"Wir haben die Zusammenarbeit mit der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Berlin-Brandenburg gekündigt bekommen," begründet der kaufmännische Leiter der Klinik, Richard Voigt, diesen Schritt. Wobei er eingesteht, dass die DRV ihre Belegungszusage übererfüllt hat. Dennoch: "Es sah so aus, als ob es mit der Belegung weiter gehen sollte", sagt Voigt.

Das Klinikgebäude in der Menzelstraße ist samt Grund und Boden nach wie vor Eigentum der DRV Berlin-Brandenburg. Die Versicherung hatte die Klinik bis vor drei Jahren selbst als "Rudolf-Wissell-Klinik" betrieben. Dann hatte der Vorstand beschlossen, sich von dem Haus in Bad Kissingen zu trennen.Vereinbart wurde ein Mietkauf mit den jetzigen Betreibern, an der Spitze der neue Chefarzt Dr. Eckart Friedel. Teil der Vereinbarung war eine Belegungszusage über drei Jahre. Am 1. Januar 2009 wurde die Klinik übernommen.

Im 1. Jahr garantierte die DRV eine Belegung von 60 Prozent, im 2. Jahr eine von 40, im dritten Jahr eine von 30 Prozent. Diese Zusage sei sogar übererfüllt worden, bestätigt der Pressesprecher der DRV Berlin-Brandenburg, Karl-Heinz Klocke.


Zahlen sprechen eine deutliche Sprache



In der vergangenen Woche nun hat der Vorstand der DRV beschlossen, die Klinik in Bad Kissingen ab dem 31. März dieses Jahres nicht mehr zu belegen. Was das für die Klinik bedeutet, beschreibt Voigt mit Zahlen: Im vergangenen Jahr habe die Klinik rund 35.000 Übernachtungen gezählt, davon seien gut 29.500 auf das Konto der DRV gegangen. Der Rest habe sich aus 3500 Übernachtungen von Privat und einigen Patienten anderer Versicherungen zusammengesetzt, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht und sich Bad Kissingen ausgekuckt hatten.

"Die DRV Berlin-Brandenburg war unser Hauptbelegungsträger, wir haben momentan keine Alternativen," so Richard Voigt. Man sei zwar in Verhandlungen mit anderen Kassen, doch wenn die nicht schnell zum Erfolg führen, müsse die Klinik zum 1. April schließen. Derzeit ist laut Voigt nicht absehbar, wie lange die Klinik noch laufen wird. "Wir haben geringe Chancen, wir greifen nach jedem Strohhalm."

Nicht ganz verständlich ist für Voigt, dass die DRV im Laufe der Jahre die Abschlagszahlungen nicht vermindert hat, obwohl immer weniger Patienten geschickt wurden. Damit habe sich eine Überzahlung von rund 300.000 Euro ergeben, die nun seitens der DRV zurückverlangt wird. Deshalb stünden im Augenblick kaum liquide Mittel zur Verfügung.


Enttäuschte Hoffnungen



Seitens der Klinik sah man diese Überzahlung zunächst sogar als gutes Zeichen in der Hoffnung auf eine Mehrbelegung. Auch die Tatsache, dass nach Vertragsablauf am 31. Dezember letzten Jahres die Klinik weiter belegt wurde, wertete man als gutes Omen. Noch eine Woche vor der Kündigung, die am 21. Februar per Fax mitgeteilt wurde, sei sogar eine Mehrbelegung signalisiert worden, behauptet Richard Voigt.

Unverständnis herrscht bei der Klinik-Leitung auch darüber, dass die DRV Berlin-Brandenburg gar nicht alle Patienten in den noch bestehenden eigenen Reha-Kliniken unterbringen kann. Dies betreffe gut 10.705 Leistungen, die zur Fremdvergabe anstünden. Die Medis-Vitalis-Klinik hätte laut Voigt 1350 davon gebraucht, um wirtschaftlich weiter zu existieren.

Mit verantwortlich für das eventuelle Scheitern macht Voigt auch die - so wörtlich - "unseligen Startbedingungen". Er warf einem damaligen Mitgesellschafter Betrügereien vor. "Wir hatten uns damals schon freigeschwommen."


Sorgen um Mitarbeiter



Schon zu Beginn war die Klinik in stürmisches Fahrwasser gekommen, in der Geschäftsleitung hat es Zwistigkeiten gegeben, die zu juristischen Auseinandersetzungen führten. Gedanken macht sich Voigt auch über das Schicksal der rund 70 Mitarbeiter, darunter fünf Ärzte (drei davon in Vollzeit). Viele Mitarbeiter seien von der DRV Berlin-Brandenburg übernommen worden, hätten ein hohes Durschnittsalter und damit kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Mit dem Scheitern würde auch Dr. Eckart Friedel viel verlieren. Er hat laut Voigt über eine halbe Million Euro in die Klinik gesteckt. Dazu seien weitere 200.000 bis 300.000 Euro für den Betrieb gekommen. Von der Insolvenzanmeldung hat der Eigentümer des Gebäudes, die DRV Berlin-Brandenburg, auch erst am Mittwoch erfahren, so Pressesprecher Klocke. Was nach einer denkbaren Schließung mit dem Gebäude geschehen wird, sei offen: "Darüber ist noch nicht nachgedacht worden." Wobei auch Karl-Heinz Klocke noch ein Quäntchen Hoffnung hegt: "Es heißt ja nicht, dass zwingend Schluss sein muss." Doch er stellt klipp und klar fest, dass die Belegung durch die Versicherung zum 31. März enden wird.