Bad Kissingen

Kunst aus Eis: Aus einem Eisblock entsteht ein Schwan

Ein gelernter Koch zeigt in Bad Kissingen, wie aus einem Eisblock ein "flambierter Schwan" wird.
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Es geht los: Christian Staber setzt die Säge an. Aus dem ... Foto: Peter Rauch
Es geht los: Christian Staber setzt die Säge an. Aus dem ... Foto: Peter Rauch
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"Flambierter Schwan" steht heute auf dem Programm. Christian Staber ist gelernter Koch, aber den Schwan will er nicht in der Küche verarbeiten. Die bleibt heute kalt, denn den "flambierten Schwan" wird er heute schnitzen, aus einem Einsblock.

Über Margarinefiguren, kleine Eisschalen und das Gemüseschnitzen für festliche Tafeln kam Christian Staber vor rund 20 Jahren auch auf den Schwan - einen lebensgroßen Schwan, "geschnitzt" aus einem Eisblock. Wie er das am Sonntag auf dem Marktplatz in Bad Kissingen bei der Aktion "Feiern & Eis" des Bayerischen Rundfunks vorführte. Bevor der in Nußdorf am Inn beheimatete Koch jedoch mit seinem Kunstwerk beginnen kann, müssen erst einmal die entsprechenden Eisblöcke beschafft werden.

Milchig oder gasklar

Das geschieht in Eigenregie, denn je nachdem wie die spätere Figur aussehen soll, ob milchig oder glasklar, für jeden Eisblock hat Christian eine spezielle Rezeptur. Oft dauert es bis zu fünf Tage, bis der Block fertig ist. Dann allerdings geht es sehr schnell, denn der Eiskünstler bearbeitet den Block mit der Kettensäge. Gleich drei verschieden große Modelle mit unterschiedlich langen Schwertern liegen griffbereit. In Nu staubt und spritzt es wie bei einem gewaltigen Wintersturm.

Die beiden BR-1-Moderatorinnen Irina Hanf und Ulla Müller, mit denen derzeit der Eiskünstler im Rahmen von "Feiern & Eis" auf Tournee ist, bekommen das live zu spüren. Noch zwei Meter vom weißen Eisblock entfernt finden sie sich plötzlich im stärksten Wintersturm wieder. Die beiden sind eingehüllt in eine Wolke aus Schnee- und Eiskristallen. Wie ein Derwisch umrundet Staber mit der Kettensäge den Eisblock, arbeitet mit der großen Säge erst den einen, dann den anderen Flügel.

Große und kleine Brocken

Beim Wechsel von der großen zur kleinen Säge erklärt er ziwschendrin schnell mit ein paar Worten ins Mikro, was er gerade tut. Die beiden Moderatorinnen, die sowohl live vom Marktplatz berichten, wie auch das dortige Publikum über den Stand der Eisschnitzaktion aufklären, sind ganz Ohr. Im besten Niederbayrisch lässt derweil der Eiskünstler wissen, dass er "mit kloane Eisschalen angfanga hob und dann san die Brockn immer größer gworn". Sein größter Brocken war 2001 ein rund zwei Meter hoher Eisblock, der ihm in der Wiener Neustadt zum Europameistertitel der Eisschnitzer verholfen hat. Augenblicklich ist Christian Staber beim BR engagiert und tourt mit dessen Team im Rahmen von "Feiern & Eis" durch bayrische Städte und zeigt seine Fertigkeiten.

Das Dreidimensionale

"Engagiert haben die mich, weil ich des gut kann", lässt er so kurz zwischen der kleinsten, einer akkubetriebenen Kettensäge, und der Feinarbeit mit dem Meissel wissen. "Das Schöne an dieser Arbeit ist, dass da alles vergänglich ist und alles wieder zurückkommt - ich komm mit nix und geh mit nix", sagt er über seinen "Zweitberuf". Das Schwierige daran sei eben die Umsetzung ins Dreidimensionale: "Ich präg mir halt die Kuh, in dem Fall den Schwan, ein und übertrag ihn dann aufs Eis". Als wär alles so einfach. Und wenn wirklich mal was wichtiges abbrechen solle, so kann man das mit Vereisungsspray wieder "anpappen". "Aber das passiert bei mir äußerst selten", verspricht der Nußdorfer.

... und dann wird flambiert

Ja, und da wäre dann zum Schluss nur noch das "Flambieren". Nachdem Staber sein Kunstwerk mit diversen Kettensägen und Stemmeisen fertig aus dem Eisblock herausgearbeitet hat, kommt zum Abschluss ein Gasbrenner zum Einsatz. Mit ihm werden die Kanten geglättet, die Figur sozusagen entgratet und feingeschliffen. Während dieser Arbeit erstrahlt der Eisblock kurzfristig in einem herrlich warmen Licht und man möchte wirklich meinen, jetzt, jetzt fliegt der Schwan gleich in die Abendsonne ...

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