Die Bilder müssen weg - da geht kein Weg daran vorbei. Doch das tut gleichzeitig auch ein bisschen weh - so jedenfalls ergeht es Martin Kuchler, der derzeit den Fränkischen Hof restaurieren lässt. Den ehemaligen und auch künftigen Gastraum gestaltete vor neun Jahren ein Kunstmaler mit Motiven aus der Stadt. Die Gemälde fallen der Restaurierung zum Opfer. Doch die Zerstörung wird stilvoll sein. Die Künstlergruppe "Institut Heinz" wird daraus eine Deinstallation machen. Am Samstag, 28. Juli, machen sich die Künstler an die Arbeit und ganz Münnerstadt kann mithelfen oder zuschauen.
Martin Kuchler hatte im Vorfeld die Bilderreihe der Münnerstädter Künstlerin Mia Hochrein geschenkt, damit sie vielleicht damit noch etwas anfangen kann. Bald hat sich aber gezeigt, dass die Wandmalerei ohne Schäden nicht abzunehmen ist. Die Bilder gehen auf jeden Fall verloren. Doch sie sollen in Erinnerung bleiben. Deshalb wurden sie nicht nur fotografiert, sondern werden jetzt auch mit Publikum abgebrochen.
Das ganze soll eingebettet werden in eine künstlerische Aktion. Für zwei Stunden steht der Fränkische Hof der Künstlergruppe "Institut Heinz" für ihre Forschungsarbeiten zur Verfügung. Das Motto lautet: "Institut Heinz räumt auf".
Jeder kann mithelfen und sich ein Stückchen altes Mürscht ergattern - ein Stück Tapete, einen Nagel oder ein Fetzchen der alten Wandbilder. "Das Wandbild vom Oberen Tor wird auf jeden Fall gesichert", sagt Mia Hochrein mit Schalk in den Augen.
Die Einzelteile des Gemäldes werden am Sonntag in einem Zug zum Oberen Tor gebracht und dort eingelagert. Dazu gibt es einen Sektempfang. Am Samstagabend selbst wird der kalifornische Dichter Will Staple anwesend sein und einige seiner Werke vortragen - vermutlich in englischer Sprache, aber Übersetzungstexte gibt es. Jan Polacek vom Institut Heinz wird Manifeste proklamieren, während Mia Hochrein und Stephan Winkler sich den handfesten Arbeiten widmen werden. Aufgeräumt wird an diesem Abend, um alte Strukturen aus der Welt zu schaffen, damit neue geschaffen werden können, erläutert Hochrein. Und so müsse das gute alte Mürscht Platz machen für das neue, was entstehen soll - auch deshalb steht am Aktionstag ein Spendenschwein für das Heimatspielhaus in der Baustelle des Fränkischen Hofes. Darüber freut sich Martin Kuchler, denn er ist ja Vorsitzender des Vereins "Zukunft für das Heimatspielhaus". Und Spenden sind dort immer willkommen.
Doch hinter diesen sinnigen Gedanken steht ein ganz simpler anderer Aspekt. Der Spaß an der Kunst. Mit dieser Vorgabe ist das Institut Heinz schließlich angetreten - um die Welt ein wenig schöner und besser zu machen. Und das mit einem Augenzwinkern und nicht mit erhobenem Zeigefinger.
Und so soll es auch am Samstagabend sein. Es wird eine Kunstaktion wider den tierischen Ernst.