Seit Jahrzehnten gibt es Überlegungen, den Bereich Obermang umzugestalten. 2001 überraschte der damalige Bürgermeister Thomas Ullmann mit dem Konzept, dort ein großes Einkaufszentrum anzusiedeln, 2010 hat die Stadt dann eine Rahmenplanung in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse am Dienstagabend im Stadtrat vorgestellt wurden.
"Der Bereich sollte den Besuchern einen schönen ersten Eindruck von Bad Brückenau geben", fasst Planer Florian Göger das Ziel des Entwurfes zusammen. In seiner Analyse der aktuellen Situation ging er auf die "chaotische Parkplatz-Situation auf den beiden oberen Ebenen", auf die steilen Zufahrten, die schlechte Anbindung an die Innenstadt und die heruntergekommenen Gebäude am unteren Ende an. Gögers Fazit: "Es handelt sich um ein unschönes Gelände, obwohl das ein wichtiges Tor zur Stadt ist."
In der Sitzung stellte Göger zwei Varianten vor, die der Regierung von Unterfranken zur Aufnahme ins Förder-Programm "Stadtumbau West" vorgelegt werden sollen. Zentrale Punkte: Die oberen Ebenen sollen neu gestaltet, mit festen Stellplätzen versehen und begrünt werden, der Leimbach soll zum Teil wieder offen gelegt und ein Fußweg in Richtung Innenstadt gebaut werden. Der Unterschied zwischen den Konzepten ist, dass unterschiedlich viele Privat-Grundstücke einbezogen sind. "Das wäre städtebaulich eine schöne Lösung und bringt ein Mehr an Raum-Qualität", sagte Göger, wies aber auch darauf hin, dass es sich nur um eine Grobplanung handle: "Da sind noch sehr viele Punkte, die sicherlich noch überdacht werden müssen."
Schlucken mussten die Stadträte, als es um die Kosten der Neugestaltung ging: 1,87 Millionen Euro würde die größere Variante kosten, die kleinere ist nur rund 100 000 Euro billiger. Laut Göger würde der Ausbau der obersten, rund 1200 Quadratmeter großen Ebene samt Bereich vor dem Friedhof rund 283 000 Euro kosten. Die mittlere Ebene mit rund 1350 Quadratmetern haben die Planer auf 422 000 Euro veranschlagt und die 3000 Quadratmeter große Fläche rund um den bestehenden Obermang-Parkplatz samt Kirchgasse auf 479 000 Euro. Könnte die Stadt ein zentral gelegenes Garten-Grundstück kaufen, würden für dessen Gestaltung 73 000 Euro anfallen, zudem ergeben sich Verschiebungen beim letzten Bauabschnitt, der Offenlegung des Leimbaches, der mit bis zu 611 000 Euro zu Buche schlägt.
"Das Projekt könnte mit 60 Prozent gefördert werden", verwies Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) auf das Programm Stadtumbau West. Für die Öffnung des Leimbachs hofft sie sogar auf einen noch höheren Zuschuss, denn: "Die Idee, den Leimbach zu öffnen, kam vom Wasserwirtschaftsamt." Von dort könnte es auch eine finanzielle Unterstützung geben.
"Das ist eine Art Baukasten-Prinzip", betonte Architekt Florian Göger, dass die einzelnen Bauabschnitte zeitlich gestreckt werden könnten. Auch zahlreiche Stadträte sprachen sich dafür aus, vorerst nur die oberen beiden Terrassen anzugehen, die sich vor allem bereits im Eigentum der Stadt befinden.
"Da geben wir Geld für eine Planung aus und wissen nicht, ob wir's jemals realisieren können", setzte bei den Eigentumsverhältnissen auch die Kritik von PWG-Stadträtin Birgit Poeck-Kleinhenz an. "Wir stehen nachwie vor in Verhandlungen", kommentierte Bürgermeisterin Meyerdierks die Gespräche mit den Eigentümern im öffentlichen Teil.
"Mir gefallen die Innenstadt-Gärten sehr gut, weil es sie nur noch selten gibt", sah 2. Bürgermeisterin Adelheid Zimmermann (FDP) die Eigentumsverhältnisse nicht als Hinderungsgrund an. Auch CSU-Stadtrat Hartmut Bös sprach sich für eine Erhaltung der Gärten bei gleichzeitiger Neu-Gestaltung des Bereichs darum herum aus.
"Man muss erkennen, dass man in eine Kurstadt kommt", sprach sich Werner Kenner (SPD) für den Ausbau aus, regte jedoch im Bereich der Friedhofszufahrt einen Kreisel an, um die Geschwindigkeit zu reduzieren und eine weitere Gestaltungsmöglichkeit zu haben.
Am Ende der langwierigen Diskussion konnte sich der Stadtrat trotz vieler positiver Kommentare mit 17:2 Stimmen gerade einmal zu einer einfachen Kenntnisnahme der Rahemnplanung durchringen: Zuvor hatte eine Mehrheit entschieden, dass das Wort "befürwortend" aus dem Beschluss-Vorschlag der Verwaltung gestrichen wurde.