Bad Kissingen
Wiederbelebung

Kleiner Koffer am Regentenbau rettet Leben

Unter den Arkaden des Regentenbaus in Bad Kissingen ist jetzt ein Defibrillator installiert, der bei plötzlichem Herzstillstand den Patienten wiederbeleben kann. Das offen zugängliche Gerät der neuesten Generation ist leicht zu bedienen und soll die Scheu vor erster Hilfe nehmen.
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Stellvertretender Landrat Alfred Schrenk übte die Herzdruckmassage im Rahmen der Initiative "100 Pro Reanimation". Foto: Werner Vogel
Stellvertretender Landrat Alfred Schrenk übte die Herzdruckmassage im Rahmen der Initiative "100 Pro Reanimation". Foto: Werner Vogel
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"Bei der Reanimation zählt jede Minute", weiß Dr. Ralph Brath, der leitende Notarzt in Bad Kissingen. Alle vier Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an plötzlichem Herztod. Meist geht dem Herz-Kreislauf-Stillstand das Vorhofflimmern voraus. Ein schnell eingesetzter "Defi", wie der Defibrillator in der Medizin genannt wird, kann 70 Prozent der Patienten wiederbeleben, führt Dr. Brath aus.

Sein Vortrag war Teil einer öffentlichen Schulungs- und Informationsveranstaltung, die vom Zentrum für Telemedizin, Bayerischen Roten Kreuz und dem Lions-Club Bad Kissingen im Rahmen der "Woche der Wiederbelebung" gemeinsam veranstaltet wurde. Der Auftakt der deutschlandweiten Kampagne fand auch in Bad Kissingen reges Interesse.
Thomas Schreiner, Projektmanager vom Zentrum für Telemedizin (ZTM) in Bad Kissingen, erläuterte im Rossini-Saal den Hintergrund der Aktion "Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation", die Teil der Wiederbelebungswoche ist. Viele haben Angst, etwas falsch zu machen, wenn sie anderen helfen sollen. Diese Scheu ist unbegründet, meint Schreiner. Die Automatischen Externe Defibrillatoren (AED) sind einfach in der Handhabung und können somit auch von Laien bedient werden.
Mit dem Einschalten des Geräts wird gleichzeitig die Rettungsleitstelle alarmiert. Der Ersthelfer muss nur die Elektroden aufkleben und erhält vom Gerät klare Anweisungen für den Rettungsablauf, unterstützt von der Rettungsleitstelle. "Falsch machen kann man nichts, nichts tun hingegen kann tödlich für den Patienten sein. Gerade für Bad Kissingen ist eine Versorgung mit AED's geboten", meint Schreiner.
Hier setze die "Frühdefi-Offensive" des ZTM an, berichtet der Projektmanager der Telemedizin. "Wir sind froh, dass mit Unterstützung des Lions-Club nunmehr der 3. "Defi" in der Kurstadt installiert werden konnte (weitere sind am Landratsamt und am Gründerzentrum). Das auffallende rote Köfferchen ist einem Wandgehäuse gesichert. Ein kleines Logo in den Arkaden weist auf den Standort neben dem Eingang zu Lesesaal hin.


13 Geräte in der Region

"Insgesamt haben wir bereits 13 Geräte der neuesten Generation in der Region installieren können", führt Schreiner aus. "Wir von der Telemedizin übernehmen alle notwendigen Wartungen und Updates. Alle Geräte sind mit den lokalen Rettungsleitstellen vernetzt und die Telemedizin unterstützt die Organisationen, Firmen oder die öffentliche Hand, die Lebensrettungsstationen aufbauen." Ziel sei es, dass eines Tages der AED so selbstverständlich wie ein Feuerlöscher wird.
Michael Zimmermann, Präsident des Lions-Club Bad Kissingen übergab den Defibrillator an die Prokuristin der Staatsbad GmbH, Petra Schröder. Der stellvertretende Landrat Alfred Schrenk dankte der Telemedizin für die Initiative und dem Lions-Club für die Spende. Er freute sich, dass die ZTM in Bad Kissingen ein gut funktionierendes Netzwerk für medizinische Betreuung in der gesamten Region aufgebaut hat und überzeugte sich selbst, wie einfach das Gerät zu bedienen ist.


Prüfen, rufen, drücken

Schrenk ließ es sich nicht nehmen, auch das Anliegen der Initiative "100 Pro Reanimation", - ein weiterer Schwerpunkt der "Woche der Wiederbelebung - praktisch zu demonstrieren. Drei Dinge sind dabei wichtig, wurde ihm bei seinem Rettungseinsatz von den Rotkreuz-Helfern eingeschärft: Prüfen (Reaktion des Bewusstlosen), Rufen (Notruf 112 absetzen), Drücken (Herzdruckmassage 100x pro Minute). "Ich hoffe, dass ich das niemals anwenden muss, aber wenn, dann weiß ich jetzt, wie's geht", meinte der Wildfleckener Bürgermeister.










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