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Premich
Natur

Kids mit "grünem Daumen" in Premich

Seit fünf Jahren werden Kinder im Markt Burkardroth zu Mini-Gärtnern ausgebildet.
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Nach dem Pflanzen wird ordentlich gegossen. Adrian (von links), Jonas, Johanna und Aurelia erledigen das voller Hingabe. Foto: K. Kupka-Hahn
Nach dem Pflanzen wird ordentlich gegossen. Adrian (von links), Jonas, Johanna und Aurelia erledigen das voller Hingabe. Foto: K. Kupka-Hahn
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Jonas starrt ungläubig auf seinen Zeigefinger. Der ist total schmutzig, Erde haftet an ihm. Das ist gut, hat der Junge soeben gelernt. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Erde feucht genug ist und das Beet nicht gegossen werden muss. Dieses haben Jonas sowie die vier und fünf Jahre alten Kinder der Forschergruppe 1 des Premicher Kindergartens gerade eben frisch bepflanzt.
Etliche Kohlrabi- und Salatpflänzchen sowie Rote Beete, Mangold und zwei Gurkengewächse haben sie darin platziert, außerdem noch zahlreiche Samen unter die Erde gebracht. Schließlich wollen die Jungen und Mädchen in einigen Wochen Karotten, Spinat und Radieschen ernten.
Neu ist das für die Premicher Kinder nicht. "Seit Jahren schon bauen wir Gemüse selbst an", erzählt Kita-Leiterin Aileen Schöppner. Nachhaltigkeit, ein sinnvoller Umgang mit Wasser und eine gesunde Ernährung sind Programm in ihrer Einrichtung, die momentan von 41 Kindern zwischen einem und sechs Jahren sowie 34 Grundschülern besucht wird.


Pflanzen und Ernten

Ebenso wichtig sind Experimente und Naturerlebnisse. Dazu zählt auch das Wachsen und Gedeihen von Pflanzen, das Ernten von Obst und Gemüse. Deshalb standen auch bis vor Kurzem einige Hochbeete auf dem Außengelände der Einrichtung. Zwei davon waren nun in die Jahre gekommen und mussten weichen. An ihrer Stelle haben zwei Mitarbeiter von der Edeka-Stiftung ein neues aufgebaut und es im Rahmen des Projektes "Gemüsebeete für Kids" bepflanzt.
Den Einsatz hatte Manuela Mahlmeister vom Rhön-Center in Zahlbach angeregt. Seit fünf Jahren schon ist die Handelsfachfrau in der Großgemeinde als Patin des Projektes der Handelskette unterwegs und begleitet die Kollegen von der Stiftung bei ihren Hochbeet-Einsätzen. "Wir haben schon welche in den Kindergärten Waldfenster, Burkardroth und Stangenroth angelegt und auch jedes Jahr neu bepflanzt", erzählt sie. "Weil es wichtig ist, dass die Kinder wissen, woher das Gemüse kommt", fügt sie hinzu.
Im Premicher Kindergarten waren sie jetzt zum ersten Mal. Zunächst werden Manuela Mahlmeister sowie Christiane und Antony von der Edeka-Stiftung noch zurückhaltend beäugt. Doch das Eis ist schnell gebrochen, als die Kinder in die Schürzen schlüpfen und gemeinsam am neu aufgebauten Hochbeet loslegen.
Denn dort dürfen die Jungen und Mädchen zunächst mit ihren Händen kräftig in der Erde wühlen und den Dünger einarbeiten. "Das ist Essen fürs Essen", erklärt Antony. Im nächsten Arbeitsschritt werden die jungen Pflänzchen gesetzt. Dafür werden die Kinder in Zweiergruppen eingeteilt: Einer ist der Kran, der andere ist der Bagger. "Ich bin der Bagger", ruft der vierjährige Lennox und legt auch gleich los. Mit seiner Hand gräbt er ein Loch in der Erde. In dieses setzt sein Freund Leon, der Kran, ein Babypflänzchen. Dann darf der Bagger wieder ran, den Wurzelballen mit Erde umschließen und das Loch wieder verfüllen. Voll konzentriert sind Lennox und die anderen Kinder bei der Sache. Innerhalb kürzester Zeit ist das Hochbeet schon gut bestückt.


Samenkorn für Samenkorn

Doch dann zieht Antony einen kleinen Graben ringsum und erklärt den Kleinen: "Das ist unsere Regenwurmrennbahn." Mit großen Augen und recht ungläubig gucken ihn die Jungen und Mädchen an. Doch als Christina die Samentütchen zeigt, wird den Kindern schnell klar, hier werden die Samen hineingelegt. Antony erklärt ihnen noch, wie sie das machen müssen, und dann legen sie los. Korn für Korn findet mittels zahlreicher kleiner Daumen und Zeigefinger, die sich zum Pinzettengriff treffen, seinen Platz. Die Samen für Karotten werden etwas weiter auseinandergelegt, die für den Spinat hingegen ganz eng aneinander, so die Anweisung.


Mit Hingabe

Die Kinder setzen das mit Hingabe um. Schließlich wird die sogenannte Regenwurmrennbahn wieder verfüllt und leicht mit Erde bedeckt. Zum Abschluss der Pflanzaktion darf sich jedes Kind noch eine kleine gelbe Gießkanne nehmen, die extra für sie bereitstehen. Fürsorglich geben die fleißigen Mini-Gärtner den frisch gesetzten Pflanzen und Samen Wasser.
Doch reicht das aus? Müssen die Kinder später nochmal gießen? Antony zeigt ihnen, wie sie das ganz schnell überprüfen können: "Steckt einfach mal den Finger in die Erde", fordert er die Kleinen auf, die das auch bereitwillig tun. "Bleibt welche daran haften, ist der Boden feucht genug. Wenn nicht, dann müsst ihr gießen."
Schließlich plaudert er mit den Mini-Gärtnern noch darüber, was sie bei der Pflege ihres neuen Beetes so alles beachten müssen. Dabei erweisen sich die Jungen und Mädchen als echte Profis im Umgang mit nützlichen Regenwürmern und vielfressenden Schnecken. "Die setzen wir einfach auf die Rutsche", schlägt Leon spontan vor. Doch Antony hält die Fläche hinter dem Spielgerät für besser geeignet. "Im Kindergarten Waldfenster werfen die Kids die Schnecken über den Zaun zu den Hühnern und in Burkardroth in den Garten vom Bürgermeister", erzählt Manuela Mahlmeister schmunzelnd und verspricht schließlich, im nächsten Jahr wiederzukommen. Damit das Beet dann wieder neu bepflanzt wird.


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