"Man kann nicht sagen: Wir lassen das Gebäude halt abbrennen. Das geht einfach nicht." Stadtbrandinspektor Harald Albert hat schon öfter mal den Vorwurf gehört, der im Zusammenhang mit Bränden von Photovoltaikanlagen auf Hausdächern erhoben wird: Die Feuerwehr habe keine Möglichkeiten, gezielt zu löschen. Das stimmt natürlich nicht, so Albert, auch wenn die Anlagen durchaus neue Aufgabenlösungen erfordern.

Photovoltaikanlagen - so sinn voll die Stromproduktion mit ihnen auch ist - verursachen im Brandfall eines Dachstuhls oder eines ganzen Hauses zwei Probleme. Sie erschweren, vor allem, wenn es sich um größere Anlagen handelt, den Löschangriff über das Dach. Normalerweise, so Albert, werden von der großen Drehleiter aus Dachziegel entfernt und ein Loch erzeugt, durch das die Wehrleute die inneren Brandherde erreichen können. Bei Solaranlagen müssen erst einige Module zerstört und entfernt werden, um in den Dachboden zu kommen. Das kostet viel wertvolle Zeit und letztlich auch Geld. Albert: "Der Innenangriff bekommt dadurch eine größere Bedeutung."

Der ist für die Wehrleute ohnehin eine riskante Sache. Aber jetzt kommt ein Umstand erschwerend hinzu: Man kann Solaranlagen nicht beliebig abschalten, sondern frühestens an der ersten Schnittstelle im Haus. Und sie produzieren ständig Strom, wenn sie dem Licht ausgesetzt sind. Nachts natürlich nicht oder fast nicht, wenn der Mond scheint. Aber wenn die Feuerwehr bei Dunkelheit anrückt, dann muss sie starke Scheinwerfer aufstellen, um etwas sehen zu können.

Für die Photovoltaikmodule ist das das Signal, die Stromproduktion wieder aufzunehmen. Und auch wenn sie Gleichstrom abgeben, ist der nicht weniger gefährlich als der gewohnte Wechselstrom. Wenn also in einem völlig verqualmten Raum ein Kabel offen liegt oder aus der Wand herausragt, kann es für die Atemschutzträger gefährlich werden.

Vorsicht ist das beste Mittel


Die Feuerwehrverbände haben reagiert, haben Merkblätter für das richtige Verhalten herausgegeben. Harald Albert war auf vier Schulungen der Solaranlagenhersteller und hat seine Erfahrungen an die Wehren im Kreis weitergegeben. Wichtigstes Werkzeug ist immer noch die Vorsicht im Einsatz. Spezielles Gerät gibt es nicht.

"Einmal haben wir versucht, die Solarmodule mit schwarzen Folien abzudecken, um die Stromproduktion zu unterbrechen, aber die sind geschmolzen. Und das Gel, das die Industrie zum Aufbringen anbietet, hat sich noch nicht hundertprozentig bewährt.

Bisher zwei Fälle im Landkreis


Im Landkreis Bad Kissingen hat es erst zwei Fälle gegeben, in denen Anwesen mit Solaranlagen betroffen waren. Die Anlage war in keinem der beiden Brandfälle im Landkreis der Auslöser. In Bad Brückenau 2008 schlug ein Blitz in das Haus ein und setzte es in Brand. Bei dem Brand eines Aussiedlerhofes in Aura 2006 kann sich Harald Albert nur daran erinnern, dass es nicht die Anlage war. Das Anwesen ist deshalb vollständig heruntergebrannt, weil nicht genügend Löschwasser zur Verfügung stand.