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Bad Kissingen
Religion

Kostprobe trotz Ramadan in Bad Kissinger Berufsschule

Flüchtlinge kochten und backten für ihre Mitschüler. Bei der Planung war der Fastenmonat vergessen worden, trotzdem halfen alle mit viel Begeisterung mit.
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Gemeinsames Kochen in der Schulküche: Fadi Alibrahim (von links), Sozialpädagogin Irene Jonda, Nasima Noori, Fuaad Keher, Klassenleiterin Doris Peter, Abdulbasir Noori und Fereshteh Bayat bereiten Pita und mehr zu, um mit ihren Mitschülern in Kontakt zu kommen. Abschmecken war dabei tabu. Fotos: Ralf Ruppert
Gemeinsames Kochen in der Schulküche: Fadi Alibrahim (von links), Sozialpädagogin Irene Jonda, Nasima Noori, Fuaad Keher, Klassenleiterin Doris Peter, Abdulbasir Noori und Fereshteh Bayat bereiten Pita und mehr zu, um mit ihren Mitschülern in Kontakt zu kommen. Abschmecken war dabei tabu. Fotos: Ralf Ruppert
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Herzhafte Pita, zuckersüße Baklava: Reich gedeckt waren die Tische im Pausenhof der Bad Kissinger Berufsschule bei einem Projekt der Flüchtlingsklassen. "Das wird mit Mehl und Hefe gebacken, oben sind Fleisch, Zwiebeln und Paprika drauf", beschreibt Fuaad Keher die Pita. Der 19-Jährige stammt aus dem Irak und lernt in einer der vier Vorklassen der Berufsschule Deutsch.
Selbst essen konnte er die arabischen Köstlichkeiten, die er mit vorbereitet hat, aber nicht: "Im Ramadan ist Essen und Trinken von Sonnanauf- bis Sonnenuntergang verboten." Noch bis 5. Juli dauert der muslimische Fastenmonat.


Zeichen der Toleranz

Nicht einmal das Abschmecken während des Kochens sei erlaubt, erzählt Mitschülerin Nasima Noori. "Die Moslems, die sich entschieden haben zu fasten, dürfen das natürlich", sagt Klassenleiterin Doris Peter. Bei der Planung der Aktion sei der Ramadan zunächst vergessen worden, aber die Schüler zogen die Aktion trotzdem durch: "Sie akzeptieren, dass Menschen anderer Religionen nicht fasten müssen, und dass der Ramadan keine Einschränkung für alle sein darf."
Doris Peter wertet diesen Einsatz als Zeichen der Toleranz und Integration. "Im ersten Jahr war es noch schwieriger, aber heuer ist es schon deutlich entspannter", sieht sie im Umgang mit dem Ramadan eine Entwicklung bei den Flüchtlingen. Rund 100 Jugendliche werden aktuell in den vier Vorschul- und einer Berufsintegrationsklasse unterrichtet. Wie alle insgesamt 1600 Bad Kissinger Berufsschüler haben sie auch eine Wochenstunde Religion oder Ethik.


Miteinander der Religionen

Die Entwicklung ist nicht neu: "Es sind immer mehr Schüler, die konfessionslos sind oder einem anderen Glauben angehören", sagt Schulleiterin Karin Maywald. "Unsere Religionslehrer sind da sehr offen", verweist sie darauf, dass das Miteinander der Religionen sehr gut funktioniere. Gerade im Ethik-Unterricht könne es auch vorkommen, dass Auszubildende ganz verschiedener Berufe zusammen unterrichtet werden. "Wir lernen da ja gegenseitig voneinander", empfindet Maywald auch die seit September 2014 laufende Beschulung junger Flüchtlinge als eine weitere Bereicherung.
Sich über fremde Kulturen und religiöse Gewohnheiten auszutauschen, war denn auch die Hauptidee der Pausengestaltung: "Das haben wir in der Form zum ersten Mal gemacht", berichtet Klassenlehrerin Doris Peter und ist ganz begeistert, wie engagiert ihre Schüler mitgearbeitet haben. Die meisten in ihrer Klasse stammen aus Syrien, aber auch Afghanistan und der Irak sind vertreten. Deshalb habe der Schwerpunkt auf arabischen Speisen gelegen. Vier junge Frauen führten zudem eine äthiopische Kaffeezeremonie vor, die viele Berufsschüler staunend mitverfolgten.
Die Speisen waren vor allem eine gute Möglichkeit, um Berufsschüler ins Gespräch zu bringen. Wer mehr wissen wollte, konnte sich an zahlreichen Schautafeln informieren, auf denen die Flüchtlinge sich und ihr Herkunftsland vorstellten. "Mich freut, dass so viele hier zusammenstehen und sich ganz ungezwungen unterhalten", zog Sozialpädagogin Birgit Baron vom bfz eine positive Bilanz.

Die Auszubildenden im Bestatterwesen kommen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Bad Kissingen: Nina Abdalla aus Flensburg hat dabei die längste Anreise. Durch ihren palästinensischen Vater kenne sie arabische Gerichte, freute sich aber trotzdem über die Kostproben als Abwechslung zum Unterricht. "Ich weiß zwar nicht, wie sie das trotz Ramadan abgeschmeckt haben, aber es schmeckt sehr gut", sagt Robert Kunz aus Westphalen, der vor allem die herzhaften Speisen kostete. "Das sind echte Kalorienbomben, mir ist das schon fast zu süß", kommentiert Theresa Korsch aus Kiel die Süßigkeiten, Und auch Raphaela Schletter aus Dortmund sind Baklava und Co. eine Nummer zu zuckrig.

"Das schmeckt sehr gut", sagt der Bankkaufmann-Azubi Fabian Rottenberger aus Großenbrach. Nach einer Schulaufgabe nutzte der 20-Jährige mit Klassenkameraden die Gelegenheit, die arabischen Gericht zu probieren. "Das entspricht nicht unbedingt dem europäischen Geschmack, aber ich bin da auch nicht wählerisch."

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