Bad Kissingen
Südlink

Lokale Energiewende gegen Trasse

Der Energiedialog hat den Bedarf für die Stromtrasse nicht geklärt. Der Bund Naturschutz fordert Anstrengungen von Bürgern und Kommunen, um zu zeigen, dass es ohne sie geht. Der Landkreis verweist auf die gut ausgebaute Windkraft.
Artikel drucken Artikel einbetten
So groß wie ein Kühlschrank ist das Mini-Blockheizkraftwerk von Hans Dietrich Unger (links). Volker Wießner von den Bad Brückenauer Stadtwerken erläutert die Technik.  Foto: Archiv/ Ralf Ruppert
So groß wie ein Kühlschrank ist das Mini-Blockheizkraftwerk von Hans Dietrich Unger (links). Volker Wießner von den Bad Brückenauer Stadtwerken erläutert die Technik. Foto: Archiv/ Ralf Ruppert
Wenngleich es von Bürgerinitiativen, Lokalpolitikern und Naturschützern aus der Region viel Lob für den bayerischen Energiedialog gab, eine wesentliche Kritik aber bleibt: Dass weiter unklar ist, ob die durch den Landkreis geplante Hochleistungsstromtrasse Südlink überhaupt gebraucht wird. Mittlerweile stellen sowohl Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) als auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die technische Notwendigkeit der Trasse infrage.
Allerdings müssen Versorgungslücken mit neuen Gaskraftwerken kompensiert werden.

Der Netzbetreiber Tennet, der hinter Südlink steht, sieht sich vom Ausgang des Energiedialogs bestätigt. "Alle Berechnungen zeigen, dass Südlink notwendig ist, um die Versorgung in Süddeutschland, gerade auch in Bayern, zu sichern", antwortet eine Sprecherin auf Nachfrage der Saale-Zeitung. Der Energiedialog habe bestätigt, dass es einen hohen Strom-Übertragungsbedarf von Norddeutschland nach Bayern gebe. Im Bundeswirtschaftsministerium sieht man das ähnlich. Um den im Norden und Osten produzierten Windstrom zu den Verbrauchsschwerpunkten im Süden zu transportieren, brauche es deutliche Fortschritte beim Netzausbau, so eine Sprecherin.

Herbert Barthel, Energiereferent beim Bund Naturschutz Bayern, hat als Experte am Energiedialog teilgenommen. Er kritisiert, dass die Stromtrassen ein zentralistisches Stromversorgungssystem fördern, über das europaweiter Billigstrom verfügbar wird. Das schade der dezentralen Energieversorgung. Kleine regionale und kommunale Stromproduzenten wie etwa Stadtwerke oder Bürgerwindparks könnten mit den Strompreisen, die an der Börse gehandelt werden, nicht mithalten.

Energiewende im Kleinen

"Wenn die Energiewende dezentral umgesetzt würde, bräuchten wir beide Trassen (Südlink durch Unterfranken und die Südostpassage durch Oberfranken, Anm. d. Red.) nicht", sagt Barthel. Die Versorgungslücke lasse sich anders schließen, durch den weiteren Ausbau erneuerbarer Energiequellen, durch Gas- und vor allem durch Blockheizkraftwerke, die an den Verbrauch der jeweiligen Kommune angepasst sind. Und: "Wir müssen noch mehr über Energiesparen diskutieren", fordert er. Beim Streit um die Stromtrassen sei es wichtig, Alternativen zu geben. Der Energieexperte fordert deshalb die Kommunen und Bürger auf, aktiv zu werden. Barthel: "Wenn Bad Kissingen sagt, wir wollen Südlink nicht, muss es zeigen, dass es auch ohne geht."

Windkraft deckt Haushalte ab

Landrat Thomas Bold (CSU) verweist vor allem auf die Erfolge beim Ausbau von Windkraftanlagen im Landkreis. "Wir sind in einem Bereich, in dem sehr viel über die Windenergie kommt", sagt er. Schon in den nächsten ein bis zwei Jahren wird mehr als 40 Prozent des Stroms, der im Landkreis verbraucht wird, von Windrädern erzeugt. Schon jetzt könnten alle Haushalte mit Windstrom versorgt werden. "Es wird da noch einiges hinzukommen", verspricht er. Wenn alle Windräder ans Netz gehen, deren Bau im Moment vorbereitet wird, werde 54 Prozent des Strombedarfs im Landkreis über diese Anlagen abgedeckt.

Ansonsten versuche der Kreis, seine eigenen Gebäude energetisch auf Vordermann zu bringen. Die Gymnasien in Bad Brückenau und Münnerstadt wurden beispielsweise mit Hackschnitzelanlagen ausgestattet, auf den Dächern der Carl von Heß'schen Stiftung und des Kreisbauhofes Oerlenbach befinden sich Photovoltaikanlagen, in der Deponie Wirmsthal wird aus Deponiegas Strom und Wärme gewonnen. Dem Energiesparen misst der Landrat große Bedeutung bei. "Je mehr ich dort einspare, desto weniger muss ich über Netze kompensieren", sagt Bold.

"Regional Energie zu erzeugen ist eine Möglichkeit, diese Stromleitungen zu verhindern. Die zweite ist Energiesparen und da sind wir gut dabei", sagt Günter Schneider, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Brückenau. Die Stadtwerke bieten bereits seit 15 Jahren für Kunden kostenfreie Energieberatungen an. Experten begutachten einen Haushalt und geben Tipps, wie Energie gespart werden kann. "Das wird intensiv genutzt", berichtet er. Die Stadtwerke unterstützen die Energiewende im Kleinen: Sie berechnen, ob sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach lohnt und vertreiben Blockheizkraftwerke für die Energiegewinnung zuhause.

Das Thema Energiesparen habe sich immer deutlicher durchgesetzt, sagt Schneider. "Wir sehen seit vielen Jahren, dass der Energieverbrauch nach unten geht." Der Strombedarf im 3500 Haushalte großen Versorgungsgebiet der Stadtwerke sank zuletzt jährlich um 700 000 bis 800 000 Kilowattstunden.




was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren