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Bad Kissingen
Tiere

Lamas beruhigen die Menschen

Aus einem Muttertier mit Tochter wurde eine ansehnliche Herde Lamas, die sich im Bad Kissinger Stadtteil Garitz sichtlich wohl fühlt.
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Cheyenne Parente (8) weiß genau, was Lamas mögen. Foto: Sigismund von Dobschütz
Cheyenne Parente (8) weiß genau, was Lamas mögen. Foto: Sigismund von Dobschütz
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Vor 30 Jahren wünschte sich Stephanie Parente von ihrer Oma ein Lama. Es blieb ein Wunsch, 25 Jahre musste sie warten, bis er sich erfüllte. Vor fünf Jahren hat sie sich schließlich selbst ihre ersten zwei Lamas gekauft. Heute verbringt sie mit Ehemann Domenico und ihren fünf Kindern die Freizeit am liebsten bei ihrer inzwischen 16-köpfigen Herde auf dem Drei-Morgen-Hof im Katzengrund.
"Ich wusste gar nicht, dass man Lamas kaufen kann", erinnert sich die
Garitzer Fotografin lachend. Als Zehnjährige hatte sie 1985 bei einem Spaziergang mit ihrer Garitzer Großmutter vor dem alten Norma-Supermarkt am City-Kino einen Zirkusartisten mit einem Lama entdeckt. "Der Blick dieses Tieres hat mich nicht mehr losgelassen." Fortan wünschte sie sich ein Lama. Vergeblich. Vorerst.


Zuerst eine Familie

Die kleine, in den USA geborene Deutsch-Amerikanerin wurde erwachsen und berufstätig, heiratete den Halbitaliener Domenico Parente, einen selbständigen Computerfachmann, und sorgte dann für ihre Kinder. Der Wunsch aus Kindertagen wurde verdrängt. Bis vor fünf Jahren. "Eine Freundin erzählte mir zufällig von ihrem Rhön-Spaziergang mit Lamas." Parente überlegte nicht lange und kaufte sich im Januar 2010 ein Muttertier mit Tochter. Doch was sie damals nicht wusste: "Beide Tiere waren schon gedeckt, erwarteten also Nachwuchs." Im Mai hatten Parentes dann schon vier Lamas. Und damit nicht genug: Jedes Familienmitglied sollte jetzt sein eigenes Lama bekommen. Also begannen sie mit einer eigenen Zucht auf ihrem 1,6 Hektar großen Pachtgrundstück nahe der früheren Mülldeponie.


"Jetzt ist erstmal Schluss"

Der letzte Deckhengst erfüllte 2014 seine Pflicht ... vor drei Monaten kamen fünf kleine Lamas zur Welt. 15 Weibchen "und unser kleiner Norbert" stehen jetzt auf der Koppel. Nun ist erst einmal Schluss mit Nachwuchs, steht für die Züchterin fest.
Die Lamas, die bis 1,90 Meter hoch, 180 Kilogramm schwer und 25 Jahre alt werden können, sind und bleiben das Hobby der Parente-Familie. "Die kosten uns auch nicht mehr, als würden mein Mann und ich uns Motorräder leisten." Die ursprünglich aus der lateinamerikanischen Anden-Region stammende Kamelart ist äußerst genügsam: Viel Auslauf auf den gepachteten Wiesen, Heu zum Zufüttern und ein paar Leckereien mit gesunden Mineralstoffen als gesundheitsfördernde Ergänzung im Winter. Ansonsten stehen die Tiere bei Wind und Wetter draußen. "In Peru ist es am Tag heiß und in der Nacht sehr kalt." Kälte macht den Tieren also nichts aus: Im Winter liegen sie im tiefen Schnee. Parente: "Dann sind sie von Weitem nur am neugierig hoch gestreckten Hals auszumachen."


Ein merkwürdiger Namen

Parentes haben 2012 ihre Zucht unter "Hamalama" als Gewerbe angemeldet. Der merkwürdige Name ergab sich von selbst: In Garitz habe sich 2010 schnell herumgesprochen, "die Parentes ham a Lama". Doch bisher steht "Hamalama" nur auf dem Papier und als Internet-Seite bei Facebook. Auch wenn sie ihre Tiere nicht professionell für therapeutische Wanderungen einsetzen wollen, bieten die Parentes auf Nachfrage gern Spaziergänge mit Lamas an - "für eine Spende in die Futterkasse".
In diesem Jahr allerdings nicht, denn die Jungtiere soll man im ersten Lebensjahr nicht anfassen, weiß die Züchterin. Lamas sind von Natur aus Fluchttiere, die erst langsam an den Menschen gewöhnt werden müssen. "Man muss sie trainieren, bis man ihnen eine Leine umlegen kann." Parente hat sich intensiv mit dieser Tierart beschäftigt und räumt deshalb auch mit dem Vorurteil auf, Lamas würden ständig Menschen anspucken. "Männchen spucken manchmal, wenn sie ihre Position in der Herde durch Jüngere gefährdet sehen." Oder wenn es Streit ums Futter gibt.


Die Menschen werden ruhiger

"Das Leben mit Lamas ist unglaublich schön", versichert Stephanie Parente. "Sie strahlen so viel Ruhe aus." Sogar hyperaktive Kinder werden nach Stunden des Umgangs mit den Tieren viel ruhiger, hat sie beobachten können. Ihre eigenen Kinder genießen die Zuneigung der Tiere. Der Drei-Morgen-Hof im Katzengrund wirkt wie ein Ferienparadies und erinnert irgendwie an Astrid Lindgrens Kinderbuch "Wir Kinder aus Bullerbü": Ein altes Haus am Waldrand, im Hof ein klappriger Wohnwagen, eine kleine Sitzgruppe, eine Feuerstelle - und die 16 Lamas. Stephanie Parente wünscht sich, dass ihre Kinder als Erwachsene gern an diesen Ort zurückdenken und ihr dann sagen werden: "Hier durfte ich Kind sein." Auf die Erfüllung dieses Wunsches wird sie hoffentlich nicht wieder 25 Jahre warten müssen.

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