Zahlbach
Kultur

Kurvenlaufen in Zahlbach für's Oktoberfest

Die Musiker der Bläservereinigung sind am 18. September beim großen Trachten- und Schützenzug in München dabei.
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Wie kommt ein Orchester um die Kurve? Das üben die Bläser seit einiger Zeit mit ihrer Dirigentin Manuela Möller. Um den Abstand zu erspüren, legen hier die Musiker den rechten Arm auf die Schulter ihres Nachbarn.  Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Wie kommt ein Orchester um die Kurve? Das üben die Bläser seit einiger Zeit mit ihrer Dirigentin Manuela Möller. Um den Abstand zu erspüren, legen hier die Musiker den rechten Arm auf die Schulter ihres Nachbarn. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
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Zugegeben, ein wenig komisch sieht das schon aus, was Manuela Möller da macht. Aber den Verkehr regelt sie nicht, sondern die Marschordnung ihres Orchesters. Und das ist gar nicht so einfach, weder für die Dirigentin, noch für die Musiker. Besonders, wenn es um die Kurven geht.
Acht Schritte sollten theoretisch reichen, die 90-Grad-Stelle zu passieren. Doch praktisch haut das irgendwie nicht hin, weshalb Manuela Möller den Kurvenmarsch unterbricht.


Drehpunkt beachten

Geduldig erklärt sie den Musikern, was falsch läuft. "Ihr müsst den Drehpunkt beachten", sagt sie und zeigt auf eine Stelle im Asphalt, die zuvor als solcher festgelegt wurde. Dann geht es zurück in die Ausgangsposition. Immer wieder, bis der Marsch um die Kurve halbwegs klappt. "Sehr gut", lobt die Dirigentin schließlich.
Die fällt dem Orchester etwas leichter, denn es folgt ein gerades Stück Straße. "Orientiert euch am rechten Mann", rät Manuela Möller ihren Schützlingen. Die Musiker richten sich kurz aus, nehmen die Paradehaltung ein. Dann wandert der Dirigentenstab nach oben und gibt das Startsignal. Das Frankenlied erklingt als Marsch.
Neugierig stecken die Bewohner ihre Köpfe zum Fenster hinaus, einige gehen auch hinaus auf die Straße, um mehr darüber zu erfahren, was die Musiker da machen. Marschprobe nennt sich diese Übungseinheit, die an diesem Tag mitten durch das Zahlbacher Wohngebiet führt, von der Enser Straße über den Döllengraben und weiter von der Hohenacker- zur Büttnerstraße. Denn die Musiker der Bläservereinigung bereiten sich auf einen großen Auftritt vor.
Sie dürfen am 18. September beim großen Eröffnungsumzug des diesjährigen, 183. Münchner Oktoberfestes dabei sein. Dabei war dieser Ausflug zur Wiesn ursprünglich nicht geplant. "Wir haben kurzfristig entschieden, uns zu bewerben", erzählt Annika Kirchner vom Vorstand.
Bis zum 15. Januar musste die Bewerbung in München eingegangen sein. Bereits vier Wochen später kam die erste vorläufige Zusage. "Dann hatten wir nur fünf Tage Zeit, die Unterlagen auszufüllen", fügt die 20-Jährige hinzu.


Strenge Vorgaben

Die Lieder beziehungsweise die Märsche mussten ausgewählt, Fotos fürs Programmheft gemacht und etliche Details festgelegt werden. Für die jungen Vorstandsmitglieder der Bläservereinigung war das kein Problem, denn sie konnten Informationen bei ihren älteren Mitstreitern einholen. Schließlich waren die Musiker aus Burkardroth bereits im Jahr 2007 beim Oktoberfestumzug dabei. Mitte März kam dann das endgültige Okay aus München.
Zahlreiche Vorgaben sind zu beachten. So dürfen die Musiker unter anderem nur in Tracht am Festumzug teilnehmen. Kleidung im Landhausstil oder eine trachtenähnliche Garderobe sind nicht erlaubt, ebenso wie Piercings, Sonnenbrillen oder moderne Accessoires.
Umso stärker ist seit Wochen Anna-Lena May gefragt. Sie ist die Trachtenwartin der Bläservereinigung und kümmert sich darum, dass nicht nur ausreichend Röcke und Blusen, Dreispitze oder Bundhosen vorhanden sind und passen, sondern auch die dazugehörigen Strümpfe. Es müssen laut Teilnahmevoraussetzung des Veranstalters, dem Festring München e.V., "traditionelle oder einheitliche Trachtenstrümpfe" sein.
Etliche Übungseinheiten haben die Musiker schon absolviert, unter anderem auf dem Parkplatz der Rhönfesthalle in Stangenroth oder an der "Einzelnen Eiche" draußen in der Wollbacher Flur. Ein paar werden noch folgen. Denn nicht nur die Musiker müssen das Zusammenspiel, Musizieren und Marschieren trainieren, sondern auch die Dirigentin Manuela Möller, die erst seit wenigen Monaten die musikalische Leitung der Bläser innehat. "Am schwierigsten ist es für mich, die Zeichen zur richtigen Zeit zu geben", gibt die 26-Jährige offen zu. Doch mit der Zeit klappt das immer besser, ebenso wie der Marsch der Musiker um die Kurven.
Inzwischen haben die Bläser ihren Heimweg angetreten, passieren die Biegung von der Straße Am Döllengraben in die Enser Straße. Diesmal sieht es nicht komisch aus, was Manuela Möller dabei macht. Denn sie steht einfach nur da und freut sich. "Das habt ihr super hinbekommen", lobt sie ihre Musiker.
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