstaltung durch einen lokalen Bezug: Der Projektbeauftragte des Stadtmarketings, Uwe Schmidt, stellte die Veranstaltung "Bad Brückenau - meine Gesundheitsstadt" vor, die im Herbst 2013 zum dritten Mal ausgerichtet wird. Im Vordergrund der "Gesundheitsstadt" stehen die Themen Bewegung und Ernährung. Die Veranstaltung wird sich dadurch auszeichnen, neue und ungewöhnliche Wege zu gehen: "In einem Supermarkt finden beispielsweise Ernährungsvorträge statt und in Workshops werden Schüler zum verantwortlichen Umgang mit Alkohol angesprochen." Zudem verwies der Kommunikationsdesigner auf die gute Infrastruktur im Bereich der medizinischen Versorgung sowie den Gesundheitssektor als wichtigen Wirtschaftsfaktor für den Kurort Bad Brückenau als Gesundheitsstadt.

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