Bad Kissingen
Kissinger Sommer

Letzte Vorbereitungen: Zwischen Kiwisaft und Babywindeln

Wenn ihr Telefon im Minutentakt schellt, ist es bald soweit. Vor dem Start des "Kissinger Sommer" am Freitag, 19. Juni, geht es im Organisationsbüro rund. Erna Buscham gewährt einen Blick hinter die Kulissen des Musikfestivals.
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Erna Buschams Schreibtisch ist kurz vor dem Start des "Kissinger Sommer" am Freitag, 19. Juni, besonders voll. Dann muss sie auch schon mal warmes Bier und vergessene Zahnbürsten organisieren. Fotos: Carmen Schmitt
Erna Buschams Schreibtisch ist kurz vor dem Start des "Kissinger Sommer" am Freitag, 19. Juni, besonders voll. Dann muss sie auch schon mal warmes Bier und vergessene Zahnbürsten organisieren. Fotos: Carmen Schmitt
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Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Das Publikum voller Erwartungen, Erna Buscham voller Panik. Mit Lampenfieber hatte ihr Gefühl nichts zu tun. Sie war es nicht, die gleich auf die Bühne vor die versammelten Gäste treten sollte. Erna Buscham sorgte sich um denjenigen, den das erwartete. Sie hatte kein gutes Gefühl. Die Konzerte vorher hatte er abgesagt. Der Pianist hatte Probleme mit seinen Händen.
Ob er das Konzert beim Kissinger Sommer spielen konnte? Eine Stunde bevor das Konzert starten sollte, wusste Erna Buscham bescheid.

"Man kann nicht für alles einen Plan B haben, aber man muss flexibel reagieren", sagt sie. Dann, wenn in letzter Minute noch ein Bühnenteil aufgetrieben werden muss, oder das Wetter nicht so will wie das Organisationsteam. Während des Festivals sind 50 Leute im Vorder- und Hintergrund mit der Organisation beschäftigt. Von der Kasse, über die Garderobe, die Auf- und Abbauten und die Fahrdienste für die Künstler. Mittendrin ist Erna Buscham, hochkonzentriert, erzählt sie.

Die heiße Zeit beginnt für sie schon im März, wenn es darum geht, die Details im Programm festzulegen und das Marketing anzukurbeln. Dann rückt der Termin des Eröffnungskonzerts immer schneller immer näher. Erna Buscham muss Empfänge organisieren, Presseanfragen bearbeiten, Hostessen einteilen, für die An- und Abreise der Künstler sorgen und sich um deren Sonderwünsche kümmern. "Da war schon alles dabei", sagt sie und lacht: Warmes Bier, Kiwisaft, Windel fürs Baby und vergessene Zahnbürsten. Wichtig sei es außerdem, vom HNO- bis zum Zahnarzt immer die passenden Ärzte an der Hand zu haben. Der Aufwand lohnt sich, meint sie.

Herzblut für Hochdruck
"Die Künstler erleben eine familiäre Umgebung und bekommen ein Rundumpaket." Sie schätzt die Arbeit mit ihnen: "Ich profitiere von fremden Menschen, die mir ihre Geschichte erzählen. Das gibt mir Kraft, nach vorne zu blicken", sagt die Assistentin der Intendatin Dr. Kari Kahl-Wolfsjäger. Für sie ist es der elfte Kissinger Sommer, den sie mitorganisiert. "Mit so vielen verschiedenen Kulturen wird es immer etwas Neues geben", sagt Erna Buscham. Sie stecke Herzblut in ihre Arbeit. Auch wenn in der Woche vor dem Start des Festivals alles unter Hochdruck erledigt werde.

Das Telefon in ihrem Büro läutet im Minutentakt. Jemand kommt rein, bringt einen Schlüssel. Der nächste hat auf den schon gewartet. "Wohin mit den Kartons im Kofferraum?" Gerade im Stress stelle sich das gute Team unter Beweis, meint sie. Entspannung? Fehlanzeige. Wenn der "Kissinger Sommer" 2015 startet, wird im Kuratorium das Programm für das kommende Jahr vorgestellt. Doch es gibt Momente während des Festivals, in denen Erna Buscham runterfährt. Dann, wenn sie sich zwischen all der Anstrengung der Musik öffnet und ein Pianist sie verzaubert, dessen Auftritt noch eine Stunde vor dem Konzert auf der Kippe stand.
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