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Bad Kissingen
Untersuchung

Kultur und Urbanität sind wichtiger als Natur

Geografen der Universität Würzburg haben das Biosphärenreservat Rhön genauer unter die Lupe genommen. Ihr Ansatz: Warum kommen die Menschen in die Rhön? Ihr Ergebnis: Die Natur allein ist nicht ausschlaggebend, es kommt auf verschiedene Aspekte an.
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Die Rhön ist schön, keine Frage, wie dieses Bild bei Mansbach in der Rhön zeigt, aber ... Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Die Rhön ist schön, keine Frage, wie dieses Bild bei Mansbach in der Rhön zeigt, aber ... Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
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Fast 6,4 Millionen Menschen besuchen jährlich das Biosphärenreservat Rhön. Aber: Nicht alle Touristen bereisen das Schutzgebiet bewusst. Viele halten sich aus anderen Gründen etwa in Bad Brückenau oder im Berghaus Rhön auf. "Nur für 13,7 Prozent der Besucher spielt es eine große Rolle, dass sie sich in einem Biosphärenreservat befinden", sagt der Würzburger Wirtschaftsgeograph Felix Kraus, der das Biosphärenreservat unter die
wissenschaftliche Lupe genommen hat.
Im Biosphärenreservat finden Wildkatzen und viele andere Tierarten ein Biotop. Das macht das Schutzgebiet für Tier- und Naturfreunde sehr attraktiv. Doch nicht alle Besucher, die sich im Reservat aufhalten, sind sich der Bedeutung des Schutzgebiets bewusst. Am ehesten wissen dies noch Touristen, die das "Schwarze Moor" besuchen. Für rund 28 Prozent der Menschen, die hierher kommen, spielt es eine große Rolle, dass sie sich in einem Biosphärenreservat befinden.

Am Berghaus Rhön

An vielen anderen Standorten ist die Situation sichtlich anders. "Nur für knapp 3,5 Prozent der Besucher des Berghauses Rhön spielt es eine große Rolle, dass sie in einem Biosphärenreservat sind", sagt Kraus. Er und seine Kollegen vom Lehrstuhl für Geographie und Regionalforschung der Universität Würzburg befragten Besucher ein Jahr lang an zwölf verschiedenen Standorten des Schutzgebiets. Sie führten fast 10 000 Blitz-Interviews durch, um mehr über Herkunft und Motive zu erfahren. Fast 1900 Mal wurde länger mit den Gästen gesprochen, um genaue Aussagen über die regionalökonomischen Effekte des Tourismus treffen zu können.
Mit seiner Kulisse aus abgestorbenen Birken gehört der See des Roten Moors zu einer der Hauptattraktionen des Biosphärenreservates. Immerhin rund 15 Prozent aller Besucher dieses Standorts, stellte sich heraus, schätzen es, dass sie sich in einem sehr interessanten Schutzgebiet befinden. Bei den Gästen auf dem Kreuzberg ist die Quote mit knapp zehn Prozent bedeutend niedriger. Auch Gäste, die direkt nach Bad Brückenau kommen, wissen oft nicht, dass sie sich mitten in einem Biosphärenreservat aufhalten. Lediglich 4,5 Prozent der befragten Touristen gaben an, dass dies für sie mit ein Grund gewesen sei, nach Bad Brückenau zu fahren.

Natur nicht so wichtig

Die Großartigkeit unberührter Natur ist für Touristen insgesamt aktuell weniger attraktiv als Kultur und Urbanität. Städtereisen boomen, der Naturtourismus führt im Vergleich dazu ein Nischendasein. Umso wichtiger ist es, dass Schutzgebiete gut vermarktet werden, damit Menschen, die es in ihrer Freizeit in die Natur zieht, auf das Schutzgebiet aufmerksam werden. Das wissen auch die "Macher" des Biosphärenreservats.

Noch nicht so nachhaltig

Mehrere Kooperationsverträge, die in den vergangenen Jahren unterzeichnet wurden, dienen dem Ziel, einen nachhaltigen Tourismus zu fördern. Dies müsste allerdings auch heißen, so Kraus, mehr Menschen als Übernachtungsgäste zu gewinnen. Derzeit reisen mehr als zwei Drittel der Besucher lediglich für ein paar Stunden oder einen Tag ins Biosphärenreservat.
Das ist nicht besonders nachhaltig - auch wenn auf diese Weise viel Geld in das Schutzgebiet fließt. Rund 68 Millionen Euro geben die Tagesbesucher den Würzburger Erhebungen zufolge pro Jahr aus. Strömen die Menschen am Samstagnachmittag oder am Sonntag massenhaft ins Reservat, ist dies der Vegetation nicht unbedingt zuträglich. Besser wäre es, die Besucher würden sich mindestens ein Wochenende lang Zeit nehmen, die Schönheiten des Schutzgebiets in Ruhe zu entdecken. Um dies zu erreichen, müssten die Akteure des Biosphärenreservats ihr Profil schärfen.

Noch nicht so nachhaltig

Die Werbetrommel müsste aber nicht allein dafür gerührt werden, dass mehr Menschen zum Übernachten ins Schutzgebiet kommen. Zum einen müssten gezielt Natur- und Tierliebhaber angesprochen werden. Sinnvoll wäre es außerdem, stärker auf den Dienstleistungssektor im Schutzgebiet aufmerksam zu machen. Den Würzburger Geographen zufolge geben die Besucher erstaunlich wenig Geld aus, um etwa ein Museum zu besuchen, sich Fahrräder zu leihen, oder eine Strecke mit dem Bus zurückzulegen. Insgesamt fließen durch Übernachtungsgäste jedes Jahr rund 117 Millionen Euro in das Biosphärenreservat.

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