Bad Kissingen
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Landregen ist bitter nötig

Dser April war einer der sonnigsten und trockensten seit Jahren - Land- und Forstwirtschaft hoffen auf einen Landregen. In den Parks müssen die Beete gewässert werden.
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Peter Wehner von der staatlichen Kurgärtnerei muss heuer schon die Frühjahrsblumen regelmäßig gießen. Foto: Heike Beudert
Peter Wehner von der staatlichen Kurgärtnerei muss heuer schon die Frühjahrsblumen regelmäßig gießen. Foto: Heike Beudert
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Es ist noch frostig kalt, als Peter Wehner von der staatlichen Kurgärtnerei die Stiefmütterchen, Tulpen und Rosen gießt. Was an Wasser von oben fehlt, das kommt jetzt aus Wasserfässern. Es ist zu trocken und die wenigen Regentropfen der letzten Tage haben den Durst der Blumen längst nicht gestillt. "Man muss einfach dahinter sein", meint Peter Weh ner.
In der staatlichen Kurgärtnerei Bad Kissingen ist der Gießaufwand in diesem Frühjahr deutlich höher als üblich.
Schwieriger ist es für die Land- oder Forstwirtschaft. Landwirte und Förster können nur auf den Regen warten. "Wir brauchen nicht 30 Liter Regen in zwei Stunden, sondern 30 in drei Tagen", betont der Fachberater am Amt für Landwirtschaft, Stefan Ofenhitzer. Im April sei maximal nur ein Viertel der normal üblichen Regenmenge in der Region gefallen, betont Ofenhitzer. Trotzdem hat er noch keine Hiobsbotschaften. Der Raps, findet er, sei meist gut gewachsen. Wie sich die Sommersaaten entwickeln, würden die nächsten Wochen entscheiden. Denn mit steigenden Temperaturen und fortschreitender Vegetation steigt der Wasserbedarf. Die Auswirkungen solcher Trockenphasen seien aber auch abhängig von der Bodenqualität. Die ist im Landkreis sehr unterschiedlich, so der BBV-Geschäftsführer im Kreis, Georg Scheuring.

Pappige Böden

Die Fachleute aus Forst- und Landwirtschaft registrieren in diesem Jahr zudem die Auswirkungen des zweiten frostarmen Winters in Folge. Der Boden werde dadurch pappig und habe sich schwer bearbeiten lassen, stellt Landwirt Roland Dömling fest. "In England kennt man das schon immer", erklärt Georg Scheuring. In der Region müsse man sich auf solche Veränderungen erst einstellen. Zwischenfrüchte, die den Boden im Winter locker halten sollen, sind eine Möglichkeit. Ob sich die Methode in der Vorrhön durchsetzen wird, kann Dömling nicht abschätzen. "Da muss jeder selbst experimentieren".
Nasse, frostarme Winter und das trockene Frühjahr sind auch für die Forstwirtschaft schwierig. "Wir haben im Winter die Probleme, das Holz aus dem Wald zu bringen. Die Frühjahrstrockenheit kommt zu spät", meint der Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt/Bad Kissingen, Klaus Klingert. Und unter der gehäuften Frühjahrstrockenheit leiden Jungpflanzen. "Frische Kulturen bekommen langsam Stress", meint Klingert zur derzeitigen Situation. Seine Behörde rät, junge Bäumchen bereits im Herbst zu setzen. Da sei es in der Regel feuchter, die Pflänzchen könnten besser Wurzeln schlagen, da zwischenzeitlich der November noch mild sei.

Ein neuer Schädling in der Region

"Es gibt Trockenschäden im Wald", sagt Jörg Mäckler, der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG). Betroffen seien vor allem steinige Standorte. Ungünstig sei im April zudem der beständig wehende Wind gewesen, der die unbelaubten Wälder noch mehr ausgetrocknet habe. Mildere Winter und lange Trockenphasen im Frühjahr erhöhen im Wald zudem die Gefahr von Schädlingsbefall. Klingert nennt alleine sechs Eichenschädlinge, die dem Wald zusetzen können.
In der Landwirtschaft macht neuerdings ein Schädling von sich reden, der bislang nicht in der Region anzutreffen war. Es ist der Gelbrost, ein GetreidePilz. Der Gelbrost kam bislang im atlantischen Klima des Nordwestens vor. Darauf müsse man jetzt in der Rhön reagieren, erklärt Georg Scheuring.
Während die Land- und Forstwirtschaft auf Regen warten muss, kann der Chef der Bad Kissinger Kurgärtnerei zumindest reagieren. "Wir gießen wie sonst im Hochsommer", betont Martin Christ. Momentan bewässern Mitarbeiter drei Mal pro Woche die Beete. Normalerweise reicht im Frühjahr eine Fassladung mit 4000 Litern in der Woche. Das Gießwasser kommt hauptsächlich aus dem Kaskadental.

Sonnenschein lockt Besucher

Der üppige Sonnenschein hat natürlich auch seine guten Seiten. "Dank der besseren Wetterverhältnisse genießen täglich mehr und mehr Gäste den Aufenthalt in den erblühenden Gärten und Parks", meint Kurdirektor Frank Oette. Die Auslastung in den Beherbergungsbetrieben entwickle sich ebenfalls positiv. Und obwohl Landwirt Roland Dömling dringend auf Regen hofft, am heutigen 1. Mai wünscht auch er sich sonniges Wetter. "Jetzt kann der Regen noch so lange warten, bis die Maifeste rum sind."

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