Bad Kissingen
Kreistag

Mehr Geld fürs Personal

Im Haushalt 2016 steigen die Personalkosten auf ein Rekordhoch von 16,25 Millionen Euro. Die meisten neuen Stellen entstehen aktuell im Bereich Asyl.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Akten von 85 unbegleiteten minderjährigen Ausländern verwaltet das Bad Kissinger Jugendamt aktuell. Für deren Betreuung stehen dem stellvertretenden Jugendamtsleiter Thomas Duda (von links) seit 1. Oktober die neuen Kolleginnen Michaela Schneider-Körber und Mine Fazalyar zur Seite. Foto: Ralf Ruppert
Die Akten von 85 unbegleiteten minderjährigen Ausländern verwaltet das Bad Kissinger Jugendamt aktuell. Für deren Betreuung stehen dem stellvertretenden Jugendamtsleiter Thomas Duda (von links) seit 1. Oktober die neuen Kolleginnen Michaela Schneider-Körber und Mine Fazalyar zur Seite. Foto: Ralf Ruppert
+1 Bild
Mine Fazalyar (33) und Michaela Schneider-Körber (41) verstärken seit Oktober das Team des Jugendamtes. Gut fünf Stellen wurden alleine dort für den Bereich Asyl geschaffen: 1,7 Stellen sind mit bestehendem Personal besetzt, für weitere 3,6 Stellen wurde entweder neues Personal eingestellt oder die Aufgabe an externe Partner vergeben.
Die beiden Neuen im Bad Kissinger Jugendamt bringen viel Erfahrung mit: Mine Fazalyar ist zwar Berufseinsteigerin, aber sie hat ein bewegtes Leben hinter sich. Michaela Schneider-Körber dagegen hat jede Menge berufliche Stationen hinter sich, die sie jetzt in ihre Arbeit einfließen lässt: Die Diplom-Sozialpädagogin leistete unter anderem einen Freiwilligendienst in Uganda, arbeitete fünf Jahre bei der Hilfsorganisation "Missio" und vier Jahre in der stationären Jugendhilfe. "Das passt einfach, in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Ausländern wird das alles zusammengeführt", sagt sie über ihre neue Tätigkeit im Jugendamt. Sie habe einen Blick auf die Jugendhilfe und auf andere Kulturen.


Erst spät Deutsch gelernt

Die 41-Jährige ist mit ihrem Mann in den Raum Hammelburg gezogen. Die neue Vollzeit-Stelle am Landratsamt war also ein Glücksfall. Ganz anders Mine Fazalyar: Sie kam eigens für ihre halbe Stelle in den Landkreis, kannte Bad Kissingen vorher gar nicht, empfindet die Stelle aber auch als Glücksfall.
"Ich kenne beide Sichtweisen", beschreibt sie ihren Werdegang: Vor zehn Jahren reiste sie von der Türkei nach Österreich zum Studieren - ohne Deutschkenntnisse. "Ich bin eine Bildungsmigrantin", beschreibt sie sich selbst. Innerhalb eines Jahres erlernte Mine Fazalyar die deutsche Sprache. Wie das möglich war? "Viel lesen und hören, Kontakte aufbauen", nennt sie als Strategie, die sie auch den unbegleiteten Minderjährigen weitergibt.
Die Türkin begann in Österreich zunächst ein Medizin-Studium, wechselte dann auf Erziehungswissenschaften. "Ich wollte immer mit Menschen arbeiten", nennt sie zur Begründung. Aber auch die Flüchtlingsperspektive kennt Mine Fazalyar hautnah: Ihr Mann flüchtete aus Afghanistan, durchlief den Weg der Anerkennung und arbeitet heute als Arzt.
"Unsere Aufgabe ist die koordinierende Stelle für die unbegleiteten minderjährigen Ausländer", beschreibt Michaela Schneider-Körber die Tätigkeit der beiden Frauen im allgemeinen sozialen Dienst. Das reiche von persönlichen Gesprächen bis zur Koordinierung der Bildungsträger, von der Inobhutnahme bis zur Entlassung aus der Jugendhilfe, vom Kontakt mit dem Vormund bis Verhandlungen mit anderen Behörden sowie von der Feststellung des Alters bis zum Entwicklungsbericht. Probleme mit den ausschließlich männlichen Flüchtlingen gebe es dabei keine: "Die Jungs respektieren uns", sagt Mine Fazalyar über den Umgang mit den mehrheitlich weiblichen Betreuerinnen.


320 Mitarbeiter auf 279 Stellen

Die fünf Stellen im Jugendamt sind nur ein Teil der Personalmehrung. 22 Plan-Stellen wurden in den vergangenen beiden Jahren im Asyl-Bereich genehmigt, 16 sind bislang besetzt. Weitere 4,5 Stellen sollen heuer in anderen Abteilungen dazu kommen: von EDV über Bautechnik bis zum neuen Mitarbeiter für den Naturpark Rhön. Der Personalstand in der Verwaltung wächst also: Ende 2013 teilten sich 303 Mitarbeiter noch rund 264 Stellen. Ende 2015 waren es 320 Mitarbeiter auf gut 279 Stellen (siehe Info-Ksten).
Geignetes Personal zu finden ist nicht ganz leicht: "Wir merken seit diesem Jahr, dass die Akquise neuer Mitarbeiter schwieriger wird", sagt Reiner Häfner, Leiter des Personalwesens. "Wer eingestellt wird, hat einen sicheren Arbeitsplatz", ergänzt Landrat Thomas Bold. Einen Personalüberhang befürchtet er nicht, schließlich sei die Altersstruktur so, dass in den kommenden Jahren viele Mitarbeiter ausscheiden.

Personalkosten Rund 15,1 Millionen Euro waren für 2015 an Aufwendungen für das Landkreis-Personal vorgesehen. Weil nicht alle Stellen besetzt waren, lautete das Ergebnis am Ende "nur" 14,53 Millionen Euro. Für das laufende Jahr liegt der der Haushaltsansatz bei 16,25 Millionen Euro, also 1,1 Millionen mehr als der Ansatz 2015.

Stellen Bewilligt waren für das vergangene Jahr 243,3 Stellen in der Landkreis-Verwaltung, besetzt waren davon 223 Stellen, und zwar von 183 Vollzeit- und 75 Teilzeitkräften. Hinzu kommen 62 Beschäftigte des staatlichen Landratsamtes, die sich 56,3 Stellen teilen, aber nicht im Kreis-Haushalt auftauchen. Insgesamt arbeiteten zum Jahreswechsel 111 Beamte und 209 Angestellte in der Verwaltung samt Bauhof und Zeltplätzen. Zum Vergleich: Ende 2013 waren es 106 Beamte und 197 Angestellte, Ende 2014 dann 108 Beamte und 205 Angestellte.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren