Premich
Infoabend

Klares Votum für den Dorfladen

Mehr als die Hälfte der Premicher haben sich an einer Umfrage zum Thema Einkaufen vor Ort beteiligt. Die Ergebnisse wurden nun vorgestellt.
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Obst und Gemüse, Eier, Molkereiprodukte, Getränke sowie Backwaren möchten die Premicher in einem Dorfladen einkaufen. Der Laden könnte schon bald in der ehemaligen Raiffeisenbank entstehen. Foto: Kupka-Hahn
Obst und Gemüse, Eier, Molkereiprodukte, Getränke sowie Backwaren möchten die Premicher in einem Dorfladen einkaufen. Der Laden könnte schon bald in der ehemaligen Raiffeisenbank entstehen. Foto: Kupka-Hahn
Sie wollen ihn, den Dorfladen. Er könnte im ehemaligen Raiffeisenbank-Gebäude an der Ecke Kirchstraße/Waldberger Straße entstehen. Wenn möglich schon bald.
Denn die Einkaufsmöglichkeiten vor Ort sind schlecht. So zumindest beurteilt etwa die Hälfte der Premicher die aktuelle Versorgungssituation. Schließlich gibt es in dem größten Ortsteil des Marktes Burkardroth, in dem mehr als 1100 Bewohner leben, nur zwei Metzger und einen Bäcker. Sämtliche andere Lebensmittel sowie Waren des täglichen Bedarfs müssen außerhalb eingekauft werden. Doch dies wollen die Premicher nun ändern - und sich dabei auch selbst einbringen.
Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, die das Institut für Nahversorgungs-Services (ifns) in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der örtlichen Projektgruppe "Dorfladen" durchgeführt hat. Die Ergebnisse stellte der Geschäftsführer des Instituts, der Unternehmensberater und Diplom-Betriebswirt Volker Hahn, am Dienstagabend bei einem Informationsabend vor.


Hoher Rücklauf

Etwa 460 Fragebögen waren Mitte März an die Haushalte in Premich und Gefäll verteilt wurden. Zudem bestand bis 15. April die Möglichkeit, sich online auf der Homepage des Marktes Burkardroth an der Umfrage zu beteiligen. Insgesamt 263 Fragebögen wurden ausgefüllt und an das Institut gesandt. "Das entspricht einer Rücklaufquote von 57 Prozent. Das ist sehr gut, mehr als bei so manchem Bürgerentscheid", erklärte der Unternehmensberater. Daraus ließen sich wirklich repräsentative Aussagen nicht nur bezüglich der aktuellen Versorgungssituation, sondern auch zur weiteren Entwicklung eines möglichen Dorfladens ableiten.


Richtung ist klar

Denn 82 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in einem solchen einkaufen würden. Nur vier Prozent der Umfrageteilnehmer zeigte sich mit der aktuellen Einkaufssituation in Premich zufrieden. "Das ist ein klares Votum, in welche Richtung es gehen soll", so Volker Hahn. Auf die Frage, welche Waren im Dorfladen den Bewohnern wichtig wären, wurden am häufigsten Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Backwaren, Getränke sowie Produkte vom Direktvermarkter genannt. Tabakwaren und Fertigprodukte hingegen bewerteten die Teilnehmer als unwichtige Waren. "Ihr lebt hier wirklich gesund", kommentierte Hahn diese Werte. Beim Einkauf legen die Premicher außerdem weniger Wert auf Beratung oder Herkunft der Produkte, sondern vielmehr auf Qualität, Preis und Regionalität, stellte sich bei einer weiteren Frage heraus.
Außerdem wurde gewünscht, dass der künftige Laden gut anfahrbar, barrierefrei erreichbar und durchgängig geöffnet ist und auch eine vernünftige Auswahl an Produkten bietet. "Es müssen nicht acht verschiedene Sorten Kirschjoghurt im Regal stehen. Es reicht, wenn es einen gibt", fügte der Betriebswirt hinzu. Laut der Umfrage sehen die Bewohner den Dorfladen aber nicht nur als Versorger mit Lebensmitteln. Sie wünschen sich vielmehr, dass dort auch verschiedene Dienstleistungen angeboten werden. So sprach sich etwa die Hälfte der Befragten dafür aus, dass ein Café/Bistro sowie ein Informationspunkt für Wanderer eingerichtet werden soll. Schließlich führt direkt an dem Gebäude der Wanderweg Hochrhöner vorbei, der besonders zwischen April und Oktober stark frequentiert ist. Mehr als 70 Prozent der Premicher sind sogar dafür, dass sowohl eine Paketannahmestelle als auch ein Geldautomat integriert wird.


Aufbauhilfe

In dem Fragebogen wurde außerdem die Bereitschaft der Bewohner ermittelt, beim Aufbau des Dorfladens und dem späteren Betrieb ehrenamtlich mitzuarbeiten. 45 Personen (17 Prozent) sagten ganz klar zu. "Das ist einer der höchsten Werte, die wir vom Institut je erreicht haben", so der Betriebswirt. Acht Premicher erklärten sich bereit, den Gründungsprozess zu begleiten, vier wollen in Sachen EDV aktiv werden, weitere elf würden sich bei der Einrichtung beteiligen, 15 sogar Sonderaktionen und Feste unterstützen.
Auch in finanzieller Hinsicht wurde bei der Beantwortung Unterstützung signalisiert: 74 Befragte wären bereit, Anteilscheine zu zeichnen. 118 lehnten das ab, weitere 71 beantworteten die Frage nicht. Zudem hatten im Vorfeld die Rhön-Biker, der Eigenheimer-Verein und die Soldatenkameradschaft finanzielle Beteiligungen von insgesamt 3500 Euro zugesagt. "Nach jetzigem Stand können wir mit 22 750 Euro rechnen. Aber die reichen bei Weitem nicht aus", erklärte der Unternehmensberater. Nötig seien zwischen 60 000 und 80 000 Euro Eigenmittel, die laut seiner Erfahrung auch erreicht werden. Schließlich hat Hahn mit seinem Institut seit 2007 nicht nur den Dorfladen in seinem Wohnort Heilgersdorf nahe Coburg initiiert, sondern betreut mittlerweile 60 derartige Projekte deutschlandweit. "Für die Zeichnung der Anteilsscheine werden wir in den Sommerferien ein Dorfometer am künftigen Dorfladen aufstellen, auf dem der aktuelle Wert jederzeit ablesbar ist", fügte er hinzu. Wenn alles glatt liefe, könne bereits im Frühjahr die Eröffnung gefeiert werden.
Ein weiterer Bericht folgt.
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