Bad Kissingen
Schule

Kleiner Umweg zum Abi

Seit fünf Jahren können sich in Bad Kissingen Jugendliche nach der Mittleren Reife fit machen für die gymnasiale Oberstufe. 27 Schüler nutzen das aktuell, ihre Erfahrungen sind positiv.
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Magdalena Schatz (von links), Juliane Koy, David Skrzypczyk und Laura Vorndran sind vier der 27 Schüler, die heuer die Einführungsklasse am Jack-Steinberger-Gymnasium besucht haben. Im kommenden Schuljahr geht es dann regulär in der Oberstufe weiter. Foto: Ralf Ruppert
Magdalena Schatz (von links), Juliane Koy, David Skrzypczyk und Laura Vorndran sind vier der 27 Schüler, die heuer die Einführungsklasse am Jack-Steinberger-Gymnasium besucht haben. Im kommenden Schuljahr geht es dann regulär in der Oberstufe weiter. Foto: Ralf Ruppert
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David Skrzypczyk ist ein typischer Fall für die Einführungsklasse des Bad Kissinger Gymnasiums: "Ich wollte schon nach der Grundschule ins Gymnasium, hab's damals aber nicht geschafft", berichtete der 17-jährige Bad Brückenauer. Schon lange vor der Mittleren Reife stand für ihn fest, dass er weiter die Schulbank drücken will. Allerdings dachte er zunächst an die Fochoberschulen (FOS) in Bad Neustadt oder Schweinfurt.
David Skrzypczyk wollte aber nicht nur das Fach-Abi, sondern die Allgemeine Hochschulreife: "Da hat man einfach mehr Möglichkeiten."
David Skrzypczyk ist ein Beispiel dafür, dass die Schüler der Einführungsklasse auch lange Wege in Kauf nehmen: Um 6.30 Uhr startet der Bus in Bad Brückenau, bei Nachmittagsunterricht ist er erst gegen 17 Uhr wieder daheim. Früher habe er Psychologie studieren wollen, dann Jura, mittlerweile sei er bei Maschinenbau angekommen, berichtet der 17-Jährige. Aus seiner Sicht sei der große Unterschied zu den anderen Gymnasiasten, dass man sich in der Realschule schon viel eher Gedanken um die Zukunft mache: "Wir hatten schon viel mehr Berufsberatung", nennt er als Beispiel.

Schon ein Abschluss in der Tasche

"Ich kann das entspannter angehen, weil ich ja schon einen Schulabschluss habe", erzählt Juliane Koy aus Winkels. Die 17-Jährige musste lediglich ein Gebäude weiter wechseln, um sich aufs Abi vorzubereiten: "Ich kann weiter mit dem Fahrrad zu Schule fahren", freut sie sich darüber, dass es die einzige Einführungsklasse im Landkreis am Jack-Steinberger-Gymnasium gibt. Aber nach dem Abi will sie weit weg: "Ich würde am liebsten im Ausland studieren: Kanada oder England."
Eher die Exotin in der Klasse ist Magdalena Schatz aus Heiligkreuz: Die 18-Jährige hat als Kind immer das erste Halbjahr in Marokko gelebt, weil ihre Eltern dort ein Hotel betreiben. Im zweiten Halbjahr ging es dann zurück nach Deutschland. Der Wechsel zwischen den Amtssprachen Französisch/Arabisch und Deutsch war schon in der Grundschule eine echte Herausforderung. Auch deshalb legte Magdalena Schatz den Umweg über Förder- und Wirtschaftsschule ein. Trotzdem hatte sie immer ein Ziel vor Augen: "Ich wollte einfach das Abitur machen, weil einem damit alle Wege offen stehen." Ihr konkreter Traum: Luft- und Raumfahrt studieren oder Pilotin werden.

"Schüler im Schnitt motivierter"

In Marokko sprach sie zwar viel Französisch, das wurde in Deutschland aber nicht anerkannt, deshalb begann sie wie etwa die Hälfte der Klasse mit Spanisch. "Wir haben ja Spanisch als spät beginnende Fremdsprache, hier fangen also alle in der 10. Klasse auf dem gleichen Stand an", berichtet Schulleiter Frank Kubitza.
"Ich wusste lange nicht, dass das geht, die FOS ist einfach viel bekannter", erzählt auch Laura Vorndran (17) aus Frankenbrunn. Bis zur 9. Klasse habe es immer nur Info-Abende der FOS gegeben, erst in der 10. Klasse erfuhr sie von der Einführungsklasse, an der sie mittlerweile vor allem die Eigenständigkeit der Schüler schätzt.
Das bestätigt auch Lehrerin Johanna Heurung: "Die Schüler sind im Schnitt motivierter, das ist ein angenehmes Arbeiten", freut sich die Deutsch-Lehrerin. Natürlich müsse auch viel nachgeholt werden, etwa Lektüren. "Aber selbst Schillers Räuber kam in der Klasse gut an."
"Da sind große Erfolgsgeschichten darunter", sagt Schulleiter Kubitza über die Einführungsklasse und berichtet von einem Abiturienten das Jahrgangs 2013: "Der Schüler wurde in der Grundschule nicht für fähig erachtet, die Realschule zu besuchen, und hat dann bei uns das Abitur mit 1,0 gemacht."

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