Bad Kissingen

Kleine Könige der Lüfte

Die Modellfluggruppe Bad Kissingen e.V. wurde in diesem Jahr 30 Jahre alt.
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Wenn die Modellflieger auspacken, wird es bunt auf der Wiese. Foto: Herbert Kolb
Wenn die Modellflieger auspacken, wird es bunt auf der Wiese. Foto: Herbert Kolb
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Es ist heuer 30 Jahre her, dass die Modellfluggruppe Bad Kissingen e. V. gegründet wurde. Das war im Grunde genommen nur ein logischer Schritt in einer Entwicklung, die viele Jahre vorher begann.

Der Modellflug in Bad Kissingen geht bis auf die 30er Jahre zurück. Damals wurde bereits am Sinnberg Modellflug betrieben. Es handelte sich um freifliegende Segelmodelle.
Kleine Flugmotoren oder gar Fernsteuerungen gab es damals natürlich noch nicht.

Richtig los ging es erst nach dem Zweiten Weltkrieg in den 60er Jahren. Der Spielwarenhändler Richard Ahlert begann damals als einer der Ersten, funkferngesteuerte Flugmodelle zu fliegen. Die Abkürzung für funkferngesteuerte Modelle ist RC (radio controlled).

Es dauerte nicht lange, und es schlossen sich ihm einige Gleichgesinnte an und legten sich ebenfalls RC-Modellflugzeuge zu. Die Flugzeuge mussten damals - anders als heute - generell erst einmal zusammengebaut werden. Es handelte sich um Bausätze aus Balsa- und Sperrholzteilen. Leider waren die Empfangsanlagen zur damaligen Zeit sehr empfindlich und störanfällig, so dass öfters mal ein Modell verloren ging. Mit den ersten sogenannten Tiptip - Anlagen konnte nur das Seitenruder gesteuert werden. Das hat sich im Laufe der Jahre erheblich verbessert und die heutigen Digitalanlagen sind enorm zuverlässig und leistungsstark.

Doch noch einmal zurück in die 70er und 80er Jahre. Wenn man Modellflugzeuge fliegen wollte, brauchte man auch einen entsprechend großen Platz. Es wurde zuerst in Garitz nahe dem Hundeplatz geflogen. Auf der Betonpiste konnte recht gut gestartet werden, gelandet wurde meist im Gras daneben. Nachdem in Garitz genau über den Startplatz eine Hochspannungsleitung gebaut wurde, war dort Schluss.


Der Kommandant flog mit

Die Modellflieger zogen um nach Hausen, Nähe Dresdner Straße, dann zwischen Hausen und Haard gestartet. Sogar auf dem amerikanischen Flugplatz wurde mit Erlaubnis des Standortkommandanten eine Zeitlang geflogen, da dieser dem Modellflug sehr positiv gegenüberstand. Nach der Wende wurde das gesamte Flugplatzgelände verkauft, und so durfte dort kein Modellflug mehr betrieben werden.

Nachdem die Gemeinschaft immer größer wurde und auch vom Staat Auflagen bezüglich der Lärmbelästigung gemacht wurden, mussten sich die Hobbyflieger Gedanken machen: Es sollte ein dauerhafter Platz für den Flugbetrieb gefunden werden , und es musste ein Verein gegründet werden, da die zuständige Behörde, das Landratsamt Bad Kissingen, einen Ansprechpartner haben wollte.

Am 2. April 1986 fand die Gründungsversammlung statt. Es waren 22 Modellflieger, die die MFG Bad Kissingen e.V. gründeten und eine Wiese in der Schnittlinie von Poppenroth, Lauter und Stralsbach pachteten. Zum Vorsitzenden des neu gegründeten Vereins wurde damals Dietrich Betz gewählt.

Durchstarten konnte der Verein deshalb noch nicht . Es musste erst grünes Licht kommen - oder die Flugfreigabe: von der Gemeinde Burkardroth, vom Landratsamt Bad Kissingen und von der Regierung von Mittelfranken - Luftamt Nordbayern. Das gab mit der Genehmigung vom 4. Juli 1986 das "Ja" zum Betrieb des Modellflugplatzes.


Grenzwerte einhalten

Nach der Genehmigung des Landratsamtes Bad Kissingen wurden alle mit Verbrennungsmotoren ausgerüsteten Modellflugzeuge einer Einzelprüfung bezüglich der Lautstärke unterzogen, einer sogenannten Lärmmessung. Ab diesem Zeitpunkt durften nur noch Modellflugzeuge mit Verbrennungsmotoren geflogen werden, die die gesetzlichen Emmisionsgrenzwerte einhielten. Modellflugzeuge mit Elektromotoren waren ausgenommen.
Nachdem es nach mehreren Jahren keinerlei Beschwerden aus der Bevölkerung gegeben hatte - immerhin sind Stralsbach und Lauter nur knapp einen Kilometer vom Modellflugplatz entfernt - kaufte der Verein den zunächst nur gepachteten Platz. Das wurde ohne irgendeinen staatlichen Zuschuss realisiert: Die Mitglieder gaben dem Verein ein Darlehen. Das war nach einigen Jahren komplett an die Mitglieder zurückgezahlt. Seitdem ist der Verein Eigentümer des Modellflugplatzes.

Selbstverständlich wurden in den Jahren des Vereinsbestehens zahlreiche vereinsinterne und freie Aktivitäten durchgeführt. Es wurden Vereinspokale ausgeflogen und auch große Modellausstellungen organisiert, um der Bevölkerung das Hobby Modellfliegen näherzubringen und neue Mitglieder zu werben.

Mittlerweile sind die meisten Mitglieder im Rentenalter. Der Vorsitzende der Modellfluggruppe Bad Kissingen Michael Lang würde sich freuen, wenn sich junge Menschen als angehende RC-Piloten melden würden. Anfänger bekomme von den langjährigen Mitgliedern Hilfestellung für den Einstieg in dieses interessante Hobby. Immerhin lernt man im Rahmen des Modellfliegens einiges über Aerodynamik, Elektronik und praktischen Modellbau.


Fast nur noch elektrisch

Im Gegensatz zu früher werden heute die meisten Modellflugzeuge mit Elektromotoren betrieben. Es werden zwar noch Verbrennungsmotoren eingesetzt, aber meistens von langjährigen Modellpiloten in Großmodellen mit mehr als zwei Metern Spannweite. Auch Hubschraubermodelle können auf dem vereinseigenen Platz geflogen werden, egal ob mit Verbrennungsmotor, Elektromotor oder gar mit Turbinenantrieb - den gibt es wirklich - sofern sie die Gewichtsgrenze von zehn Kilogramm die für alle Flugmodelle gilt, nicht überschreiten.

Was früher ein relativ teures Hobby war, ist heutzutage absolut erschwinglich. So kostet beispielsweise heute ein Anfängermodell mit Elektromotor, Akku, Ladegerät und einer einfachen, aber für dieses Modell absolut ausreichende Fernsteuerung weit unter 200 Euro. Es handelt sich dabei üblicherweise um ein Segelflugzeug aus Schaumstoff mit Elektromotor, das fast fertig gebaut ist und sehr gut fliegt.

Die Modellfluggruppe berät und informiert Neueinsteiger über Modelle und Einweisungen. Weitere Informationen gibt es auch unter www.mfg-bad-kissingen.de. Dort erfahren Besucher alles über die Lage des Platzes, Kontaktadressen, Bilder und Filme vom Gelände, den Modellen und vieles mehr.

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