Bad Kissingen
Nationalpark

Diskussion um Nationalpark Rhön geht weiter

In Spessart und Steigerwald rühren Gegner und Befürworter die Werbetrommel, in der Rhön bleibt es dagegen ruhig.
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Befürworter eines Nationalparks im Steigerwald haben vor kurzem in einem Sketch das Verteilen des Nationalparkkuchens im Freistaat nachgespielt.  Foto: Ronald Rinklef
Befürworter eines Nationalparks im Steigerwald haben vor kurzem in einem Sketch das Verteilen des Nationalparkkuchens im Freistaat nachgespielt. Foto: Ronald Rinklef
Wer durch Spessart oder Steigerwald fährt, sieht dort etliche Transparente für und gegen einen Nationalpark. Im Steigerwald haben die Befürworter sogar eine Umfrage in Auftrag gegeben und vor kurzem das Ergebnis vorgestellt: Die Hälfte der Bevölkerung sei dafür, verkündeten sie. Aber es gibt auch Gegner, an der Spitze Innen-Staatssekretär Gerhard Eck (CSU). Im Biosphärenreservat Rhön dagegen sieht man die Diskussion gelassen, einzig der Bund Naturschutz hängt sich für den Nationalpark rein.

"Es ist jetzt klar, dass ein dritter Nationalpark in Bayern kommen wird. Die Steuergelder bis zu 20 Millionen Euro im Jahr werden ausgegeben", sagt der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. Er rechnet noch 2017 mit einer Entscheidung für eine der mindestens vier Regionen im Freistaat, die sich derzeit im Rennen befinden, also Steigerwald, Spessart, Rhön und Donauauen.


Argumente für "Buchonia"

Auch der BN-Kreisvorsitzende Franz Zang positioniert sich klar und verweist auf die steigende Akzeptanz etwa der Kernzonen: "Die Schutzwirkung der Kernzonen waren bei der Diskussion um den Südlink sehr willkommen." Für Zang ist klar, dass die Rhön, das frühere "Buchonia", Nationalpark werden muss: "Ein Nationalpark wäre die große Chance für die Entwicklung unserer Region", sagt er, und: "Die Rhön weist wegen der vielfältigen geologischen Verhältnisse und der unterschiedlichen Höhenlagen elf verschiedene Laubwaldtypen auf."

"Wir haben sehr schöne Buchenwälder, aber nur auf kleinen Flächen", widerspricht Wolfram Zeller, Leiter des Forstbetriebs Bad Brückenau. Ein Vertreter der Bayerischen Staatsforsten arbeite in einer Arbeitsgruppe des Umweltministeriums mit, aber: "Ich bin völlig außen vor." Bekannt sei nur, dass auch Flächen aus seinem Forstbetrieb untersucht wurden. Zeller gibt aber zu Bedenken, dass ein Nationalpark mindestens 10 000 Hektar groß sein müsste. "Ich bin ratlos, wo in der Rhön ein solcher Buchen-Nationalpark entstehen soll", verweist er darauf, wie schwer es bereits war, die 3889 Hektar Kerzone für den bayerischen Teil des Biosphärenreservats zu finden. Aber: "Entscheiden muss der Waldeigentümer, also das Parlament", stellt Zeller klar.

"Der Freistaat ist am Zug und muss sagen, welche Flächen in Frage kommen", fasst der Bad Kissinger Landrat Thomas Bold (CSU) das Ergebnis seiner Gespräche im Umweltministerium zusammen. Die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld hätten sich bislang nicht festgelegt - im Gegensatz etwa zum Spessart, wo es bereits einen Flächen-Vorschlag gibt. "Ich gehe davon aus, dass wir im Frühjahr eine Rückmeldung bekommen, um welche Flächen es geht", kündigt Bold an.

Bestand Im Bayerischen Wald wurde 1970 der erste deutsche Nationalpark ausgewiesen. Einer der Initiatoren war der Tierfilmer Bernhard Grzimek. Der Nationalpark hat heute eine Fläche von 24 250 Hektar. Der strikte Naturschutz in der strukturarmen Region ist umstritten. Der einzige deutsche Alpen-Nationalpark, mit gut 20 000 Hektar die Kernzone eines viel größeren Biosphärenreservats, wurde 1978 im Berchtesgadener Land ausgewiesen. Die Bemühungen zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt gehen bis in das frühe 20. Jahrhundert zurück.

Kandidaten Für einen geplanten dritten Nationalpark in Bayern gibt es mehrere Kandidaten: Neben den Donauauen sind das vor allem die drei unterfränkischen Waldgebiete Rhön, Spessart und Steigerwald. Das Biosphärenreservat Rhön umfasst insgesamt 243 000 Hektar (2430 Quadratkilometer), verteilt auf die drei Bundesländer Bayern, Hessen und Thüringen. 2400 Quadratkilometer im Spessart sind bereits als Naturpark geschützt darunter die ausgedehnten Wäldern im Mainviereck. Das Bundesamt für Naturschutz brachte zudem den Steigerwald vor Jahren als möglichen Nationalpark ins Spiel. Besonderheit ist die große Zahl uralter Buchen. 1988 wurde im Steigerwald ein 1280 Quadratkilometer großer Naturpark ausgewiesen.

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