Stangenroth
Umzugshilfe

Keine Angst vor Wespen

Wer ein Wespen-, Bienen- oder Hornissennest entdeckt, darf dieses nicht zerstören und auch die Insekten nicht töten. Besser ist der Anruf beim Fachmann.
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In diesem Kasten am Baum lebt ein Hornissenschwarm. Diesen hat Sebastian Metz im Frühjahr samt Nest in seinen Garten umgesiedelt. Es ist nicht bei dem einen geblieben. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
In diesem Kasten am Baum lebt ein Hornissenschwarm. Diesen hat Sebastian Metz im Frühjahr samt Nest in seinen Garten umgesiedelt. Es ist nicht bei dem einen geblieben. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
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Sebastian Metz ist ein wirklich mutiger Mann. Regelmäßig sammelt er Wespen und Hornissen ein und siedelt die Insekten samt der Nester um. Auch jetzt sitzt er ganz ruhig und entspannt da, obwohl drei, vier große Pferdewespen, wie Hornissen auch genannt werden, um ihn herumschwirren. Sie stammen aus dem Kasten, der nur etwa wenige Zentimeter neben ihm am Baum hängt.
"Darin ist ein Hornissennest, das ich erst im Frühjahr hierher in meinen Garten umgesiedelt habe", erzählt der 34-Jährige.
Die Insekten haben den unfreiwilligen Umzug sehr gut verkraftet. Inzwischen haben sie sich zahlreich vermehrt und ihr Nest erheblich vergrößert. "Man sieht, dass sie es über die Öffnung hinaus gebaut haben", erklärt Metz. Insgesamt vier solcher Hornissenbehausungen hat er heuer schon umgesetzt, die letzte erst in der vergangenen Woche in Frauenroth.


Bis zu 50 000 Euro Bußgeld

Denn töten darf man die Insekten nicht, auch ihr Nest darf nicht zerstört werden. Die Hornisse zählt laut Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Arten. "Deshalb kann für das vorsätzliche oder fahrlässige Anlocken, Fangen oder Töten einer Hornissenkönigin beziehungsweise eines Hornissenvolkes ein Strafverfahren eröffnet oder sogar eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren und eine Geldstrafe verhängt werden", ist im aktuellen Bußgeldkatalog 2016 nachzulesen. In Bayern sind bis zu 50 000 Euro Strafe zu zahlen, im Bundesland Brandenburg werden sogar 65 000 Euro fällig, in Rheinland-Pfalz "nur" 5 000 Euro. Genauso hoch sind die Beträge, wenn man ein Bienen- oder Wespennest zerstört oder die Insekten tötet, was viele Leute gerade hier auf dem Land noch immer tun.
Laut Unterer Naturschutzbehörde wurden im Landkreis Bad Kissingen bisher keine Zerstörungen gemeldet. "Aus diesem Grund sind auch keine Ordnungswidrigkeiten verzeichnet", teilt Michael Schäder, Sprecher des Landratsamtes, mit. Es sei aber davon auszugehen, dass Nester illegal beseitigt werden. Das zeige laut Schäder allein schon das Angebot an Gift, das gegen Wespen im Fachhandel angeboten wird. Da Wespen, Bienen, Hornissen und andere Hautflügler vergleichbar empfindlich auf solche Gifte reagieren, ist mit entsprechenden Kollateralschäden zu rechnen. Dabei müssten diese nicht sein, denn im Falle eines Falles genügt der Anruf bei Sebastian Metz.


Leben und leben lassen

Bei Bienen in Schwärmen oder Nestern verständigt er einen Imker, der meistens ganz froh über den Zuwachs ist. In Sachen Wespen hat der Experte momentan gut zu tun. "Im Juli und August entferne ich pro Woche zwei bis drei Nester", sagt er. Im September hingegen rät Metz meistens von Maßnahmen ab. "Denn in vier Wochen hat sich das Thema erledigt, dann sterben die Insekten ab, nur die jüngste Brut überlebt, und die baut sich im nächsten Jahr ein neues Nest", erklärt er. Häufig siedeln sich die Wespen in Rollkästen von wenig benutzten Räumen oder unter dem Dachstuhl an. Bei letzterem empfiehlt der Fachmann, nichts zu tun, sondern im Winter die leere Behausung zu beseitigen.


Angst hat er nicht

Angst hat der Gartenbaumeister bei seinen Einsätzen nicht. "Schließlich trage ich immer einen Schutzanzug wie die Imker", sagt er. Die Hornissen oder Wespen saugt er zunächst mit einem Staubsauger ein, wartet eine Weile und löst dann das Nest ab. Dieses legt er in einen Kasten und fügt dann den Staubsaugerbeutel sowie etwas Nahrung hinzu. Bei den Hornissen besteht diese aus einem Stück Leberwurst, worauf die rund zwei Zentimeter großen Brummer total abfahren. "Schließlich sind sie Insektenfresser", so der Fachmann. Für die Hornissennester sucht er sich neue Standorte auf seinen Grundstücken in Stangenroth oder an der Lohmühle in Zahlbach. "Die Wespennester setze ich in den Wald."


Lehrgang absolviert

Ursprünglich hat der gebürtige Stangenrother diesen außergewöhnlichen Job, Wespen- und Hornissennester zu beseitigen, für die Feuerwehr erledigt, war sogar der dafür eingetragene Beauftragte im Markt Burkardroth. "Vor ein paar Jahren habe ich einen Lehrgang zum Bienen- und Wespenbeauftragten mitgemacht, bei dem ich gelernt habe, solche Insektennester zu entfernen", erzählt er. Doch nun erledigt er diese Arbeit als Geschäftsmann. "Da die Feuerwehren der Privatwirtschaft keine Aufträge mehr wegnehmen dürfen", fügt er hinzu. Heißt, dass er für seine Insektenumsiedlungen, für die er eine Sondergenehmigung hat, nun Geld verlangen darf. Rund 50 bis 60 Euro kostet so ein Einsatz, der in der Regel etwa eineinhalb Stunden dauert. "Aber wegen dem Geld mache ich es nicht, sondern wegen des Naturschutzes", sagt Sebastian Metz.
Deshalb kommt es auch schon mal vor, dass er ein Hornissennest nicht entfernt, sondern den Entdeckern erklärt, wie man mit den Insekten friedlich zusammenlebt. "Das hat letztes Jahr in der Kita Stangenroth, wo zwei große Nester im Geräteschuppen hingen, wunderbar geklappt. Niemand ist gestochen worden", fügt er hinzu. Er bisher auch noch nicht, obwohl er schon seit ungefähr acht Jahren Insekten erfolgreich umsiedelt. Schließlich ist er ein mutiger Mann.
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